Volksfest

Kühe, Glocken, Tradition: Das war die 21. Entlebucher Alpabfahrt

Tausende säumen am Samstag die Strassen in Schüpfheim und begrüssen die heimkehrenden Älplerfamilien mit ihrem Vieh. Bei der 21. Entlebucher Alpabfahrt erlebt die Tradition und bäuerliche Kultur ein eigentliches Hoch.

Rund 130 Tage haben die sieben Entlebucher Älplerfamilien diesen Sommer auf ihren Alpen in Sörenberg und Heiligkreuz verbracht. Am Samstag kehrten sie mit ihrem Vieh ins Tal zurück. Bevor es zurück in die heimischen Ställe geht, gibt es ein eigentliches «Defilee» durch Schüpfheims Strassen. Die Dorfbevölkerung und unzählige Angereiste aus der ganzen Schweiz – darunter auch zahlreiche Touristinnen und Touristen aus aller Welt – bereiten den Heimkehrern einen herzlichen Empfang. In Sennenkutteli die Männer und Buben, in Trachten die Frauen und Mädchen: bestens herausgeputzt und blumengeschmückt. Das gilt auch für die Kühe, das Jungvieh, die Geissen und die weiteren Kleintiere.

Bis zu 30 Kilometer unterwegs

Schon frühmorgens sind die Älpler mit ihrem Vieh von ihren Alpen losmarschiert, kurz vor Mittag treffen sie im Dorf ein. Zwischen 20 und 30 Kilometern gilt es für Mensch und Tier zu bewältigen. «Heute wird es wohl etwas später», sagt ein erfahrener ehemaliger Älpler im Publikum. «Bei diesen Temperaturen gehen die Tiere langsamer.» Recht hat er. Um halb zwölf ist es dann so weit. Die sieben Familien ziehen, eine nach der anderen, durch das Dorf, begleitet vom Klang der Schellen, Glocken und Trycheln, von Jodelgesang und Blasmusik. Ein Fest der Folklore, der bäuerlichen Kultur und einer Tradition, die im Entlebuch bis heute lebendig geblieben ist.

Das zehnköpfige OK unter Präsident Micha Hafner hat einmal mehr grossartige Arbeit geleistet. Alles verläuft bestens. Speaker Josef Portmann versteht es, überaus spannende Informationen über die Älplerfamilien, ihre Alpen und das Alpleben zu vermitteln. Er wartet dabei auch mit einer Mini-Geschichtslektion auf: Woher hat die Alp Schlacht in Sörenberg ihren Namen? Wie Portmann erklärt, gehe dies auf eine handfeste Auseinandersetzung zwischen Obwalden und dem Entlebuch im Jahr 1380 zurück. Die bereits zur Eidgenossenschaft gehörenden Obwaldner hätten sich damals Richtung Entlebuch ausdehnen wollen – und seien dabei den Habsburgern in die Quere gekommen. Diese waren damals noch Herren über das Entlebuch.

Heuland musste beweidet werden: «Jetzt fehlt das Futter im Winter»

Ins Tal zurück kehrt auch Adrian Emmenegger mit seinem Vieh. Er bewirtschaftet die Alp Witmoos in Sörenberg. Am Vortag der Alpabfahrt angefragt, berichtet er, er habe «noch allerhand zu tun». Unter anderem müssten die 48 Milchkühe für ihren grossen Auftritt durchs Dorf herausgeputzt werden. Seine Eltern und sein Bruder haben den Sommer auf der Alp verbracht, während er sich um den Betrieb im Tal gekümmert hat. Nach dem Abzug der Kühe wird sein Bruder noch einige Zeit mit dem Jungvieh oben bleiben und die Arbeiten abschliessen.

Wie war der Alpsommer? «Nun, ein schöner Sommer, aber halt trocken. Wir mussten Heuland beweiden. Jetzt fehlt dieses Futter im Winter unten im Tal.» Heu müsse nun zugekauft werden, sagt Adrian. Gut getan habe der Regen Ende August: Da sei nochmals Gras nachgewachsen. Jammern wolle er aber nicht.

Adrian Emmenegger ist selbst im OK des Alpabzugskomitees. Nervös sei er am Tag vor dem Alpabzug nicht. Es sei vielmehr jeweils: «E chli es Highlight». Dieses «Highlight», der Alpabzug, wird am Samstag traditionell ergänzt durch einen Käse- und Regionalproduktmarkt. Auf der Kirchentreppe findet zudem ein eindrücklicher Auftritt des grossen Gesamtchors der Jodlerinnen und Jodler sowie der Alphornbläser statt. Danach beginnt die Älplerchilbi in Zelten und Beizlein. Die Heimkehrer sind im Tal – und der Alpsommer wird gebührend gefeiert.

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