Raphael Biermayr
Raphael Biermayr
In einem toten Winkel des Kantons Zug gab es einen Skilift: in Walterswil, am Herrenhügel. Er gehörte der einstigen Internatsschule – dort befindet sich heute die International School – und war deren Schülern vorbehalten. Mit der Talstation auf etwa 525 Metern und der Bergstation auf etwa 580 Metern über Meer war er der am niedrigsten gelegene im kantonalen Vergleich.
Vermutlich war der Kleinlift 1991 das letzte Mal in Betrieb. Diesen Schluss lässt das Aktenstudium im Staatsarchiv zu. Die Stiftung Don Bosco, die die Schule betrieb, hat unserer Zeitung erlaubt, das Dossier einzusehen.
Aus jenem lässt sich eine wechselvolle Geschichte des Lifts am Nordosthang der Baarburg ableiten. Bei der ersten Inspektion durch einen Fachmann der Kontrollstelle des Interkantonalen Konkordates für Seilbahnen und Skilifte (IKSS) aus Spiez im Januar 1971 stand er im Kanton Solothurn. Bei der nächsten Kontrolle 1977 befand sich die Anlage in Walterswil. Allerdings durften die Verantwortlichen ihn nicht laufen lassen, fehlten doch zwei Stützen. Der Kontrolleur Steinmann vermerkte ausserdem, dass «die Geländeverhältnisse für einen Kleinskilift nicht gerade ideal» seien.
Keine Betriebsbewilligung mehr
Die Walterswiler machten aus der Not eine Tugend und änderten die Anlage über die Jahre hinweg laufend, wie aus dem Inspektionsbericht vom März 1988 hervorgeht. Man gönnte sich sogar etwas Luxus:
«Die Haltegriffe, welche durch den Skifahrer am Förderseil eingehängt werden müssen, wurden nachträglich mit einfachen, leicht gefederten Sitzeinrichtungen ausgerüstet.»
Weil bei aller Detailpflege jedoch elementare Sicherheitsaspekte nicht eingehalten wurden, versagte der Experte Steinmann die Betriebsbewilligung. Der Internatsschuldirektor Karl Kalbermatten schrieb dem IKSS-Mann im Dezember 1988 einen Brief, wonach der Lift noch nicht umgebaut und also nicht für eine Nachkontrolle zur Verfügung stehe. Kalbermatten dürfte der Grund dafür sein, warum am Herrenhügel überhaupt ein Skilift stand. Der Walliser galt als grosser Schneesportanhänger.
Wo ist das Kontrollschild ZG 7?
Dann wurde es ruhig um den Lift, zumindest, was die Aktenlage anbelangt. Im April 1991 wurden erneut verschiedene Arbeiten ausgeführt, im Dezember desselben Jahres lief die Betriebsbewilligung aus. Wahrscheinlich war das gleichbedeutend mit dem Ende des Skigebiets Walterswil. Zwei Jahre später fragte die IKSS nach, wie es um die Anlage am Herrenhügel steht. Die Antwort: Sie sei «ausgemustert» worden.
Im Januar 1997, kurz vor der finanziell bedingten Schliessung der Internatsschule, interessierte sich das Zuger Tiefbauamt für das zum Lift gehörige Kontrollschild ZG 7. Der Direktor antwortete, dass der Abbruch im Frühling 1996 erfolgt sei. Der Zuständige könne sich nicht an ein Nummernschild erinnern. «Somit können wir Ihnen heute bedauerlicherweise weder das Kontrollschild noch eine Betriebsbewilligung zurücksenden.» Wer weiss: Vielleicht hat jemand das Schild als Erinnerung aufbewahrt.
Schlüsselstelle namens Totenschädel
Apropos Erinnerung. In Risch gab es zwar keinen Skilift, doch führte ein Skirennen in die Gemeinde. Denn es gab einst einen Lift am Michaelskreuz, auf dem die Teilnehmer den Schwung holten, um über die Sonderi nach Ibikon zu fahren – sagenhafte 2 Kilometer weit.
Der Rischer Lokalhistoriker Richard Hediger schreibt auf Anfrage nach Rücksprache mit einer Rennteilnehmerin:
«Für einen Teil der Strecke musste man aber wieder hinaufsteigen, sodass die Kondition eine grosse Rolle spielte.»
Es war überdies eine grosse Portion Mut vonnöten, führte die Piste doch über den berüchtigten «Totenschädel», eine sehr steile Stelle kurz nach der Kantonsgrenze. Diese Bezeichnung hat es sogar in das offizielle schweizerische Ortsnamenverzeichnis geschafft.
Nicht in die Neuzeit überführt wurde hingegen das Skirennen selbst, dies vor allem wegen Schneemangels. Mit einer Ausnahme: Im Jahr 2005 führten Organisatoren von Jungwacht und Blauring Rotkreuz es noch einmal durch und feierten mit 260 Teilnehmern eine Rekordbeteiligung.
Jungwacht Blauring Rotkreuz hat kürzlich die Erinnerung an das Michels-Skirennen aufleben lassen:
Die Serie «Alles fährt Ski» blickt auf die Geschichte und Gegenwart von Zuger Skiliften. Im siebten und letzten Teil lesen Sie über den Skilift Walterswil.
Quellen: Staatsarchiv Zug, Archiv der Stiftung Don Bosco Walterswil, P 302.7.366, Kleinskilift am Herrenhügel bei Walterswil, 1971–1997 (Dokumente) sowie P 302.2.466, Skitage in Walterswil, 1978–1987 (Fotos).


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