Luzern

Eine «heilige» Schlüsselübergabe in Werthenstein – es geht vorwärts mit dem betreuten Wohnen im Alter

Das ehemalige Missionsseminar Höchweid hat einen neuen Besitzer. Ab Herbst kann die geplante Seniorenresidenz gebaut werden.
Im ehemaligen Missionsseminar Höchweid im Ruswiler Ortsteil Werthenstein entsteht betreutes Wohnen im Alter. Pater Julius Zihlmann (rechts) übergibt Beat Dahinden, Verwaltungsratspräsident der Bewia AG, einen symbolischen Schlüssel. (Bild: Pius Amrein (Werthenstein, 25. März 2022))
So soll es in der Höchweid künftig aussehen. (Visualisierung: PD)

Stephan Santschi

Stephan Santschi

Eigentlich war die Schlüsselübergabe früher geplant, wegen der Coronamassnahmen kam es zu einer Verschiebung. Der Anlass am letzten Freitag erhielt so unverhofft eine kirchlich-historische Note. «Der 25. März ist der Tag der Verkündigung des Herrn», verriet Pater Julius Zihlmann, oder etwas freier formuliert: «An einem 25. März ging der Heilige Geist auf Maria los.» Neun Monate später ist bekanntlich Weihnachten und dann kam im Jahre 0 das Jesuskind zur Welt. «In diesem Haus soll heute ebenfalls ein neues Leben beginnen», sagte Pater Julius und gerührt fügte er an: «Nun gehört es wirklich nicht mehr uns.»

Mit «es» bezeichnet er die Liegenschaft Höchweid oberhalb von Werthenstein, in das die Missionare von der Heiligen Familie 1969 eingezogen waren. 2016 erfolgte aufgrund Nachwuchsmangels der Wechsel ins schwyzerische Nuolen, seither steht das Gebäude leer. Pater Julius, der aus Marbach stammt, ist der Delegationsobere der katholischen Ordensgemeinschaft und hauptverantwortlich für die Nachfolgeregelung.

Im Jahr 2018 schloss die Bewia AG mit dem bisherigen Eigentümer einen Kaufrechtsvertrag über 3,9 Millionen Franken ab, um begleitetes Wohnen für Senioren anzubieten (wir berichteten). Nun kam es zur offiziellen Schlüsselübergabe. Damit geht das Projekt in die finale Phase. Im Dezember 2021 erhielt die Bewia AG die Baubewilligung, im Herbst 2022 soll der Spatenstich erfolgen.

So viel kosten die Wohnungen

Im Angebot stehen 28 Wohnungen (2,5-, 3,5- und 4,5-Zimmer), die entweder gemietet (1100 bis 1700 Franken pro Monat) oder im Stockwerkeigentum gekauft (340’000 bis 790’000 Franken) werden können. «20 Wohnungen wollen wir verkaufen, für mehr als die Hälfte davon haben wir bereits Interessenten. Damit liegen wir absolut in den Erwartungen», sagt Beat Paul Dahinden, CEO der Bewia AG.

Neu wird die Bauphase in drei Etappen aufgeteilt. Bis Frühjahr 2024 sollen die ersten Wohnungen in Betrieb genommen werden, anschliessend werden nahtlos die weiteren fertiggestellt. Damit reagiert man auf die Bauteuerung oder Probleme mit Materiallieferungen. «Wir haben mehr Zeit, generieren ein Abfederungspotenzial», berichtet Dahinden, der davon ausgeht, dass die veranschlagten Kosten von zirka 13 Millionen Franken plus-minus eingehalten werden können. Entstehen soll am Ende eine Seniorensiedlung mit begleitetem Wohnen, inklusive Restaurant, Wellness-, Spitex- und Gewerbebereich.

Nachbarn hoffen auf Zusammenarbeit

An der Schlüsselübergabe waren auch Bewohner der Umgebung zugegen, wie etwa Rita und Martin Felder, die nebenan einen kleinen Biohof betreiben. «Wir haben Freude an unseren neuen Nachbarn», sagen die Beiden unisono, angedacht ist nämlich eine Zusammenarbeit mit der Bewia AG. «Wir erhalten voraussichtlich etwas mehr Land und könnten bei der Bewirtschaftung des Gartens behilflich sein. Auch Fleisch, Gemüse und Kartoffeln für das Restaurant würden wir liefern», sagt Martin Felder. Interessierte Senioren könnten derweil im Sinne einer aktiven Pension in die landwirtschaftliche Arbeit einbezogen werden.

Dahinden ist guten Mutes, dass das Projekt einen Schub erhalten wird. «Die Leute wissen jetzt: Es wird gebaut. Wir haben keine Zweifel daran, dass wir alle Wohnungen veräussern werden.» Auch er selbst plant den Herbst seines Lebens mit seiner Partnerin in der Höchweid und mit einem Schmunzeln Richtung Pater Julius hält er fest: «Wir hätten noch Zimmer frei.» Vorderhand hat der in Zürich als Pfarrer arbeitende Seelsorger aber von seinem früheren Zuhause Abschied genommen.

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