Der Bau der zweiten Gotthardröhre beeinträchtigt auf der Urner Seite Natur, Landschaft und das national bedeutende Ortsbild von Göschenen. Als Ausgleich setzt der Kanton Uri seit dem Start der Bauarbeiten 2020 bis Ende 2030 im Rahmen eines Landschaftsentwicklungskonzepts (LEK) Ersatzmassnahmen im Göscheneralptal um. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung und mit finanzieller Beteiligung des Bundesamts für Strassen (ASTRA).
Kulturlandschaft im Fokus
Wer durch das Göscheneralptal wandert, sieht sie sofort: die charakteristischen Trockenmauern, welche die steilen Hänge prägen. Sie sind nicht nur wichtige Bestandteile des Landschaftsbilds, sondern bieten auch zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen wertvollen Lebensraum. Ein grosses Trockenmauersystem bei Göschenen wurde bereits saniert. Damit wurde ein wichtiger Schritt zur Erhaltung dieses Kulturguts gemacht, schreibt der Kanton Uri in einer Medienmitteilung zur Halbzeitbilanz des Projekts.
Weiter sind die im ganzen Tal verstreuten Heuställe wichtige Zeugnisse der traditionellen Siedlungs- und Lebensform im Alpenraum und gleichzeitig ein wertvolles Element der Kulturlandschaft. Drei solcher Gebäude in den Gebieten Chappelenbitzi, Oberer Brand und Obere Halten wurden bereits instand gestellt und bleiben damit auch für künftige Generationen erhalten.
Die Aufwertung von seltenen Lebensräumen ist ein weiterer zentraler Baustein des Projekts: Feuchtgebiete, Magerwiesen und andere ökologisch wertvolle Flächen bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Ihr Erhalt sichert die biologische Vielfalt im Tal. So konnten durch die Schaffung von Flachwasserzonen entlang des Seeufers auf dem Jäntelboden optimale Bedingungen geschaffen werden, dass sich gefährdete Lebensräume wie Grossseggenriede etablieren können. Zudem wurden an verschiedenen Standorten Büsche und junge Bäume zurückgedrängt, um die charakteristischen und ökologisch wertvollen Magerweiden zu erhalten.
Die nächsten fünf Jahre – gemeinsam anpacken
Wer das Göscheneralptal besucht, soll nicht nur die Schönheit der Natur geniessen, sondern auch ihre Geschichte und Besonderheiten entdecken können. In Zusammenarbeit mit dem Tourismusverein Göschenen – Göscheneralptal wurde der Themenweg «Rund ums Wasser» neu gestaltet und im Juni 2023 eröffnet. Er lädt Interessierte ein, auf spannende Weise mehr über die Themen Wasser und Natur zu erfahren.
Das ganze Projekt lebt vom Engagement aller Beteiligten: Bewirtschaftende, Gemeinde, lokale Bevölkerung, Schülerinnen und Schüler sowie Zivildienstleistende. In den nächsten fünf Jahren werden die
Massnahmen weitergeführt und vertieft, um diese alpine Landschaft als kulturelles Erbe, vielfältigen Lebensraum und Erholungsgebiet aufzuwerten und langfristig zu sichern. So sollen weitere Heuställe saniert, Offenhaltungsmassnahmen durchgeführt und seltene Lebensräume aufgewertet werden. (zvg/unp)


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