Auf dem Areal des Vereins Zukunft Kinder (ZuKi) in Cham konnten Kinder noch bis Donnerstag die Natur als freien Spielplatz erleben. Erdhügel erobern, Dämme errichten, die Umwelt unter die Lupe nehmen. Damit ist von einem Tag auf den anderen Schluss. Am Donnerstag erhielt Yasmin Häusermann, die Geschäftsleiterin des Vereins, einen Anruf von der Gemeinde. «Sie haben uns gesagt, dass wir sofort schliessen müssen.»
In einer Medienmitteilung des Kantons Zug vom Freitag heisst es, das kantonale Amt für Umwelt habe auf dem Areal des Teuflibach-Abenteuerlands in Cham zu hohe PFAS-Werte im Boden gemessen, die Massnahmen erforderten. «Um insbesondere die Gesundheit von Kleinkindern zu schützen, hat der Chamer Gemeinderat deshalb eine vorsorgliche Schliessung veranlasst.»
Die Messwerte lägen über dem vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) bewilligten Sanierungswert, der Massnahmen zum Schutz von Kleinkindern erfordert, heisst es in der Mitteilung weiter. An den Zugängen zum Kinderspielplatz weisen nun Informationstafeln auf die Situation hin. «Ziel ist es, insbesondere die Gesundheit von Kleinkindern, bei denen eine Aufnahme von Erde nicht ausgeschlossen ist, zu schützen», teilt der Kanton weiter mit. Bei einer Aufnahme von PFAS-belasteten Bodenpartikeln bestehe zwar keine akute Gefährdung, trotzdem sollte sie aufgrund der Anreicherung dieser Stoffe im Körper vermieden werden.
Schliessung bedeutet erhebliche finanzielle Einbussen
Für den Verein ZuKi, der verschiedene Angebote für Kinder sowie Familien anbietet, ist die Schliessung ein schwerer Einschnitt. Alle Aktivitäten im Abenteuerland müssen vorübergehend eingestellt werden. Die Gemeinde Cham werde in Zusammenarbeit mit dem Amt für Umwelt über das weitere Vorgehen entscheiden. Geeignete Massnahmen können jedoch erst nach der Analyse der Untersuchungsergebnisse ausgearbeitet werden, heisst es in der Medienmitteilung.
Am Freitag hätte eine offene Arealnutzung für Primarschulkinder stattfinden sollen – nun fällt sie auf unbestimmte Zeit aus. Häusermann sagt: «Derzeit informieren wir alle Mitglieder. Wir haben damit erst am Freitagvormittag beginnen können, da wir warten mussten, bis die Pressemitteilung des Kantons veröffentlicht wurde.» Am wichtigsten sei es, keine Panik zu verbreiten, betont sie.
Die Schliessung bedeutet für den Verein erhebliche finanzielle Einbussen. Häusermann sagt: «Erstens, die Sicherheit der Kinder hat oberste Priorität. Zweitens, wir lassen uns nicht unterkriegen.»
Erhöhte PFAS-Werte an mehreren Orten im Kanton
Derweil wurden bereits an anderen Orten im Kanton erhöhte PFAS-Werte gemessen. Messungen im vergangenen Jahr ergaben, dass sich PFAS im Zugersee entlang der Nahrungskette akkumulieren. Die Proben der untersuchten Raubfische Hecht und Egli lagen über den festgelegten Höchstgehalten, wie einer Medienmitteilung des Kantons zu entnehmen ist. Weiter hat eine Überprüfung von 16 Zuflüssen im Einzugsgebiet des Zugersees und der Unteren Lorze ergeben, dass vor allem der Schwarzbach und der Sijentalbach im Ennetsee eine erhöhte PFAS-Belastung aufweisen. Ebenfalls wurden die PFAS-Gehalte im Wasser des Zugersees an drei Stellen über die gesamte Seetiefe untersucht. Sie nehmen von der Seeoberfläche bis zur tiefsten Stelle zu.
PFAS in der Umwelt
Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS) werden in zahlreichen Industrieprozessen und Alltagsprodukten, insbesondere in Beschichtungen und Schaumlöschmitteln, seit den 1960er-Jahren eingesetzt. Sie verleihen Oberflächen wasser-, fett- und schmutzabweisende Eigenschaften. PFAS können bereits bei ihrer Herstellung oder bei der Produktion von PFAS-haltigen Waren in die Umwelt gelangen. In der Umwelt werden sie kaum abgebaut. PFAS lassen sich in Böden, Oberflächengewässern, im Grundwasser und in der Luft nachweisen. Die Wissenschaft erforscht die Langzeitgefährdungen für die Gesundheit durch die regelmässige Aufnahme von PFAS.

Kommentare
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien, die Kommentare werden von uns moderiert.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben.