Das Drücken auf den Reset-Knopf kommt den Kanton Luzern teuer zu stehen. Fast 1,7 Millionen Franken hat das Projekt um die Schulverwaltungssoftware Educase bis zum Abbruch verschlungen. Beinahe 9 Millionen Franken werden für das Folgeprojekt fällig. Über die Abrechnung des gescheiterten und über den Sonderkredit des neuen Projekts befindet der Kantonsrat an der kommenden Junisession. Die Kommission Erziehung, Bildung und Kultur des Kantonsrates (EBKK) empfiehlt dem Parlament zu beiden Geschäften die Zustimmung, wie sie am Freitag mitteilte. Sie drückt aber auch ihr Bedauern über die Einstellung von Educase aus.
Die Kommission sei «geschlossen der Auffassung, dass es ein zu grosser Geldbetrag ist, der viele Prozesse und Entscheide beinhaltete». Die Software habe nicht die erwartete Professionalität für die Schulen und den Kanton gebracht. «Die Herstellerfirma der Schuladministrationssoftware lieferte nicht das, was vereinbart wurde, und war auch nicht in der Lage, Anpassungen und Änderungswünsche zu erfüllen, weder zeitlich noch inhaltlich.» Die Einstellung des Projekts sei richtig gewesen, schreibt die EBKK weiter: «Wo eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht vorhanden ist, fehlt jegliche Grundlage für ein IT-Projekt dieser Dimension.»
«Erwarten, dass man aus Fehlern lernt»
Die Kommission, die von der Stadtluzerner Mitte-Kantonsrätin Andrea Stadelmann geleitet wird, erwarte, «dass man aus den Fehlern lernt». So sei zentral, die Erkenntnisse aus der Evaluation in zukünftigen Digitalisierungsprojekten im Bildungsbereich zu berücksichtigen. Die Erkenntnisse sollen aber auch sichtbar in das Folgeprojekt einfliessen. «Dies ist aus Sicht der Kommission unabdingbar, auch in Anbetracht der Kosten.»
Der Kanton und der Verband der Luzerner Gemeinden hatten nach dem Scheitern mit Educase ein neues Projekt namens Stabilu gestartet. Im Zuge dessen ist nach einer von einem externen Experten begleiteten Ausschreibung die CM Informatik mit Hauptsitz in Schwerzenbach ZH mit der Lieferung der Software beauftragt worden. Das Unternehmen verfügt über viel Erfahrung mit Schulverwaltungssoftware und hat in den letzten Jahren Firmen gekauft, welche ihrerseits langjährige Erfahrung mit Programmen im Schulbereich haben.
Vertrauen zurückgewinnen
Die EBKK hofft, dass die Installation der neuen Software an den Schulen «möglichst rasch zum Fliegen kommt». Sie verlangt aber auch, dass die verschiedenen Ansprüche und Bedürfnisse der Schulen berücksichtigt werden. Ihr sei es wichtig, dass dieses Projekt und die Etablierung der Software nun gelingen. «Nicht nur, weil man mit dem Erfüllen des gesetzlichen Auftrags in Verzug ist, sondern auch, weil das verloren gegangene Vertrauen wiederhergestellt werden muss.»
Die Einführung der neuen, einheitlichen Plattform mit verschiedenen Modulen ist schrittweise zwischen 2025 und 2027 geplant. Die Gemeinden sollen für ihren bisherigen Aufwand entschädigt werden, indem der Kanton befristet für einen Teil der nun neu anfallenden Kosten aufkommt.


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