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Abends im Museum

«Marlis» wirbelt im Gletschergarten – ein Rundgang ermöglicht einen anderen Blick auf das Museum

Eine neue Führung im Gletschergarten Luzern wird zum ebenso vergnüglichen wie lehrreichen Kabarett.

Wenn die Besucherinnen und Besucher den Gletschergarten Luzern verlassen haben und Ruhe einkehrt, beginnt ihre Zeit: Marlis geht auf Putztour. Die Kabarett-Führung «Marlis staubt ab!» feierte am vergangenen Freitag Premiere – und entpuppte sich als origineller und stimmiger Mix aus Kabarett, Rundgang und musikalischer Performance.

Vokalkünstlerin Agnes Hunger verkörpert Marlis im Gletschergarten.
Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. 4. 2026)

Der Auftakt auf der Treppe im Schweizerhaus setzt den Ton. Mit neongelber Perücke, bunter Kittelschürze, «Bäseli und Schüfeli» um den Hals und Gitarrenkasten auf dem Rücken begrüsst Marlis ihr Publikum – scheinbar in einer Vielzahl von Sprachen. Was nach Spanisch, Russisch oder Chinesisch klingt, ist reine Klangkunst. Dass kein einziger Satz Sinn ergibt, verrät Vokalkünstlerin Agnes Hunger erst nach der Premiere. Diese spielerische Irritation zeigt ihr beeindruckendes Können im Umgang mit Stimme, Rhythmus und Sprachmelodie. Später wird sie noch jodeln, den Waldkauzruf nachahmen und die Chansonnière geben.

Bekannte Wege, neue Perspektiven

Es entwickelt sich ein Rundgang, der weit mehr ist als eine Führung. Marlis erzählt, während sie ihre Gäste vom Sandsteinpavillon hinein in den Stollen führt, wo der Felsensee wartet, und später wieder ans Tageslicht – bis hin zum Spiegellabyrinth und zum «Löwenblick», ihrem Lieblingsort. Die Wege sind bekannt, die Perspektiven neu.

Die Figur Marlis ist eine mit Feingefühl gezeichnete Persönlichkeit.
Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. 4. 2026)

Marlis ist dabei keine Karikatur, sondern eine mit Feingefühl gezeichnete Persönlichkeit. Als langjährige Putzfrau kennt sie jeden Winkel, plaudert aus dem Nähkästchen und öffnet Türen zu Bereichen, die dem regulären Publikum verborgen bleiben.

«Vertöplete» Scheiben im Spiegellabyrinth

Regisseurin Christine Cyris strukturiert diesen Rundgang klug, ohne ihm die Leichtigkeit zu nehmen. Präzise gesetzte Pointen bringen das Publikum immer wieder zum Schmunzeln. So kann man sich etwa die viele Arbeit mit den «vertöpleten» Scheiben im Spiegellabyrinth gut vorstellen. Auch wird ein Märchen aus 1001 Nacht erzählt, ein spezieller, fast magischer Moment.

Dass dieses Konzept funktioniert, zeigte sich an der Premiere: Das Publikum war begeistert und spendete kräftigen Applaus. Yvonne Krause aus Horw besucht den Gletschergarten regelmässig und sagte: «Der Rundgang hat mir sehr gefallen, es war eindrücklich, auch an Orte zu kommen, die sonst hinter den Kulissen verborgen bleiben. Durch die Geschichten der Putzfrau erfährt man viel Neues!» Das stimmt. Auch jene, die den Gletschergarten und seine Historie kennen, lernen dazu. Der Geschichts- und Naturkundeunterricht ist hier lustvoll und fesselnd.

Aufführungen bis 30. Mai, jeweils um 18 Uhr. Infos & Tickets: www.gletschergarten.ch

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