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Emmenbrücke

Hier soll eine zweite Viscosistadt entstehen

Auf dem nördlichsten Teil des Viscosi-Areals gibt es noch immer alte, baufällige Fabrikhallen. Dort ist ein bunter Gewerbepark geplant.
Das Areal der ehemaligen Viscose-Fabrik mit ihren charakteristischen Backsteintürmen.
Bild: Dominik Wunderli (Emmenbrücke, 6. 2. 2024)

In der Viscosistadt am Seetalplatz ist in den letzten Jahren ein ganz neuer Stadtteil entstanden: Kunsthochschule, Kleingewerbe, Büros, Wohnungen, Kultur und Gastronomie sind in die einstigen Fabrikgebäude gezogen. Doch das einstige Industriegelände in Emmenbrücke ist eigentlich noch viel grösser: Nördlich der Viscosistadt befindet sich das Gebiet Vordere Emmenweid. Dort gibt es zahlreiche alte Fabrikgebäude, die vom Denkmalschutz als schützens- oder erhaltenswert eingestuft werden. Dies deshalb, weil sie mit ihren Backstein- und Turmbauten die typische Fabrikarchitektur aus dem frühen 20. Jahrhundert widerspiegeln.

Die ersten Fabrikgebäude wurden 1906 erstellt. Sie legten den Grundstein für die spätere Massenproduktion von Kunstseide, welche von Emmenbrücke aus die ganze Welt mit Garn belieferte. Zu den besten Zeiten waren bis zu 3000 Personen hier beschäftigt. Doch das ist längst Geschichte. Die Backsteinbauten entlang der Emmenweidstrasse wurden inzwischen saniert und beherbergen beispielsweise den Club El Cartel und Duss Küchen AG.

Büros, Labors, Ateliers und Kultur

Am nördlichen Rand in Richtung Krauer-Schulhaus sind die Gebäude grösstenteils baufällig. Sie stehen entweder leer oder werden von Vereinen und Gewerbetreibenden zwischengenutzt. Doch die Viscosuisse Immobilien AG – die Besitzerin des 23'000 Quadratmeter grossen Areals – will hier in den nächsten 10 bis 15 Jahren einen urbanen und modernen Gewerbepark realisieren. Dazu liegt nun der Gestaltungsplan öffentlich auf.

Es geht konkret um zwei Gebäudekomplexe an der Merkurstrasse beziehungsweise an der Schulhausstrasse unterhalb des Krauer-Schulhauses. Die meisten Bauten sollen umfassend saniert werden. In zwei Fällen ist ein Ersatzneubau vorgesehen. Im Gestaltungsplan ist ein bunter Mix von Gewerbenutzungen vorgesehen: Büros, Labors, Bildungseinrichtungen, Gesundheitspraxen, Ateliers, Werkstätten und Kulturräume. Die geplanten Neubauten sollen sich möglichst in den historischen Kontext der Umgebung einfügen. Beim Neubau einer Halle an der Merkurstrasse wird zum Beispiel vorgeschlagen, die alten Dachziegel zu Schrot zu verarbeiten und als Füllstoff wiederzuverwenden. Auf dem Dach soll es zudem kleine Treibhäuser aus alten Fensterrahmen geben, in denen die Mieter Pflanzen züchten können.

Eine Brache wird zum «Pionierwerkplatz»

Das ganze Areal habe ein «enormes Entwicklungspotenzial», heisst es im Gestaltungsplan. Zudem wolle man damit den «alten Pioniergeist» der Fabrikanlage wieder aufleben lassen.

In der Mitte des Areals befindet sich heute eine grosse Brachfläche. Ein Teil davon soll ökologisch aufgewertet werden, der andere Teil soll zu einem «Pionierwerkplatz» werden. Das bedeutet: Die Mietenden der angrenzenden Fabrikbauten können diese Freifläche selber nach ihren Bedürfnissen nutzen und gestalten – etwa für Arbeit im Freien, für Pflanzenzucht oder für die «Erforschung von neuen Produkten», wie es heisst. Bei diesem «Pionierwerkplatz» handelt es sich aber nur um eine Zwischennutzung. Längerfristig ist eine Überbauung geplant – die Planung dazu soll aber frühestens 2040 starten.

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