Zum Jubiläum

Eine Liebeserklärung an das Theater Sachseln

Zum 120-jährigen Bestehen schenkt sich das Sachsler Theater ein gediegenes Jubiläumsbuch, das am Sonntag, 15. November, vorgestellt wurde.
Theo von Moos (links) und Werner Dreyer, die beiden Hauptverantwortlichen des Jubiläumsbuchs «120 Jahre Sachsler Theater», in ihrem Arbeitsraum «Spycher» in Sachseln – die Vorfreude auf die Buchvernissage ist gross.
Bild: Rafael Schneuwly (Sachseln, 11. 12. 2024)

«Wir feiern 120 Jahre Theater Sachseln – 120 Jahre voller grosser Dramen, kleiner Skandale, viel Applaus und ein paar vergessener Textzeilen.» Mit diesen Worten begrüsste Werner Dreyer, der Vorsitzende des Vorstands «Theater Sachseln», an der Buchvernissage im Pfarrheim Sachseln das zahlreiche Publikum. Bei so viel Begeisterung erstaunt es nicht, dass sich vor einem Jahr fünf Mitglieder zusammenschlossen, um die Vereinsgeschichte für die Nachwelt festzuhalten. Die Projektleitung übernahm Werner Dreyer, den Text schrieb Theo von Moos. Bei der aufwendigen Arbeit der Archivsichtung, beim Recherchieren zu geschichtlichen Aspekten, bei der Bildbearbeitung und beim Verfassen der Texte wurden sie von Lucia Rohrer, Ruth Dillier und Hans Vogler unterstützt.

Werner Dreyer, der Vorsitzende des Vorstandes Theater Sachseln, begrüsste im Pfarrheim Sachseln zahlreiche Gäste.
Bild: Rafael Schneuwly (Sachseln, 15. 12. 2024)

Der dankbare Applaus des Vernissage-Publikums mag die Gruppe am vergangenen Sonntag an frühere Theateraufführungen erinnert haben. Werner Dreyer, Stefan Küchler und Yolanda Soldati spielten beim Stück «Vorstadt-Miniaturen» von Herbert Rosendorfer mit, das 1994 in einem Nauen auf dem Sarnersee inszeniert und in Sachseln in einem Filmausschnitt gezeigt wurde. Zur Theateratmosphäre im Saal passten auch die virtuosen Musikbeiträge des jungen Lionel Schönbächler.

Lionel Schönbächler begleitete die Vernissage mit drei virtuos vorgetragenen Musikstücken.
Bild: Rafael Schneuwly (Sachseln, 15. 12. 2024)

Die DNA des Theaters

Mit sichtbarem Vergnügen übernahm Theo von Moos an der Vernissage die Präsentation des Buchs. Auf den ersten Blick erinnert es mit den zahlreichen Abbildungen an übliche Erinnerungsbände. Bei genauerem Hinsehen finden sich zwischen Szenendarstellungen, Ensemble-Fotografien und Plakaten immer wieder Rechnungen und Briefe. Kassenzettel? Protokolle? Ist das nicht etwas Todlangweiliges? Von Moos ist anderer Meinung. Akribisch hat er zusammen mit dem Team alles durchgelesen, was er im Zusammenhang mit den 60 Inszenierungen fand.

Theo von Moos, der Verfasser des Jubiläumsbuchs, führte in seiner unnachahmlichen Art durch das Werk.
Bild: Rafael Schneuwly (Sachseln, 15. 12. 2024)

Die ersten Hinweise auf Spielleute stammen aus der Sachsler Chronik von 1774, als auf acht Schlitten historische Grosstaten der alten Eidgenossen dargestellt wurden. Die Gründung eines Theatervereins mit dem Namen «Frohsinn» kann mit einem Kassabuch von 1903 belegt werden. Für Theo von Moos sind Protokolle die DNA des Theaters. Er kann sich – wie sich an der Vernissage zeigte – stets von Neuem amüsieren, wenn er erzählt, wie die Theaterleute häufig kräftig becherten, wie das Casting auf der Strasse durchgeführt wurde und wie die Schauspieler mit ihrer Gage den neuen Vorhang mitfinanzieren mussten. Von Moos erwähnt aber auch, dass der «Frohsinn» notleidende Menschen unterstützte, wenn die Aufführungen Gewinn abwarfen. Bei der Analyse der einzelnen Stücke zitiert der Verfasser stets aus Zeitungskritiken, die anfänglich meist im «Obwaldner Volksfreund» erschienen. Es muss dort einen nicht namentlich genannten Redaktor gegeben haben, der sich fast immer über die mangelhafte Aussprache der Akteure beklagte.

Bekommt Obwalden ein Seniorentheater?

Bis zum Abbruch im Jahr 1956 war das Hotel Rössli die Heimat für den «Frohsinn». Theo von Moos widmet ihm ein eigenes Kapitel, und auf der Seite 29 findet sich das Gedicht «Theater», geschrieben von einem unbekannten Autor, der das Geschehen auf der Rössli-Bühne ironisch kommentiert. Nun wurde an verschiedenen Orten gespielt: in der Türli-Turnhalle, im Gemeindesaal des Mattli-Schulhauses und während der Regiezeit von Beppi Baggenstos im legendären «Down Down» des Hotel Belvoir. Das war die wohl experimentierfreudigste Phase des Sachsler Theaters. Baggenstos führte 2004 auch das Freilichttheater «Der Besuch der alten Dame» auf.

Sie haben sich bei der Entstehung des Jubiläumsbuchs besondere Verdienste erworben (von links): Lucia Rohrer, Hans Vogler, Ruth Dillier, Theo von Moos, Margrit von Moos und Werner Dreyer.
Bild: Rafael Schneuwly (Sachseln, 15. 12. 2024)

Andere vielbeachtete Inszenierungen beschäftigten sich mit Bruder Klaus: «Feuerturm» von Silja Walter (Regie: Geri Dillier), «Ein dryfach Brunnen» (2006/Regie: Adrian Hossli) und das Visionsgedenkspiel «Vo innä uisä» im Jahr 2017 in einem extra erbauten Pavillon auf dem Chleiholzhügel unter der Regie von Geri Dillier, das als Höhepunkt in der Sachsler Theatergeschichte gilt. Trotz dieses grossen Erfolgs bezweifeln Dillier und Werner Dreyer im Gespräch, dass das Sachsler Theater als Mehrgenerationen-Ensemble überleben kann, und schlagen vor, in Sachseln einem Obwaldner Seniorentheater Gastrecht zu gewähren.

Das Buch kann für 45 Franken in der Buchhandlung Dillier in Sarnen gekauft werden.

Kommentare (0)