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Sursee

Fuchsschwänze, Hanf-Chnübi und ein Waschbär: Fäälimärt zieht 1500 Personen an

Der Verband Revierjagd Luzern feiert heuer seinen 30. Geburtstag. Das wiederkehrende Highlight seiner Generalversammlungen: der Fäälimärt.

2024 war ein gutes Jahr für die Revierjagd Luzern. Das zeigt sich in der Jagdstatistik – 2568 erlegte Füchse, 5232 Rehe – und bei der Auffuhr zum Fäälimärt in Sursee am Dienstag. 2023 wurden 183, im Jahr zuvor 246 Felle aufgefahren. Und nun 279 Füchse, zehn Dachse, eine Gams, 47 Steinmarder, sechzehn Baummarder und ein Rentier. Rentier? «Da hat sich wohl jemand einen Jux erlaubt», meint Thomas Emmenegger, Präsident der Fäälimärtkommission.

Interessierte nehmen die Fääli genau unter die Lupe.
Bild: Keystone/Urs Flüeler (25. 2. 2025)

Denn im Gegensatz zu Waschbären, die sich nicht zur Freude der Jäger verbreiten, kommt kein Rentier lebendig über den Rhein. Gemäss Statistik hat übrigens letztes Jahr ein einziger Waschbär durch Jägerhand das Zeitliche gesegnet. Auf der Horwer Halbinsel, nachdem er in eine Falle gegangen war.

Ein ausgestopfter Wolf für 5900 Franken

Im Winter mit Schnee erkennt Emmenegger einen Grund für die zahlreich erlegten Füchse: Man sieht sie besser als auf dunklem Untergrund. Allerdings gibt es auch Reviere, in denen die Abschusszahlen unter dem Soll liegen.

Füchse gibt es am Fäälimärt reihenweise.
Bild: Keystone/Urs Flüeler (25. 2. 2025)

Mit selbst geschossenen Füchsen über der Schulter ist Marina Banz aus Flühli nach Sursee gekommen. Sie lockt in der Nähe der Scheune mit einem Köder (weidmännisch Luder) die Tiere an und hockt dann an. «Der Fuchs als Kulturfolger tummelt sich bei uns auch auf dem Mistplatz», sagt die 32-Jährige, die seit 2020 auf die Jagd geht.

Der ausgestopfte Wolf zieht die Blicke auf sich.
Bild: Patrick Hürlimann (Sursee, 25. 2. 2025)

Am Fäälimärt kann man Fuchsfelle für 8 bis 10 Franken erstehen, allerdings nur rudimentär verarbeitet. Die teuersten Objekte? Ein ausgestopfter Wolf kostet 5900 Franken, so viel wie eine grosse Murmeltierdecke aus 48 Fellen. Ein schöner Rotfuchsschwanz ist für 20 Franken zu haben. Eine Firma aus Flawil bietet Waschbärschwänze für eine Zehnernote an. «Sie kommen aus dem Ausland», sagt der Inhaber.

Es kann auch ganz harmlos aussehen: Das Pelzatelier Marquardt aus Meggen verkauft Eulen aus Fuchs- und Hasenfell.
Bild: Patrick Hürlimann (Sursee, 25. 2. 2025)

25-Jährige macht mit Fellen auf Mittelalter

«Schau dir diese Rute an!», schwärmt Vitus Lüönd, Fellhändler aus Sattel. Doch seiner Kundin ist das Gesicht wichtiger. Leonie Calivers, 25, aus Sursee geht schwer beladen nach Hause. Zu zwei Füchsen kommen ein Schaf- und ein Wildschweinfell. «Ich bin in der Mittelaltergruppe Collectivum Merowinger», sagt sie. Die Schweizer Felle braucht sie an den Anlässen zum Tragen und um darauf zu schlafen. Zurück zu den Wurzeln, ins 5. bis 7. Jahrhundert.

Den Fäälimärt lassen sich auch viele Junge nicht entgehen.
Bild: Patrick Hürlimann (Sursee, 25. 2. 2025)

Am Fäälimärt gibt's auch viele Accessoires zu kaufen: Anhänger, Mützen, Waffen, Geschirr, Bilder; und wenn nicht Heil-, so doch Wohlfühlmittel wie Salben und Öle tierischer und pflanzlicher Herkunft; Murmelifett und -öl, Bärgmüntschi-, Edelweiss- und Vogellisi-Balsam; auch Hanf-Chnübi «gegen Gletscherspalten in deinen Händen, bei extrem trockener Haut oder Schrunden». Aber nicht der ganze Murmelischmalz wird versalbt: Man kann auch Wursträdchen aus Murmeltierfleisch degustieren.

Jäger machen sich auf zum Fäälimärt – rund 1500 Personen fanden sich in der Stadthalle ein.
Bild: Keystone/Urs Flüeler (25. 2. 2025)

Rund 1500 Personen besuchten den Fäälimärt in der Stadthalle, wo Regierungsrat Armin Hartmann in seinem Grusswort die Bedeutung der Jagd für das Gleichgewicht in der Natur herausstrich. Er sah, im Gegensatz zu früheren Zeiten, in der Jagd zudem «ein gesellschaftliches Abbild breitester Berufsgattungen und Anstellungsverhältnisse». Bei den Jägern entschieden Interesse und Engagement, nicht Herkunft und politische Gesinnung. Wenn man die Namen der Jungjäger, aber auch die des Fäälimärt-OK ansieht, liest man vereinzelt auch solche aus Osteuropa.

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