notifications
Kolumne «Stadtwärts»

«I Möuch iigleiti Pöuz»

In einem Umfeld voller sprachaffiner Leute sorgen Scherze zu unterschiedlichen Aussprachen immer wieder für Heiterkeit.

Wer gerne liest und schreibt, mag Freude haben an Dingen wie Sprachwitz, Dialekt und Wortspielereien. Bei uns auf der Redaktion trifft das zu. Aussprache mag man hier auch. Das bemerkte ich gleich in der ersten Woche, als ich bei der «LZ» angefangen habe. Zwar bin ich nicht der Einzige in diesen Räumlichkeiten, der so spricht, doch trotzdem: Man nahm rasch Notiz davon, dass ich nicht von Bildern spreche, wenn es um die Fotoauswahl zu den Artikeln geht. Für mich sind das «Böuder».

Die Konsequenz, als ich das Wort zum ersten Mal ausgesprochen hatte: Ein scherzhaftes Nachäffen. «Böööud.» Belustigte Heiterkeit auch, wenn man von «Möuch» im Kaffee spricht. Oder von «Pöuz» auf der Pizza. Ein gefundenes Fressen für einige Redaktionsgspänli. Das lässt sich nämlich ganz lustig zusammensetzen zu «I Möuch iigleiti Pöuz». Kichern und Schmunzeln aus verschiedenen Ecken.

Ein «Pöuz», nicht in «Möuch» eingelegt.
Bild: gwa

Ich finde das eigentlich ganz schön: «Möuch» klingt viel mehr nach «Muh» als «Milch». In der Fachsprache nennt man das übrigens L-Vokalisierung. Vereinfacht gesagt: Vor Konsonanten wird das «L» zum «U», also als Vokal ausgesprochen. Wieso es das gibt? Wohl aus sprechmotorischen Gründen, wie es im «Dialäkt Atlas» heisst.

Von der Stadtbevölkerung wurde diese Art der Aussprache, die sich vom ländlichen Emmental her ausgebreitet haben soll, «als bäuerische Variante verunglimpft», steht im «Kleinen Sprachatlas der deutschen Schweiz». Die Art der Aussprache ist damals auch dem neuem Umfeld aufgefallen, als ich vor Jahren stadtwärts gezogen bin. Da kann ich zustimmen – kann man doch das Wiggertal, wo ich einen Grossteil meiner Kindheits- und Jugendjahre verbracht habe, nicht gerade zu den urbanen Gegenden der Schweiz zählen.

Möglicherweise wird die L-Vokalisierung zukünftig in der Stadt «normal» und wir alle werden in Zukunft situationsbedingt auf die Aussprache des «L» verzichten. Die L-Vokalisierung hat sich nämlich seit ihrer Entstehung ausgedehnt und ist heute etwa auch in Fribourg, Solothurn, Uri und eben Luzern zu hören. Möglicherweise wird das überhandnehmen. Und möglicherweise wird man dereinst in der «LZ»-Redaktion über «I Milch igleiti Pilz» scherzen.

Kommentare (0)