Die Niederländerin und Jüdin Etty Hillesum (1914 geboren und 1943 in Auschwitz ermordet) ist durch ihre Tagebücher und Briefe zu einer viel beachteten Chronistin dieser Zeit geworden. Was ursprünglich mit atemberaubend ehrlichem Nachdenken über die eigene Person begann, entwickelte sich schon nach wenigen Monaten zu einer authentischen Dokumentation des Zeitgeschehens unter der nationalsozialistischen deutschen Besatzungsmacht.
In der Lesung mit Musik von Akturel, der ökumenischen Erwachsenenbildung Stans-Oberdorf, trägt Anette Lippeck am kommenden Sonntag Zitate aus Etty Hillesums Tagebüchern vor. Begleitet wird sie Rudolf Zemp auf Krummhorn und Querflöte im Stil traditioneller jüdischer Musik. Die Melodien sollen den Gästen Zeit geben, das Gehörte vor dem Hintergrund der eigenen Lebenserfahrungen zu überdenken und einzuordnen.
Etty Hillesums innerer Werdegang erschöpfe sich keineswegs im Beschreiben und Beklagen der Lebensumstände, schreiben die Organisatoren. Im Gegenteil: Den Schikanen und dem Terror der Judenverfolgung setze sie, je länger, desto mehr, einen kraftvollen inneren Widerstand entgegen und überwinde Hass, Verachtung und Gewalt ebenso wie Resignation und das Empfinden allgemeiner Sinnlosigkeit.
Die junge Frau werde später von Überlebenden des KZ Auschwitz eine «leuchtende Persönlichkeit» genannt. Ihre tiefgründigen ethischen Betrachtungen seien es wohl gerade auch heute wert, neu bedacht und berücksichtigt zu werden. Sie seien ein bewegendes Zeugnis bedingungsloser Mitmenschlichkeit und mystischer Gotteserfahrung. (zvg)
«Um dich, Gott, in bessere Zeiten zu retten»; Lesung mit Musik. Sonntag, 3. Mai, 16:30 Uhr, Oberes Beinhaus, Stans. Text: Anette Lippeck; Querflöte und Krummhorn: Rudolf Zemp.

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