Seit dieser Woche ist klar: Die Schweiz wird am 29. November über die Feuerwerksinitiative abstimmen. Diese will alle Feuerwerkskörper, die Lärm erzeugen, verbieten. Ausnahmen sollen nur noch für grosse, öffentliche Feuerwerke möglich sein. Ein Gegenvorschlag hätte die Regulierung abschwächen sollen, doch der Nationalrat hat ihn am letzten Tag der Sommersession überraschend versenkt. Somit kommt nur die Initiative vors Volk.
Die Debatte im Bundesparlament verfolgte Daniel Bussmann, Geschäftsführer der Feuerwerksfabrik Bugano AG in Neudorf, «sehr gespannt und mit gemischten Gefühlen». Dass das Parlament keine mehrheitsfähige Lösung fand, bedauert er. «Unsere Branche hätte den indirekten Gegenvorschlag begrüsst.» Schliesslich wären so nur Böller verboten worden. «Ich habe Verständnis dafür, dass reine Knallartikel vielen Leuten ein Dorn im Auge sind. Für uns wäre zwar auch diese Einschränkung ziemlich einschneidend gewesen, aber sie hätte unsere Branche wenigstens überleben lassen.»
Von 100 auf fünf Feuerwerke runter
Nimmt das Volk die Feuerwerksinitiative an, wären nur noch Grossanlässe mit überregionaler Bedeutung erlaubt. Für Bussmann beginnt die Problematik schon bei der Definitionsfrage, wann denn von einer überregionalen Bedeutung gesprochen werden könnte. Seine Prognosen sind düster: «Wenn's ganz gut läuft, könnten wir vielleicht noch zwei bis fünf Feuerwerke im Jahr machen. Das ist praktisch nichts.» Zum Vergleich: Bisher sind es zwischen 75 und 100 Feuerwerke, die Bugano selbst veranstaltet oder etwa an Gemeinden liefert.
Entsprechend stark sorgt sich Bussmann im Hinblick auf Ende November um sein Geschäft. «Wir haben grossen Respekt vor dieser Abstimmung, hoffen aber, dass sie zu unseren Gunsten rauskommt.» Eine Vorhersage wagt er nicht zu machen, auch wenn eine repräsentative Umfrage von gfs.bern aus dem Jahr 2024 zeigte, dass damals 68 Prozent der Stimmberechtigten ein Verbot unterstützten. Laut dem Forschungsinstitut ein typisches Bild: In einer frühen Phase der Meinungsbildung stehe eher das angesprochene Problem – also die Lärmbelastung durch Feuerwerk – als die konkret vorgeschlagene Lösung – wie hier die Einschränkung – im Vordergrund.
Befürworterinnen und Befürworter der Initiative stellten den Schutz von Mensch, Tier und Umwelt in den Vordergrund, während viele Gegnerinnen und Gegner fanden, es gäbe wichtigere Probleme als das Feuerwerk. Andere klassische Gegenargumente wie etwa der Verweis auf persönliche Freiheit, Eigenverantwortung oder wirtschaftliche Bedenken überzeugten weitaus weniger. «Nur etwa ein Drittel der Befragten sieht im angestrebten Verbot einen unverhältnismässigen Eingriff in die individuelle Freiheit. Und selbst die Sorge um negative wirtschaftliche Effekte teilt lediglich eine kleine Minderheit», hält gfs.bern fest.
Appell für Rücksicht und Toleranz
Für Bussmann gibt es keinen Zweifel daran: «Ein Ja zur Feuerwerksinitiative wäre das Ende unserer 27-köpfigen Firma, wir hätten gar keine Überlebenschance.» In den kommenden Monaten will Bussmann darum «alles dafür tun, dass Feuerwerke erlaubt bleiben» und «probieren, mit bescheidenen Mitteln einen Abstimmungskampf zu führen». Für ihn heisst das sicher einmal Plakate und Flyer drucken, weitere Projekte seien in Planung und würden in den nächsten Tagen und Wochen konkretisiert.
Gegen ein Feuerwerksverbot kämpft auch die Läubli Vulkan AG aus Aesch. «Man könnte meinen, dass wir als älteste Vulkanfirma der Schweiz von dieser Initiative profitieren. Doch das Problem ist, dass wir auf starke Vertriebspartner angewiesen sind und unsere Händler nicht nur vom Geschäft mit Vulkanen und Bengalhölzern, die weiterhin verkauft und verwendet werden dürften, leben könnten», schreibt Tamara Läubli, die im Familienbetrieb die Administration leitet.
Auch sie hätte den indirekten Gegenvorschlag einen «sehr guten Kompromiss» gefunden. Nun hoffe sie, «dass sich die Schweiz kein weiteres Verbot auferlegt, sondern wieder vermehrt auf Rücksicht und Toleranz setzt». Lautes Feuerwerk solle nur am 1. August und an Silvester gezündet werden. «So können sich Tierbesitzer darauf einstellen und sich in dieser kurzen Zeit bewusster um ihre Tiere kümmern.»
Die Läubli Vulkan AG habe die Initiative von Anfang an sehr ernst genommen: «Wir haben schon immer verstanden, dass Tierbesitzer nur das Beste für ihre Tiere wollen. Aber die Menschen sind auch wichtig.» Läubli betont, wie weit die Feuerwerkstradition in der Schweiz zurückgehe – und dass die farbigen Funken «zur Freude vieler dienen».




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