Wer übernimmt den frei werdenden Sitz des zurücktretenden Emmer Finanzdirektors Patrick Schnellmann? Diese Frage ist geklärt: Es ist der langjährige Mitte-Einwohnerrat Christian Blunschi. Er erzielte 2653 Stimmen und übertraf damit das absolute Mehr von 2487 Stimmen klar, wie die Gemeinde Emmen am Sonntag mitteilt. Das Nachsehen haben Claudia Stucki von der SP mit 1267 Stimmen und Domino Anselmi von der SVP mit 1043 Stimmen. Die Stimmbeteiligung beträgt 31 Prozent.

«Ich bin extrem überrascht, sehr happy und fühle mich auch geehrt, dass die Bevölkerung mir das Vertrauen bereits im ersten Wahlgang schenkt», sagt Blunschi. Der 47-jährige Rechtsanwalt und langjährige Einwohnerrat hatte wie fast alle im Vorfeld mit einem zweiten Wahlgang gerechnet. Auch wenn er aufgrund seiner langjährigen Politikerfahrung und Tätigkeit in einer öffentlichen Verwaltung – er leitet aktuell den Rechtsdienst des Kantons Nidwalden – als Favorit galt. Denn das absolute Mehr ist eine hohe Hürde. Dass es nun sogar fast 200 Stimmen darüber geworden sind, erstaunt ihn selbst. «Ich hätte das so nicht erwartet», sagt Blunschi.

Entsprechend hatte er für den weiteren Sonntag keine Pläne – das ändert sich jedoch nun schlagartig. «Ein Glas Wein zum Anstossen wird's sicher geben», sagt Blunschi und schmunzelt. Zu den ersten Gratulierenden gehören seine Lebenspartnerin, die viel mitgeholfen habe, und sein Vater. «Der freut sich fast mehr als ich und das will etwas heissen», sagt Blunschi. Seinen Wahlerfolg erklärt er sich wie folgt: «Viele, die im Vorfeld mit mir zu tun hatten, sahen, wie seriös und vorausdenkend ich arbeite.» Dazu komme der tolle und breite Support von zahlreichen Leuten – darunter Freunde und Kollegen, die Werbung für ihn gemacht hätten –, ferner die Unterstützung der FDP. «Es entstand eine richtige Bewegung für mich. Ohne mein Team und all diese Hilfe hätte ich es nicht geschafft.»
Stucki: «Natürlich bin ich enttäuscht»
Erwartungsgemäss etwas gedämpft ist die Stimmung bei den beiden Unterlegenen. «Natürlich bin ich enttäuscht vom Resultat, auch wenn die Ausgangslage schwierig war, weil ein langjähriger Mitte-Einwohnerrat kandidiert hat», sagt Claudia Stucki, die einen zweiten Exekutivsitz für das rot-grüne Lager ergattern wollte. «Gleichzeitig freue ich mich aber über den zweiten Platz.» Die 41-Jährige ist erst seit zwei Jahren im Einwohnerrat, inzwischen SP-Fraktionschefin und versichert, dass man von ihr politisch noch viel hören wird. «Ich bin ja noch jung», sagt sie.

Sportlich nimmt die Niederlage SVP-Einwohnerrat Domino Anselmi, dem es nicht gelungen ist, seine Partei zurück in den Gemeinderat zu bringen. «Manchmal gewinnt man, manchmal sind andere besser», sagt er und lächelt – so wie er das oft und gerne tut. Der 47-Jährige kündigt bereits an, sich bei den Gesamterneuerungswahlen 2028 erneut als Kandidat zur Verfügung zu stellen. Denn laut Wähleranteil stehe der SVP ein Sitz zu.

Blunschi wird wohl erst im Frühling starten
Derweil gibt's für Blunschi einiges zu organisieren in den nächsten Tagen: Vor allem seinen Job in Nidwalden kündigen. «Meine Kündigungsfrist beträgt sechs Monate – wir werden zusammensitzen müssen, um eine Lösung zu finden, die für beide Seiten stimmt», sagt er. Eigentlich würde der Gemeinderatssitz per Anfang Februar 2026 frei. Dies, da Schnellmann per Ende Januar zurücktritt, um danach als Geschäftsführer zur Gemeinde Ruswil zu wechseln. Doch das ist laut Blunschi unrealistisch – er rechnet mit Grössenordnung April. Zwischenzeitlich sind die Ressorts aus Schnellmanns Direktion Finanzen, Immobilien und Sport wie bereits vermeldet auf andere Gemeinderatsmitglieder verteilt.



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