Uri

Eveline Widmer-Schlumpf besucht Pro Senectute Uri zum hundertsten Geburtstag

Die Organisation für Menschen im Alter durfte zur Jubiläumsfeier alt Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf begrüssen. Sie machte den Anwesenden Mut, sich mit der digitalen Entwicklung auseinanderzusetzen.
Alt Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf mit Pro-Senectute-Uri-Stiftungsratspräsident Stefan Fryberg und Gesundheitsdirektorin Barbara Bär (von links). (Bild: Paul Gwerder (Altdorf, 20. März 2019))

Paul Gwerder

«Ich habe mit vielem gerechnet, aber garantiert nicht mit 400 Personen», sagte Stefan Fryberg, Präsident des Pro-Senectute-Uri-Stiftungsrates, am Mittwochabend im Theater Uri. «Dies ist der Beweis, dass Pro Senectute den Menschen viel bedeutet.» Einiges zu diesem beträchtlichen Besucheraufmarsch beigetragen hat wohl auch ein besonderer Gast: Alt Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf, die als Präsidentin von Pro Senectute Schweiz amtet. Sie erwies der Urner Sektion ihre Ehre, weil diese ihr 100-jähriges Bestehen feiern konnte.

«Früher hatten wir Grossfamilien und heute haben wir den Computer, mit dem die Menschen ebenfalls Kontakt zu entfernten Familienangehörigen haben können», sagte Widmer-Schlumpf im Gespräch mit dem Urner Präsidenten Fryberg. «Deshalb ist es wichtig, dass die alten Menschen den Umgang mit den digitalen Medien frühzeitig erlernen», so die alt Bundesrätin.

«Jüngere sind einsamer als die Älteren»

Fryberg fragte Widmer-Schlumpf provokativ, ob ein Handlungsbedarf bestehe, weil heute bei Abstimmungen die älteren Leute die Überhand über die Jungen hätten. «Absolut nicht», gab diese zur Antwort. «Die jungen Menschen, die übrigens mehr einsam sind als die Älteren, haben es selbst in der Hand dies zu ändern», so die Präsidentin von Pro Senectute Schweiz. Sie sagte:

«Früher hatten wir Sorgen mit unseren Kindern, später mit unseren Eltern und dann kommt der Zeitpunkt, indem unsere Kinder für uns sorgen werden.»

Älter werden sei aber für die meisten Leute nicht mehr eine Belastung, denn heute sei im Alter noch sehr vieles möglich. «Dies zeigt sich auch darin, dass aktive Senioren in der heutigen Zeit am meisten Freiwilligenarbeit leisten», erklärte Widmer-Schlumpf.

Sie schilderte, dass die Gesellschaft heute vor anderen Problemen stehe, denn viele Menschen würden vereinsamen und sich in seelischer Not befinden. Aber auch die digitale Welt mache insbesondere den Menschen im hohen Alter zu schaffen. Hier biete Pro Senectute den Leuten vielfältige Kurse an, denn dies sei notwendig, da die moderne Technik heute nicht mehr aufzuhalten sei. «Sicherlich sind zum Beispiel die Rasenroboter und automatische Staubsauger eine Hilfe, aber auch die besten Computer und Roboter werden niemals die Menschlichkeit und die persönlichen Kontakte ersetzen können», so Widmer-Schlumpf.

Viele Freiwillige engagieren sich für ältere Menschen

Im Kanton Uri sind aktuell 99 Freiwillige für Pro Senectute tätig. Diese organisieren eine Vielzahl von Freizeitangeboten, angefangen von Wanderungen bis zu Computer- oder Sprachkursen. Aber auch Mahlzeiten werden von diesen verteilt und Freiwillige übernehmen Gratulationsbesuche bei runden Geburtstagen ab 80 Jahren. Edith Dürst von der Geschäftsleitung Pro Senectute Uri stellte das vielfältige Angebot und die vielen Freiwilligen persönlich anhand eines Bildes auf der Leinwand vor und erklärte dazu, was diese Personen für die Mitmenschen leisten würden.

Daneben werden Personen im AHV-Alter und deren Angehörige von den Fachpersonen persönlich bei Fragen rund ums Alter beraten. Da geht es um finanzielle Fragen, Recht und Vorsorge, Steuererklärungen. Und ein wichtiger Punkt ist die Wohnform im Alter. Die Mitarbeiter von Pro Senectute finden meistens zusammen mit den Hilfesuchenden eine passende Lösung. Pro Senectute unterstützt dabei die Leute, dass ihr Alltag auch im fortgeschrittenen Alter lebenswert sein kann. Alt Bundesrätin Widmer-Schlumpf betont deshalb auch, dass man das Älterwerden akzeptieren müsse, denn das Leben im Alter könne auch schön sein.

«Pro Senectute ermöglicht, aktiv zu bleiben»

Gesundheits-, Sozial- und Umweltdirektorin Barbara Bär gratulierte Pro Senectute Uri zum hundertsten Geburtstag. «Früher hat Pro Senectute vorwiegend den Menschen in bescheidenen Verhältnissen geholfen», erinnerte die Regierungsrätin. «Heute haben die Menschen im Alter viele Möglichkeiten um den Alltag gut zu gestalten und dabei werden sie von Pro Senectute tatkräftig unterstützt», führte sie weiter aus. «Die beispielhafte Betreuung sowie die vielen Aktivitäten und die veränderten Lebensbedingungen ermöglichen den Menschen heute bis ins hohe Alter, aktiv zu bleiben», zeigte sich Barbara Bär überzeugt.

«Ist die Welt schlechter geworden und war früher tatsächlich alles besser, wie viele ältere Menschen immer wieder sagen», fragte Präsident Stefan Fryberg in seiner Ansprache. «Das stimmt nicht», antwortete er gleich selber. «Natürlich ist auch heute nicht alles gut, aber schon die Lebenserwartung ist in den letzten hundert Jahren um mehr als 30 Jahre gestiegen», rief Fryberg in Erinnerung. Damals seien Männer durchschnittlich 46- und die Frauen etwa 52-jährig geworden. Heute liegt die mittlere Lebenserwartung eines Mannes bei 82 und jene einer Frau bei 86 Jahren. «Und das Gute an der Geschichte ist, dass wir nicht nur älter werden, sondern dabei auch im Alter fitter und gesünder sind», betonte er.

Zwischen den einzelnen Gesprächen bot die Theatergruppe Colori aus St. Gallen Unterhaltung. Anschliessend wurde im Foyer des Theaters Uri allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern an der Feier ein Apéro serviert, an dem sich viele interessante Gespräche ergaben.

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