
30 Jahre hat das« Funk am See» auf dem Buckel, seit 1996 findet alle zwei Jahre das grösste Gratis-Open-Air Luzerns statt. Eine riesige Geburtstagsparty wird es aber nicht geben, sagt Carmen Steffen vom Festival-OK. Denn dass das «Funk am See» überhaupt noch einen Geburtstag feiert, ist nicht selbstverständlich. Zuletzt musste das Festival 2025 nach zwei finanziell enttäuschenden Ausgaben per Crowdfunding gerettet werden. Nun ist das Festival zurück, in einer kleineren Form und mit frischen Gesichtern. Die erste Hälfte des Line-up ist jetzt öffentlich.
Diese Acts kommen an's «Funk am See» 2026
Die Luzerner Gruppe gibt ihren Pop-Songs einen psychedelischen Anstrich, der zum Tanzen und Schwitzen einlädt.
Ob Französisch oder Englisch: Barbicop schreibt Texte mit Witz und Ehrlichkeit, musikalisch vermischt sie dabei EDM, Hyperpop und Lo-Fi.
Mit ihrer Mischung aus R&B, Soul und Pop kommt Pilar Vega, die bereits am Gurtenfestival und dem Montreux Jazz Festival aufgetreten ist, jetzt auch nach Luzern.
Mit halligem Gesang und verträumten Klängen hat sich Blanche Biau einen Namen in der alternativen Musik gemacht.
Die fünf Basler Freunde erobern gerade schweizweit Herzen mit ihrem warmen Indie-Pop.
Das Festival hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Schon 2016 stand es vor dem Kollaps, der erste Festivaltag verlief so enttäuschend, dass ein Abbruch im Raum stand. 2024 hätte man das Open Air fast abgesagt, weil es an Helfenden fehlte. Erst nach einem öffentlichen Hilferuf konnten genug helfende Hände mobilisiert werden. Im letzten Sommer war dann klar: Die Kasse ist leer.
«Das ‹Funk am See› hatte immer wenig Reserven», meint Festivalleiter Linus Bürgi. Zwei verregnete Ausgaben nacheinander und sinkende Einnahmen aus Essen und Getränken hätten diese schliesslich aufgebraucht. Als Gratis-Festival ohne Konsumationspflicht hat das «Funk am See» keine sichere Einnahmequelle: ein unsicheres Modell im ohnehin schon riskanten Festivalgeschäft. Eintritt zu verlangen, sei aber keine Option, sagt Carmen Steffen. Es sei ein Grundsatz des Festivals, allen einen Festivalbesuch zu ermöglichen.
Also wandte sich das OK an die Öffentlichkeit. Die mittels Crowdfunding gesammelten 30’000 Franken seien «ein gutes Polster», würden aber «auf keinen Fall» reichen, um die nächste Festivalausgabe zu finanzieren, erklärt Linus Bürgi. Also musste das Konzept geändert werden. Für die kommende Ausgabe wird die Grösse reduziert, eine der beiden Bühnen fällt weg, insgesamt wird es weniger Konzerte geben. Mit Spenden, Sponsorings und Stiftungen kommt nun ein Budget im tiefen sechsstelligen Bereich zusammen.
«Von aussen betrachtet, bleibt das ‹Funk am See› recht ähnlich», schätzt Carmen Steffen. Es gebe wieder Konzerte am See und Silent-Disco, nur eben alles in kleinerer Form. Das Line-up sei sicher weniger international als in vorherigen Jahren, ergänzt Linus Bürgi: «Es kommen noch ein paar coole Acts, die wir dann im Mai ankündigen.»
Verein neu aufgestellt
Grösseren Wandel gab es hinter den Kulissen. Ursprünglich wurde das Festival ins Leben gerufen, um Werbung für den Jugendsender Radio 3fach zu machen – noch bevor dieser überhaupt eine Sendeerlaubnis hatte. Mittlerweile wird das Open Air von einem separaten Verein organisiert, um die finanzielle Sicherheit beider Projekte zu schützen. Trotzdem gab es immer Überschneidungen, die Organisation des Festivals war stets von 3fach-Mitgliedern geprägt, musikalisch und logistisch.
Zwar bleibt 3fach Medienpartnerin und überträgt das Festival, doch die Organisation hat sich neu aufgestellt. Viele der neuen Mitglieder kennen das Festival bisher nur als Besucher. «Es gibt auch zwei oder drei, die noch nie am ‹Funk am See› gewesen sind», sagt Steffen, die selbst neu im OK mitwirkt. Einige haben bereits Festivalerfahrung, andere gehen zum ersten Mal ein solches Projekt an.
Neue Partnerschaft mit Kulturhaus
Zwar muss das ‹Funk am See› nun kleiner denken, dafür wurde eine neue Partnerschaft geschmiedet. Neu wird der Festivalfreitag zusammen mit dem Jugendkulturhaus Treibhaus präsentiert. Beide haben den Anspruch, junge Veranstalterinnen und Veranstalter zu fördern. Neben den Konzerten soll es auch im Rahmenprogramm Inputs vom Treibhaus geben, sagt Bürgi.
Auch mit kleinerem Budget soll das Festival seinen Grundsätzen treu bleiben - offen für alle, besonders Jugendliche, und mit einem Fokus auf moderne, alternative Musik.


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