Reto Bieri
Reto Bieri
Reto Bieri
Reto Bieri
Die Klimagruppe Sempach gibt es erst seit einem halben Jahr, doch sie sorgt bereits für Schlagzeilen. Am Sonntag hat sie dem Stadtrat die Petition «Für ein verkehrsberuhigtes Städtli» übergeben. Darin wird gefordert, dass die Stadt Sempach die Verkehrsberuhigung in zwei Versuchsphasen prüft. Als Erstes soll das Städtli ausserhalb der Ladenöffnungszeiten für den motorisierten Verkehr gesperrt werden. Im zweiten Versuch soll im Bereich Rathausbrunnen und Zehntenscheune die Durchfahrt gesperrt werden. Je etwa zwei Monate sollen die Versuchsphasen dauern. Danach soll die Bevölkerung über die beiden Varianten abstimmen können.
Hinter der parteiunabhängigen Klimagruppe Sempach steht ein Kernteam aus sechs Frauen im Alter von 17 bis 70 Jahren. Gegründet hat sie die 45-jährige Sozialarbeiterin Judith Roth zusammen mit ihrer 17-jährigen Tochter. «Unser gemeinsamer Nenner ist, dass wir uns Sorgen ums Klima machen und auf lokaler Ebene Klimaschutz betreiben wollen», so Roth.
Die Petition sei die erste grössere Aktion der Klimagruppe. Innert sechs Wochen haben 556 Personen unterschrieben, mehrheitlich Sempacherinnen und Sempacher, aber auch Leute aus den Nachbargemeinden und sogar Touristen. «Der Verkehr ist schon lange ein Thema in Sempach», sagt Roth, die seit elf Jahren in der Gemeinde wohnt. Es seien sich im Grunde alle einig, dass sich etwas ändern müsse. «Mit der Petition wollen wir die Diskussion neu starten.»
Für die Umsetzung von Massnahmen zur Verkehrsberuhigung sei die Infrastruktur bereits gebaut: eine Umfahrungsstrasse sowie grosse Parkplätze vor den beiden Stadttoren. «Man kann gut zu Fuss oder mit dem Velo einkaufen gehen.»
Die Klimagruppe sei sich bewusst, dass eine gesperrte Strasse wegen des Lädelisterbens ein heisses Eisen ist. «Wir zielen nur auf den Durchgangsverkehr, Ziel- und Quellverkehr sind nach wie vor möglich. Es wird also auch künftig möglich sein, mit dem Auto ins Städtli zu fahren, aber nicht mehr hindurch», sagt Roth.
Gewerbeverein lehnt die Petition ab
«Das Gewerbe hat die Klimagruppe zu einem Gespräch eingeladen, um einander kennen zu lernen und anzuhören», sagt Ermi Krieger, Präsidentin Gewerbeverein Oberer Sempachersee. Über den Inhalt der Petition ist man sich nicht einig. Der Gewerbeverein ist der Ansicht, dass die Verkehrssituation im Städtli nichts mit Klimaschutz zu tun hat. «Indem man mit dem Auto bis vors Städtli fährt und es auf den grossen Parkplätzen abstellt, wird nicht weniger CO2 ausgestossen», sagt Krieger. Vielmehr gelte es, Anreize zu schaffen – Stichwort Förderprogramme für E-Mobilität, Carsharing und erneuerbare Energien. «Viele Unternehmer wohnen selbst im und ums Städtli und kommen bereits zu Fuss oder mit dem Fahrrad ins Geschäft», so Krieger.
Ein verkehrsberuhigtes Städtli nach Vorschlag eins der Klimagruppe treffe vor allem die Gastronomie. «Gegen den Vorschlag zwei werden wir uns ganz klar einsetzen. Das vorgeschlagene Verkehrssystem ist nicht ausführbar. Ohne Wendeplatz müssten die Zulieferer, auch LKW mit Anhänger, das Städtli wieder rückwärtsfahrend verlassen.» Die grosse Mehrheit des Gewerbes sei der Meinung, dass keine oder eine erschwerte Zufahrt zu den Dienstleistern drastische Folgen für den Dienstleister- und Gewerbemix haben würde. Krieger:
«Wir sind überzeugt, dass das heutige belebte Städtli sterben würde.»
Krieger hofft, dass die bestehende Begegnungszone endlich konsequent umgesetzt wird, bevor neue Massnahmen ergriffen werden. Das begrüsst auch die Klimagruppe. Doch die Begegnungszone reicht laut Judith Roth nicht aus, um für die Anwohnenden die Sicherheit zu erhöhen und den Lärm zu reduzieren. Aktuell hat sich die Situation etwas entspannt. Grund: Wegen der knapp zwei Monate dauernden Sanierung des Ochsentors, die noch bis Ende September dauert, wurde der Verkehr im Einbahnregime durch Sempach geführt. «Es ist dadurch merklich ruhiger», sagt Roth.
Dies bestätigt Stadtpräsident Jürg Aebi (Die Mitte). Die Petition nehme der Stadtrat ernst. Man habe das Thema Verkehrsberuhigung bereits seit längerem auf dem Schirm. «Nach Abschluss der aktuell laufenden Ortsplanungsrevision werden wir die Verkehrssituation zusammen mit den Detaillisten genau analysieren.» Wichtig sei, das Gewerbe miteinzubeziehen. Gleichzeitig spüre er aus der Bevölkerung den starken Wunsch, dass sich etwas verändern soll. Der Stadtrat sei deshalb gefordert, eine bessere Lösung zu finden.




Kommentare
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien, die Kommentare werden von uns moderiert.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben.