Ein Roboter mit Zylinder schwebt durch die Gegend und ruft blechern: «Willkomme, willkomme!» Er begrüsst die Besucherinnen und Besucher des US-amerikanischen Dörfchens Helvetia zur dortigen Fasnacht (ausgesprochen «Fasnakt»). Diese kuriose Szene spielt sich dieser Tage im Online-Videospiel «Fallout 76» ab. Vom 14. bis 28. Februar kann man hier miterleben, wie die Fasnacht im Jahre 2102 aussehen könnte. Das Fallout-Universum spielt nämlich in der nahen Zukunft, nachdem die USA weitgehend von einem Atomkrieg verwüstet worden sind.
Glaubt man den Spieleentwicklern, kann selbst ein nuklearer Winter dem bunten Treiben kein Ende setzen. Aber natürlich ist es nicht mehr ganz das gleiche. Der Umzug, den die Spielerinnen und Spieler organisieren müssen, ist im Vergleich zur Realität ziemlich trostlos: Er wird bestritten von fünf Robotern, die zu Blasmusik aus Lautsprechern vor sich her marschieren. Das «Schränzen» von Guuggen sucht man hier vergeblich, obwohl einige Blasinstrumente herumliegen.
Immerhin Konfetti gibt's: Die Schnipsel können alle, die den Event besuchen, hoch in die Luft schmeissen. Das «fasnächtlichste» an der Sache sind allerdings die Masken: grosse Grende, die man so durchaus auch an der Luzerner Fasnacht sehen könnte, zum Beispiel der klassische Narr oder knorrige Monsterfratzen. Die Sonnenmaske jedoch gemahnt eher ans Gansabhauet als an die fünfte Jahreszeit.
Am Ende des Umzugs brennt der Böögg
Trotz gemächlichem Umzug – ringsum geht es wild zu und her. Mutierte Tiere fallen über die Prozession her, gemeinsam müssen die Spielerinnen und Spieler den Weg frei schiessen. Dabei explodieren mehrere Häuser des Dörfchens, dessen Vorbild die tatsächlich existierende Kommune Helvetia in West Virginia ist. Die Siedlung wurde 1869 von Schweizer Emigranten gegründet.
Das fiktive Helvetia im Videospiel beinhaltet einige launige, wenn auch plumpe Anspielungen auf die Schweiz: Überall sind 1.-August-Lampions zu sehen, als Fingerzeig auf die direkte Demokratie stehen in einem Haus mehrere Urnen. Die Fasnacht selbst wirkt ähnlich oberflächlich. Immerhin wird am Schluss des erfolgreichen Umzugs ein Böögg angezündet, was in einigen Gegenden der Schweiz tatsächlich das Ende der Fasnacht markiert.
Luzerner Lokalkolorit ist im Spiel zwar nicht zu entdecken. Trotzdem zeigt «Fallout 76»: Die Fasnacht hat bereits Einzug in die US-amerikanischen Popkultur gehalten. Das ist doch ein gutes Omen für die Bestrebungen der Luzerner Fasnacht, es den Baslern gleichzutun und zum Weltkulturerbe ernannt zu werden .




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