Wer pflegebedürftig wird, hat in der Regel zwei Möglichkeiten: Entweder kommt die Spitex nach Hause — oder man geht in ein Pflegeheim. Die beiden Angebote unterscheiden sich nicht nur in Bezug auf den Standort. Auch die Organisationsform ist — historisch gewachsen — eine andere: Während das Alters- und Pflegeheim in der Regel der Gemeinde gehört, ist die Spitex meist ein privates Angebot, häufig als Verein organisiert. Entsprechend sind beide Organisationen strikt getrennt. Doch ist dies noch zeitgemäss? Wäre es nicht sinnvoller, ambulante und stationäre Pflegeleistungen aus einer Hand anzubieten?
Genau diese Frage stellte man sich in der Stadt Luzern 2021. Der Stadtrat brachte damals die Idee einer Fusion zwischen Spitex und städtischen Alters- und Pflegeheimen (Viva Luzern AG) ins Spiel. Auch der Verein Spitex Stadt Luzern zeigte sich offen. Doch wenig später platzten die Pläne. Es zeigte sich, dass Kulturen und Strukturen zu unterschiedlich sind, um die beiden Institutionen zu verschmelzen.
«Fusion ist nicht der richtige Weg»
Zu einem ähnlichen Schluss kommt man nun auch in Emmen. Auch dort war eine mögliche Pflege-Fusion ein Thema – die Diskussion ging auf ein Postulat der Mitte zurück. Der Vorstoss forderte 2022 die Prüfung einer solchen Fusion. Doch wie in Luzern ist die Idee nun auch in Emmen vom Tisch. «Es zeigte sich, dass eine Fusion von Spitex und Betagtenzentren nicht der richtige Weg ist, um die Gesundheitsversorgung in Emmen nachhaltig zu stärken und den Klienten ins Zentrum zu stellen», sagt Sozialdirektor Beat Niederberger (FDP). Im Gegenteil: Eine solche Fusion hätte womöglich bestehende und gut funktionierende Strukturen geschwächt, ohne dass für die Bevölkerung ein grosser Mehrwert entstanden wäre.
Die Abkehr von der Fusionsidee bedeutet aber nicht, dass alles beim Alten bleibt, wie Niederberger betont: Man wolle zwar keine organisatorische Zusammenlegung, dafür aber «eine bessere Abstimmung der Angebote». Auch in der Stadt Luzern war man zur Erkenntnis gelangt, dass Spitex und Heime zwar eigenständig bleiben, aber enger zusammenarbeiten sollten. In Emmen wurde daher das Projekt «Integrierte Gesundheitsversorgung Emmen» (INGE) lanciert. Dieses hat zum Ziel, die einzelnen Leistungserbringer besser zu vernetzen.
«Kontaktstelle Gesundheit» als neues Angebot
Konkret geprüft wird beispielsweise die Gründung einer «Kontaktstelle Gesundheit Emmen» (KGE). Dabei handelt es sich um eine zentrale Anlaufstelle, welche die Bedürfnisse von Pflegebedürftigen, Angehörigen und Leistungserbringern koordiniert. Wie das funktioniert, zeigt die «Kontaktstelle Alter Emmen» (KAE), die bereits seit 2024 besteht. Die KAE dient als erste Anlaufstelle für Fragen rund ums Älterwerden – von Wohnen über Gesundheit bis zu Pensionierungsfragen. Die KAE hat auch eine Triagefunktion und verweist die Ratsuchenden bei Bedarf an spezialisierte Stellen wie Pro Senectute, Alterssiedlungen oder Pflegeinstitutionen. Die Vernetzung geschieht dabei nicht nur innerhalb Emmens; es werden auch Angebote ausserhalb der Gemeinde vermittelt. Nach ähnlichem Prinzip soll auch die geplante Kontaktstelle Gesundheit funktionieren – einfach fokussiert auf die Themen Gesundheit und Pflege.
Für die neue Kontaktstelle Gesundheit will der Gemeinderat bis im Sommer einen Entscheid fällen, um danach die Projektierungsphase einzuleiten.
Das Ziel, Spitex und Heime näher zusammenzubringen, ist in der ganzen Region ein Thema. Seit 2025 gibt es das Projekt «Ausbildungskooperation Pilatus». Mit dabei sind Spitex-Organisationen und Heime aus Emmen, Kriens, Horw und Malters. Ziel der Kooperation ist es, gemeinsame Fortbildungen zu organisieren sowie den Austausch unter den Lernenden zu fördern.



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