Gemeinde Emmen

«Es ist traurig, dass wir wegmüssen» – Reaktionen zum neuen Emmenbaum-Areal

Dem Grossprojekt müssen 2027 alle bestehenden Wohn- und Gewerbehäuser weichen. Was bedeutet das für heutige Nutzungen?

Ein Hingucker ist das Emmenbaum-Areal beim Bahnhof Emmenbrücke heute nicht gerade. Zwischen Bahnhof- und Gerliswilstrasse besteht ein Sammelsurium an unterschiedlichen Gewerbe- und Wohnhäusern aus den 1950er- bis 1960er-Jahren. Sie werden – sofern punkto Baubewilligung alles glattläuft – 2027 rückgebaut und einem neuen Quartier Platz machen. Das Baugesuch soll noch in diesem Monat folgen (wir berichteten) .

Ein Rundgang diese Woche auf dem Areal. Im Erdgeschoss des Wohn- und Geschäftshauses Gerliswilstrasse 12/14 betreibt Valeria Bacenas seit etwas mehr als zwei Jahren den Coiffeursalon Desiderio – aber nicht mehr lange. Sie zieht mit ihrem Geschäft nach Horw um und hat bereits eine Nachmieterin. Sie sagt: «Hier zu bleiben, bedeutet für mich zu viel Risiko, weil nicht genau klar ist, wie lange wir noch bleiben können.»

«Es gibt immer eine Lösung, ich bin optimistisch»

Im selben Haus reinigt ein älterer Bewohner gerade seinen Balkon. Seinen Namen möchte er nicht in der Zeitung lesen. Er sagt, er wohne seit über 20 Jahren hier, zu einem günstigen Zins: «Es ist traurig, dass wir wegmüssen, aber was will man machen?» Von der Verwaltung hätten sie die Info, noch zwei Jahre bleiben zu können. Und dann? Er zuckt mit den Schultern und sagt: «Schwierig, wo findet man überhaupt etwas Bezahlbares?» Weniger Sorgen macht sich da eine Schneiderin, die an dieser Adresse ihr Atelier hat. Sie sagt: «Es gibt immer eine Lösung, ich bin optimistisch.»

Eine Hausnummer weiter, in der 10, existieren eine Tankstelle mit Shop und eine Karosserie. In den fünf Etagen darüber betreibt die Hochschule Luzern (HSLU) ein Wohnhaus, in welchem fast 50 internationale Studierende leben. Auch dieses wird der neuen Überbauung weichen müssen. Immerhin: auf dem Areal ist wiederum ein ganzes Wohngebäude für Studierende vorgesehen, jedoch neu an der Bahnhofstrasse 15. Genaueres dazu ist bei der HSLU noch nicht in Erfahrung zu bringen. Die Medienstelle hält aber grundsätzlich fest: «Die HSLU bemüht sich, für die Studierenden künftig mindestens gleich viele Räume anzubieten, wie verloren gehen.»

Landi plant wieder ein Verkaufslokal

An der Bahnhofstrasse 15 befindet sich bislang ein Landi-Markt. Eine Kundin packt winterharte Pflanzen in ihren Kofferraum. Auf die Veränderungen hier angesprochen, sagt sie: «Schade. Ich hoffe, es gibt einen Ersatz.» Gemäss Ruedi Aeschlimann von der Geschäftsleitung Landi Sempach-Emmen ist auch im neuen Gebäude ein Verkaufsladen vorgesehen – wie gross und in welchem Format, das sei noch offen. Die Landi Sempach-Emmen ist einer der fünf Grundeigentümer des Areals – daneben unter anderem ein grosser Krankenversicherer und eine Pensionskasse. Man werde das heutige Geschäft so lange wie möglich weiterbetrieben.

Weiter geht’s in den nördlichen Teil des Areals, wo die Bahnhof- in die Gerliswilstrasse mündet. Es ist lärmig. Kein Wunder, die Utro Fikovit AG produziert in ihrer Mühle Futter für Schweine und Rindvieh. Die Utro Fiko-Med AG ist wie die Landi ebenfalls Grundeigentümerin. Laut Inhaber Josef Fischer werde man wie gewohnt weiterproduzieren. Bezüglich künftigem Produktionsstandort werde seine Firma zu gegebener Zeit informieren. Anstelle der Futtermühle sind zwei neue Gebäude geplant, in denen das Zleepy Hotel mit 140 Zimmern und Gastroangebot realisiert wird.

Zurück an der Gerliswilstrasse, Hausnummer 16. Im Gewerbebau, der unter anderem Arztpraxen beherbergt, hat sich die Aurua AG, spezialisiert auf Innenarchitektur und Innendekoration, niedergelassen. Die Familie Monika und Daniel Burri-Burzynski, die das Unternehmen leitet, freut sich über die neu hergerichteten Räumlichkeiten im Erdgeschoss. Trotz des befristeten Mietverhältnisses sieht die Familie dies als Vorteil, denn: «Die Kosten für das Objekt sind uns entgegengekommen, und die zentrale Lage mit ausreichend Parkmöglichkeiten spricht für sich.»

Über 800 Jahre Gasthaus-Tradition

Den Namen Emmenbaum dürften die meisten noch mit dem gleichnamigen Hotel-Restaurant in Verbindung bringen. Dieses befand sich aber neben dem nun zu entwickelnden Areal, anstelle der heutigen Valiant Bank. Über 800 Jahre lang stand hier ein Gasthaus. Entsprechend bedauerten die Emmerinnen und Emmer die Aufgabe des Traditionslokals im Jahr 2010. Mehr noch: Als bekannt wurde, dass stattdessen ein Wohn- und Geschäftshaus mit Burger King kommen soll, ging ein Sturm der Entrüstung durch die Gemeinde. Gut ein Jahr später begrub der Fast-Food-Riese seine Pläne – die Bank übernahm jene Flächen. 2014 wurde der Neubau eröffnet.

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