Luzern

Frauen erhalten im «Pink Cube» kostenlos Brustuntersuchung – die Expertin sagt: «In der Bevölkerung fehlt es an Wissen»

In der Schweiz sterben jährlich über 1300 Frauen an Brustkrebs. Mit einer Aktion wird in der Stadt Luzern auf die Früherkennung aufmerksam gemacht. Eine Expertin erklärt, welche Wissenslücken in der Bevölkerung bestehen.

Am 20. und 21. September steht in der Stadt Luzern erstmals der «Pink Cube» am Weinmarkt. Mit dieser Aktion soll die Bevölkerung für Brustkrebs und die Bedeutung der Früherkennung sensibilisiert werden (siehe Box). Susanne Bucher ist Co-Chefärztin und Leiterin des Brustzentrums des Luzerner Kantonsspitals in Luzern und erklärt, wieso das wichtig ist.

Frau Doktor Susanne Bucher, braucht es Ihrer Erfahrung nach noch Aufklärungsarbeit zum Thema Brustkrebs?

Susanne Bucher: Ja, auf jeden Fall. Im Kanton Luzern gibt es kein kantonal geregeltes Mammografie-Screening zur Früherkennung, und in der Bevölkerung fehlt es an Wissen über Brustkrebs. Manche werden bei der Frauenärztin oder dem Hausarzt darauf aufmerksam gemacht. Aber längst nicht alle Frauen gehen regelmässig zur Untersuchung bei einer Frauenärztin.

Welches Wissen fehlt denn?

Viele Frauen gehen davon aus, dass es keine Kontrolle braucht, solange sie keine Schmerzen oder andere Beschwerden verspüren. Aber mehr als 99 Prozent der erkrankten Frauen verspüren keine Schmerzen.

«Pink Cube» in der Stadt Luzern

In der Box am Weinmarkt wird erklärt, was zur Früherkennung von Brustkrebs wichtig ist und was jede Frau selbst tun kann. Gynäkologinnen vom Brustzentrum des Luzerner Kantonsspitals bieten eine kostenlose Beratung und Tastuntersuchung der Brust an. Sie zeigen, wie die Brust selbst abgetastet werden kann, um Veränderungen zu erkennen, die ärztlich kontrolliert werden sollten. Die Aktion steht unter der Schirmherrschaft der Brustkrebs-Patientinnenorganisation Europa Donna Schweiz und der Krebsliga.
Öffnungszeiten: Freitag, 20. September, von 13 bis 19 Uhr und Samstag, 21. September, von 10 bis 16 Uhr. Ohne Voranmeldung. Der Besuch ist kostenlos.

Es reicht also nicht aus, sich selbst abzutasten und bei einem Knötchen zur Ärztin zu gehen?

Die Selbstuntersuchung ist wichtig. Aber wenn ein Tumor ertastet werden kann, spricht man nicht mehr von einer Früherkennung. Die Prognosen für eine Heilung sind bereits schlechter als bei einer Früherkennung mittels Mammografie.

Welche Vorstellungen halten Frauen von einer Mammografie ab?

Manche Frauen hören, sie sei schmerzhaft. Mit den neuen Geräten ist das aber nicht mehr so. Manche haben auch Angst vor der Strahlenbelastung. Diese beträgt heute rund 1 bis 2 Millisievert. Zum Vergleich: Pro Jahr sind wir aufgrund von unserer natürlichen Umgebung rund 4 Millisievert ausgesetzt.

Erkrankungen und Mortalität

Gemäss Bundesamt für Statistik starben in der Schweiz im Zeitraum von 2016 bis 2020 pro Jahr 1377 Frauen an Brustkrebs. Erkrankt sind in derselben Zeitspanne durchschnittlich 6485 pro Jahr. Im Kanton Luzern wurden im selben Zeitraum gemäss LUSTAT und dem Krebsregister Zentralschweiz 303 Erkrankungen und 61 Todesfälle pro Jahr erfasst.

Dr. med. Susanne Bucher, Co-Chefärztin und Leiterin Brustzentrum des Luzerner Kantonsspitals.
Bild: zvg

Spielen die Kosten dafür auch eine Rolle?

Ja. Die Kosten liegen bei 175 bis 200 Franken pro Mammografie. In den Kantonen mit einem geregelten Mammografie-Screening läuft dies nicht über die Franchise der untersuchten Person. Im Kanton Luzern sind die Versicherungen nicht verpflichtet, diese Kosten zu übernehmen – ausser es wird ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs nachgewiesen, oder die Frau spürt bereits Beschwerden. Doch ein geregeltes Mammografie-Screening rettet Leben.

Wie häufig und durch wen sollten Frauen eine Mammografie machen lassen?

Ab dem 50. Lebensjahr wird alle zwei Jahre eine Mammografie empfohlen. Denn mit dem Alter steigt das Risiko einer Brustkrebserkrankung. Um die Qualität sicherzustellen, benötigt eine Institution Erfahrung. Dazu benötigt es eine gewisse Anzahl an Mammografien. Wenn etwas selten gemacht wird, fehlt die Erfahrung und die Qualität.

Was können Frauen zur Prävention von Brustkrebs tun?

Darauf achten, sich genügend zu bewegen, Übergewicht nach den Wechseljahren vermeiden sowie möglichst keinen Alkohol konsumieren. Gut ist eine mediterrane Ernährung; viel Gemüse und Früchte sowie Hülsenfrüchte, Fisch und selten rotes Fleisch.

Müssen Frauen, deren Verwandte an Brustkrebs erkrankt sind, besonders aufmerksam sein?

Ja, denn die Prävention spielt bei familiärer Belastung – etwa wenn genetische Veränderungen vorliegen – eine untergeordnete Rolle. Diesen Frauen empfehle ich eine Beratung und persönliche Risikobeurteilung durch Experten. Ist das Risiko einer Erkrankung erhöht, empfehle ich eine jährliche Mammografie spätestens ab 40 Jahren; in Abhängigkeit vom Risiko braucht es auch ein MRI und einen Ultraschall bereits ab dem 25. Altersjahr.

Haben sich Therapien und Heilungschancen in den letzten zehn bis zwanzig Jahren verändert?

Auf jeden Fall. Heute lässt sich Brustkrebs viel individueller auf die Patientin zugeschnitten therapieren, da der Tumor viel genauer untersucht werden kann. Die Heilungschancen sind besser geworden durch Früherkennung und durch wirksamere sowie zielgerichtetere Medikamente wie zum Beispiel die Immuntherapie. Dabei werden gezielt Antikörper gegen den Tumor verabreicht, damit die eigene Immunabwehr hilft, ihn zu bekämpfen. Heute wird auch weniger aggressiv operiert, vor allem im Bereich der Achselhöhlen; so sind die Überlebenschancen gleich bei besserer Lebensqualität.

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