notifications
Kolumne

«Ich meinti»: «Grillgott – es kann nur einen geben»

Kolumnist Karl Tschopp über die hohe Kunst des Grillierens.

So kurz vor dem Feiertag vom Grillgott zu schreiben, passt eigentlich ganz gut. «Ferragosto», wie er auch genannt wird, das Fest Mariä Himmelfahrt, das in den meisten katholischen Ländern am 15. August gefeiert wird. Man geht davon aus, dass der Name «Ferragosto» von den Feiertagen zu Ehren des Augustus («Feriae Augusti») stammt, die in der Antike am 1. August gefeiert und im christlichen Zeitalter in den religiösen Feiertag des 15. August aufgenommen wurden.

Vor allem in Italien entwickelten sich viele Traditionen, die mit diesem Feiertag verbunden sind. Bei vielen davon geht es um das Essen. Das traditionelle Mittagessen an «Ferragosto» ist Wildschwein mit Polenta oder Huhn mit Paprika und als Vorspeise Fettuccine mit Leber. Es war auch Brauch, dass die Chefs ihren Angestellten Geld oder Lebensmittel spendeten, damit sie den Feiertag glücklich mit ihren Familien verbringen konnten. Es finden Ausflüge, Feuerwerke, Lagerfeuer und eben auch Grillabende statt.

Nun lese ich in der Rubrik «Zwischenruf» in unserer Tageszeitung den Artikel «Warum ich das Grillieren hasse» . Schade, dass Thomas Studer, der Verfasser seines eigenen Leides, derart schlechte Erfahrungen machen musste. Die Wurststände an öffentlichen Festen, am Märcht oder neben dem Fussballplatz sind nur einige dieser schwierigen Tatorte. Eine Bratwurst oder den Cervelat richtig und gut zu grillieren, ist bereits hohe Kunst. Egal, ob mit Kohle oder Gas gegrillt wird, die Wurst ist nicht einfach ein liebloses Stück Fleisch. Man muss Zeit haben, damit diese innen heiss und aussen schön braun angegrillt wird. So einfach das tönt, ist es nicht. Herr Studer hat da schon recht.

Kolumnist Karl Tschopp, Stans.
Bild: zvg

Grillieren ist eine eigene Kochkunst, die vielfach unterschätzt wird. Man benötigt halt in erster Linie ein gutes und praktisches Gerät. Es muss nicht die Luxusvariante sein, die heute kaum mehr bezahlbar ist. Ein einfacher und gut bedienbarer Grill reicht in aller Regel aus, um ein kulinarisches Erlebnis zu erreichen.

Ich meinti, das Grillieren, gerade auch an «Ferragosto», muss zelebriert werden. Nichts für hektisch veranlagte Menschen. Es benötigt viel Geduld und Kenntnisse über das Grillgut. Ich meine nicht nur das Fleisch, sondern auch die grillfähigen Zutaten wie allerlei verschiedene Gemüsesorten. Meine Frau überlässt mir den Platz als «designiertem Grillmeister» gerne. Es ist auch in gewisser Hinsicht «Männersache», am Grill zu stehen. Vielleicht liegt das daran, weil am Grillgerät der Öffner für die Bierflasche angeschraubt ist. Wie dem auch sei. Ich verfüge über eine Plakette mit der Aufschrift: «Grillgott – es kann nur einen geben». Der einzige Makel ist, dass ich diese Plakette nicht für meine Verdienste beim Grillieren erhalten habe … ich habe sie mir selbst gekauft.

Karl Tschopp, Rechtsanwalt aus Stans, äussert sich an dieser Stelle abwechselnd mit anderen Autorinnen und Autoren zu einem selbst gewählten Thema.

Kommentare (0)