Es ist ein tierisches Getümmel auf den Surseer Strassen, als die drei Böllerschüsse zum Start des Umzugs fallen. «Bei Sonnenschein, oder so halb», wie es der Speaker formuliert. 38 offizielle Nummern ziehen an den rund 15’000 wetterfesten Fasnächtlerinnen und Fasnächtlern vorbei, eine animalischer als die andere.
Bei der Wagenbaugruppe Ex's Sursee ist die Giraffe los, die Kita Wonderwält hat den Affenalarm ausgerufen und die Häppereschweller Dagmersellen kutschieren einen lebensgrossen Elefanten durch die Stadt. Der Traum eines jeden Tierfans. Oder Fiebertraum? Als Schweine im Weltall sind Schenkastico in die Nachbarsgemeinde gereist, samt Andockstation. In Kombination mit den kleinen Tigern, Pandas und Flamingos am Strassenrand, die sich auf ihre Beute in Form von Süssem stürzen, wirkt es, als wäre der Zoo ausgebüchst.
Die Wöschwiber waschen jeden Dreck
Aber bei allem fasnächtlichen Eskapismus: Komplett an Sursee vorbeigegangen ist die Weltlage nicht. Es gebe immer mehr Schmutz auf dieser Welt, machen die Hürntaler Wöschwiber klar. Resignation kann man ihnen allerdings nicht vorwerfen. «Wir waschen jeden Dreck!», lautet ihre Lösung, direkt vor Ort umgesetzt mittels gigantischer Waschmaschine.

Mit schwerem Geschütz aufgefahren sind auch die Gastgeber, zumindest für die politisch zurückhaltenden Verhältnisse. Als Elfen, Superhelden und «Fee met Flögel, Glitzer drom» kommt die Zunft Heini von Uri Sursee angeflogen, denn «das macht de Trump för emmer stomm». Schliesslich steht für sie heuer viel auf dem Spiel. Die Zunft feiert 150-jähriges Bestehen – und stellt dem Anlass entsprechend gleich mehrere Nummern. Von den Altheinimüetere bis zum Nachwuchs sind alle dabei. Heinipaar Giovi und Sonja Valetti winken feierlich, der Böög kommt gebührend in Form einer Geburtstagstorte daher.
Ein Jubiläum nach dem anderen
Die Segel gesetzt hat auch die Fleckenzunft zu Beromünster. 125-Jähriges feiern die Gäste von biz Östlicher. Sie reihen sich gut ein in die überdurchschnittliche Zunft- und Jubiläumsdichte. Die Gloggereschränzer Buttisholz sind seit 60 Jahren auf Tour – dieses Jahr als König, Dame und Buur. Und auch den Flachlandruuggern Nottu ist in den vergangenen 50 Jahren die Luft nicht ausgegangen.

Ohne geraden Geburtstag, sondern schräg und wankend ziehen die Sooregosler Oberchöuch und die Insalifääger Mouesee durch die Gassen. Sie haben einen «Kneck i de Fechte». Ebenso wie die Guggsurruugger Sursee, die zum krönenden Abschluss «Die kleine Kneipe» zum Besten geben, und das «dechter als de Soorser Wald». Die Ausgelassenheit ist ihnen in der schmutzigen Welt nicht abhandengekommen.


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