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Gesellschaft

Gehörlosigkeit ist unsichtbar und die Gebärdensprache still

Am Freitag, 23. September, ist der Tag der Gebärdensprache. Zahlreiche gehörlose und schwerhörige Personen gehen in Zug an die Öffentlichkeit, um sich für ihre Rechte einzusetzen.

Am Tag der Gebärdensprache zeigen sich die Gehörlosen und Schwerhörigen der hörenden Gesellschaft. Gehörlosigkeit sieht man nicht und die Gebärdensprache hört man nicht. Für die Gehörlosengemeinschaft ist es ein Kampf, die Aufmerksamkeit unserer lauten Welt zu erhalten.

Die Beratungsstelle für Schwerhörige und Gehörlose Zentralschweiz (BFSUG ZS) und das Zuger Team feiern den Tag der Gebärdensprache von 14 bis 18 Uhr auf dem Bundesplatz.

Kommunikation mit Hörenden

Mit fremden Personen könne sie ohne Probleme sprechen, erzählt Regula Marfurt-Kaufmann, Beratungsstelle für Schwerhörige und Gehörlose in Luzern. Sie liest die Worte an den Lippen ihres Gegenübers ab und die Gestik unterstützt dies. Die St.Gallerin wurde mit zwei Jahren durch eine Hirnhautentzündung gehörlos.

Wolfgang Koch, der in Zug aufgewachsen ist und als Kieferorthopäde arbeitete, erzählt, dass es oft zu Missverständnissen mit hörenden Menschen käme. Es müsse jeweils mehrmals nachgefragt werden, um eine klare Kommunikation zu ermöglichen. Der gebürtige Zuger ist seit seiner Geburt gehörlos.

Othmar Schelbert aus Menzingen hat sein Gehör mit drei Jahren aufgrund einer Hirnhautentzündung verloren. Mit seinen zwei hörenden Töchtern und seiner schwerhörigen Frau kommuniziert er in Gebärdensprache. Er freut sich sehr, wenn er auf Menschen trifft, die die Gebärdensprache beherrschen, da es die Kommunikation doch um einiges erleichtert.

Die drei Befragten sind sich einig: Die Kommunikation mit Hörenden funktioniert gut, solange Hochdeutsch, langsam und deutlich gesprochen wird. Schwierig wird es in einer Gruppe von Hörenden, da es dann sehr schwerfällt, dem Gespräch noch zu folgen.

Optimierungen für die Gehörlosen

Einiges hat sich für die Gehörlosen und Schwerhörigen in Zug bereits verbessert, doch es gibt noch reichlich Verbesserungspotenzial. Regula Marfurt-Kaufmann erzählt: «Ich war mit dem Zug unterwegs und merkte plötzlich, wie der Zug hielt und ich dachte mir schon, dass wahrscheinlich etwas nicht stimmt.»

Sie habe wahrgenommen, dass etwas über den Lautsprecher kommuniziert wurde, hat die Aussage jedoch nicht verstanden. Durch das Nachfragen bei anderen Personen fand sie heraus, dass der Zug nicht mehr weiterfährt. Die Ansage wurde nur über den Lautsprecher und nicht über den Bildschirm kommuniziert.

Auch Othmar Schelbert wünscht sich noch mehr Zugänglichkeit für die gehörlosen Menschen. Wenn er in der Bossard-Arena einen EVZ-Match verfolgt, wird vieles bloss mündlich übermittelt und es ist unmöglich, dies nachzulesen. Generell soll die Barrierefreiheit mehr zugänglich gemacht werden.

Anerkennung der Gebärdensprache

In der Schweiz gibt es 10’000 vollständig gehörlose und eine Million hörbehinderte Menschen und trotzdem wurde die Gebärdensprache noch nicht rechtlich anerkannt. Der Schweizerische Gehörlosenbund setzt sich aktiv dafür ein und fordert ein Bundesgesetz über die Gebärdensprachen. Bei einer Anerkennung der Sprache gäbe es einen einfacheren Zugang zu Dolmetschern, denn momentan haben die gehörlosen Personen Anspruch auf etwa zehn Dolmetschereinsatzstunden im Monat.

Eine Anerkennung würde zudem allgemein den Zugang zum Arbeitsmarkt, zum Gesundheitssystem, zur Kultur oder zu Bildungsangeboten erleichtern.

Den Tag der Gebärdensprache verbringen die drei Befragten bei der Standaktion auf dem Bundesplatz. Das Ziel ist, die hörenden Menschen auf die Gebärdensprache mehr zu sensibilisieren und ihnen zu zeigen, wie wichtig sie ist. Es wird Dolmetscher vor Ort geben und auch für die Kinder wird es ein Programm haben.

Tag der Gebärdensprache: Freitag, 23. September. Von 14 bis 18 Uhr, Bundesplatz Zug.

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