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Kolumne Zuger Ansichten

18 Jahre GLP Zug: Erwachsen werden in einer vernetzten Schweiz

Kantonsrat Klemens Iten macht sich Gedanken über die Entwicklung seiner Partei und spannt gleichzeitig den Bogen zur Beziehung der Schweiz mit der EU.

Die GLP Zug wird im kommenden Monat 18 Jahre alt. Politisch gesehen ist das ein interessantes Alter. Man ist nicht mehr ganz jung, aber auch noch weit davon entfernt, eine Traditionspartei zu sein. Für mich persönlich ist es ebenfalls ein kleines Jubiläum: Seit 2017 engagiere ich mich bei der GLP Unterägeri, seit 2022 im Zuger Kantonsrat. Damit durfte ich die Hälfte dieser Geschichte selbst miterleben.

Die nationale Partei hingegen wurde bereits im Jahr 2004 gegründet. Im selben Jahr, in dem die Schweiz mit den Bilateralen II ihre Zusammenarbeit mit Europa vertiefte. Rückblickend wirkt das fast symbolisch: Just diese Woche hat Bundespräsident Guy Parmelin (SVP) in Brüssel gemeinsam mit der Präsidentin der EU-Kommission die Abkommen des neuen Pakets Schweiz-EU unterzeichnet – die sogenannten Bilateralen III. Damit beginnt ein neuer Abschnitt in den Beziehungen zwischen der Schweiz und ihrem wichtigsten wirtschaftlichen Partner.

Die Zahlen zeigen, warum diese Beziehungen so zentral sind: Rund 60 Prozent des Schweizer Warenhandels entfallen auf die Europäische Union. Umgekehrt ist die Schweiz eine der wichtigsten Investorinnen in der EU. Für einen international vernetzten Wirtschaftsstandort wie Zug ist diese Zusammenarbeit von besonderer Bedeutung. Internationale Firmen kommen, weil die Schweiz stabil, verlässlich und gut vernetzt ist. Die bilateralen Abkommen waren und sind dafür ein Garant.

Nach den Bilateralen I und II folgt nun eine notwendige Weiterentwicklung. Kein Bruch, sondern eine Stabilisierung dessen, was sich bewährt hat. Entscheidend ist dabei: Es geht nicht um ein umfassendes Rahmenabkommen, sondern um sektorielle Lösungen, etwa bei Strom, Lebensmitteln oder Medizinprodukten. Letztlich ist die Logik einfach: Wer in einem bestimmten Bereich privilegierten Marktzugang will, muss bereit sein, die Spielregeln dieses Bereichs mitzutragen.

Gleichzeitig wird die Europapolitik in den kommenden Monaten stark diskutiert werden. Im Juni stimmt die Schweiz über die sogenannte 10-Millionen-Initiative ab. Diese verlangt letztlich nichts weniger, als die Personenfreizügigkeit mit der EU zu beenden und damit den bilateralen Weg aufs Spiel zu setzen.

Natürlich ist die Frage der Zuwanderung legitim. Die Bevölkerung wächst, Infrastruktur und Wohnraum geraten unter Druck. Doch die Antwort darauf kann kaum darin bestehen, eines der wichtigsten wirtschaftlichen Fundamente unseres Landes zu gefährden.

Stattdessen lohnt sich der Blick auf die Ursachen. Wenn es gelingt, das inländische Arbeitskräftepotenzial besser zu nutzen – etwa durch bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder attraktivere Arbeitsbedingungen für ältere Erwerbstätige –, lässt sich Zuwanderung dämpfen, ohne gleichzeitig den Zugang zum europäischen Markt zu riskieren. Dafür setzen wir Grünliberalen uns auch im Zuger Kantonsrat ein.

Gerade in einer Zeit geopolitischer Spannungen und wachsender wirtschaftlicher Konkurrenz ist dieser Zugang entscheidend. Der bilaterale Weg hat der Schweiz über Jahrzehnte Stabilität, Wohlstand und Handlungsspielraum ermöglicht.

Mit 18 Jahren wird man offiziell erwachsen. Vielleicht ist das auch ein passendes Bild für die GLP Zug. Die Partei ist längst kein politisches Experiment mehr wie vor neun Jahren, als ich beitrat. Vielmehr ist sie Teil der politischen Landschaft unseres Kantons. Und wenn es nach uns geht, bleibt eines auch in Zukunft zentral: eine Schweiz, die eigenständig bleibt und gleichzeitig offen für Zusammenarbeit.

In der Kolumne «Zuger Ansichten» äussern sich Kantonsrätinnen und Kantonsräte zu einem frei gewählten Thema. Ihre Meinung muss nicht mit jener der Redaktion übereinstimmen.

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