Zu einem Präventions- und Informationsanlass rund um die Herausforderungen von Jugendlichen eingeladen hatte die Schulsozialarbeit Nidwalden in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft und der Kantonspolizei. Der gut besuchte Anlass richtete sich an Erziehungsberechtigte, Angehörige sowie Fachpersonen und bot praxisnahe Einblicke in Themen rund um Schutz, Sicherheit und rechtliche Folgen von unüberlegtem Handeln, heisst es in der Mitteilung des Kantons Nidwalden.
Alltägliche Situationen mit Eskalationspotenzial
Zu Beginn zeigte die Schulsozialarbeit auf, wie vielfältig die Herausforderungen sind, mit denen Kinder und Jugendliche heute konfrontiert seien – von einer Jugendlichen, die sich auf dem Heimweg belästigt fühlt und sich nicht zu wehren traut; einer Mutter, die einen Chat ihres Sohnes meldet, in dem beleidigende Nachrichten und manipulierte Fotos kursieren; oder von drei Fünftklässlern, die lachend um einen brennenden Abfalleimer stehen und erklären, dies sei «wie auf TikTok». Die Liste von Fällen, wie sie sich tatsächlich ereignet haben, sei noch länger: die Schülerin, die sich fürchtet, ihren Eltern einen Diebstahl zu beichten, oder eine Jugendparty, die in Sachschäden endet. Die Beispiele machten deutlich, wie rasch sich eine scheinbar harmlose Situation zuspitzen kann.

Hinschauen, zuhören, ernst nehmen
Schulsozialarbeiterin Tanja Kaiser betonte, wie wichtig offene Gespräche und frühzeitige Unterstützung seien: «Kinder und Jugendliche brauchen Erwachsene, die hinsehen, zuhören und Situationen ernst nehmen – auch wenn sie zunächst banal wirken», heisst es in der Mitteilung. Im Zentrum der Schulsozialarbeit stehe nicht das Sanktionieren, sondern die gemeinsame Lösungsfindung mit Kindern und Eltern. Ziel ist es, Verantwortung zu übernehmen, Wiedergutmachung zu leisten und negative Folgen zu verhindern – unabhängig davon, ob es sich um Täter, Opfer oder Mitläufer handelt. Ebenso wichtig sei es, die Gründe hinter dem Verhalten zu verstehen und Schutzfaktoren zu stärken: passende Alternativen finden, Hobbys fördern, Selbstvertrauen aufbauen und im Austausch mit dem Kind bleiben.
Präventionsarbeit von der Strasse bis ins Internet
In einem weiteren Teil informierte die Kantonspolizei Nidwalden über ihre Präventionsarbeit, bei der Verkehrsinstruktorinnen die Kinder vom Kindergarten bis zur Berufsschule mit altersgerechter Verkehrserziehung begleiten und dadurch einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit im Strassenverkehr leisten. Ergänzend dazu stellte die Kriminalpolizei Präventionsangebote zu Cyberkriminalität, Gewalt oder Umgang mit sozialen Medien vor. Auch auf die Gefahren des Online-Handels, bei dem verbotene Sachen erhältlich sind, oder problematischer Klassenchats ohne Lehrpersonen wurde eingegangen. Die Polizei zeigte auf, wie sie vorgeht, wenn alltägliche Situationen auf einmal strafrechtliche Relevanz erlangen.
Jugendstrafrecht mit erzieherischem Fokus
Ein weiterer Schwerpunkt lag gemäss der Mitteilung auf der Jugendanwaltschaft Nidwalden. Sie ist zuständig für Strafverfahren gegen Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren und verfolgt primär einen erzieherischen Ansatz. Neben Verwarnungen, Bussen oder Freiheitsentzug stehen Schutzmassnahmen und persönliche Betreuung im Vordergrund. Die Fallbeispiele verdeutlichten, dass auch vermeintlich harmlose Delikte teils erhebliche rechtliche und finanzielle Konsequenzen nach sich ziehen können – nicht nur für die Jugendlichen selbst, sondern auch für deren Familien.
Der Präventionsanlass zeigte eindrücklich, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Elternhaus, Schulsozialarbeit und Behörden ist. (rwi/zvg)
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