Monika van de Giessen
Ruedi Rymann (1933 bis 2008) aus Giswil war ein ganz Grosser in der Jodlerszene. Mit seiner unverfälschten, warmen Naturstimme begeisterte der Obwaldner Tausende Menschen im In- und Ausland. Trotz seiner Erfolge blieb er stets bescheiden. Mit seinen Liedern und Naturjuizen wie «Dr Schacherseppli», «Dr Gemsjäger», «Hech obä», «Oh dui scheeni Älplerziit» oder «Miis Flionalp» eroberte er die Herzen der Jodlerfreunde im Sturm.
Nächsten Montag jährt sich sein Todestag zum zehnten Mal. Im Giswiler Grossteil, wo er seine letzte Ruhe fand, wird morgen Sonntag mit einem hochkarätig besetzten Gedenkkonzert an den grossartigen Jodler, Komponisten, Älpler, Wildhüter, Ehegatten, liebevollen Vater und Grossvater musikalisch erinnert. Alle Interpreten standen in einer besonderen Beziehung zum wohl bekanntesten Obwaldner. Allen voran seine jodelnden und musizierenden Kinder Annemarie, Silvia und Peter Rymann, die sein musikalisches Erbe weitertragen, oder der Jodlerklub Giswil, dessen Gründungsmitglied Ruedi Rymann war. In diesem Zusammenhang muss auch Edi Gasser (80) erwähnt werden. Er hat als Weggefährte und guter Freund Rymanns Lieder und Juize arrangiert und niedergeschrieben.
«Oft sind es fröhliche und lustige Lieder»
Für die Familie Rymann ist das Gedenkkonzert mit vielen Emotionen verbunden. Silvia Rymann sagt: «Natürlich haben wir sehr viele Erinnerungen, besonders an diesem Konzerttag. Es wird für uns nicht ein trauriger, sondern vielmehr ein Tag mit freudigen Begegnungen mit der ganzen Familie Rymann und lieben Freunden sein.» Woran denken die jodelnden Geschwister, wenn sie Lieder ihres Vaters interpretieren? «Oft können wir nachempfinden, wie und was er so erlebt hat, als er dieses Lied oder jenen Juiz komponierte oder wann ihm die Melodien in den Sinn gekommen sind», verrät Rymanns Tochter. «Das können nachdenkliche Teile in einem Juiz sein. Aber oft sind es fröhliche und lustige Lieder, in denen ganz viel Lebensfreude darin steckt. Zu seinen Hobbys gehörte neben dem Jodeln auch das Schwingen. So war Rymann 1985 bis 1992 OK-Präsident des Brünigschwingets.
Der Vater von sechs Kindern hat in seiner Heimatgemeinde Spuren hinterlassen. Seit einigen Jahren gibt es in Anlehnung an seinen berühmten Hit vom «Schacherseppli» einen gleichnamigen Erlebnisweg. Dieser zeigt das Wirken Rymanns als Erlebnis in der Natur. Der Weg lockt sehr viele Gäste aus der ganzen Schweiz an. «Touristisch ist dieser Weg für das Dorf Giswil von grosser Bedeutung», sagt Mäggie Lagemaat von Giswil-Mörlialp Tourismus. Umliegende Restaurants würden davon profitieren. Mit dem Erlebnisweg lebe die Erinnerung an den Jodler und sein berühmtes Lied weiter, stellt Mäggie Lagemaat fest.
Bodenhaftung und Lebensfreude
Richard Huwiler, Präsident des Zentralschweizerischen Jodlerverbandes, lernte den Giswiler 1980 an einem Anlass in Zug kennen, als der Jodlerklub Giswil und die Berner Jodler Luzern gemeinsam auftraten: «Wir feierten zusammen ein Fest, und Ruedi Rymann mittendrin. Er war äusserst bescheiden, bodenständig und ein toller Jodlerkamerad». Weiter sagt Huwiler: «Es sind der spürbare Respekt und die grosse Nähe zur Natur, gepaart mit Bodenhaftigkeit und Lebensfreude, die Rymanns Lieder so einzigartig machen.» Seine Lieder würden vielfach Begebenheiten aus seinem Leben, seiner Familie, seinem Umfeld und vor allem aus seinem geliebten Beruf als Wildhüter beschreiben. «Echt authentisch, einfach wunderbar», so Huwiler.
Rymanns Lieder und Naturjuize berühren viele Menschen. Persönliche Begegnungen liessen erahnen, weshalb er so beliebt war. Er selber konnte Emotionen zeigen, vor allem dann, wenn seine Kinder seine Lieder an Jodlerfesten oder Kirchenkonzerten in seinem Sinne interpretierten. Etwa damals an einem Muttertagskonzert im Jahr 2001 in der Hofkirche Luzern: Als seine Tochter Silvia, begleitet an der Orgel von Hoforganist Wolfgang Sieber, Kompositionen ihres Vaters von der Empore herab sang, kullerten ihm Tränen der Rührung über die Wangen, die er sich verstohlen abwischte. Rymann hat in all seinen Liedern den Volkston getroffen, er bleibt unvergessen und Vielen ein grosses Vorbild.
Das Gedenkkonzert findet diesen Sonntag, 17 Uhr, in der Pfarrkirche St. Anton im Grossteil statt.


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