Tijana Nikolic
Seit Mitte Mai liegt die diesjährige Hirsesaat im Boden des eineinhalb Hektaren grossen Hirsefelds der Familie Werder beim Bibersee in Cham. Dank des warmen Frühlings konnte die Biohirse dieses Jahr bereits etwas früher gesät werden. Landwirt Peter Werder werde das goldgelbe Chamer Traditionsgetreide voraussichtlich Mitte August ernten. «Pro Jahr produziert mein Sohn etwa drei bis fünf Tonnen Hirse», sagt der Vater Bruno Werder, ehemaliger Chamer Gemeindepräsident. Etwa zwei Tonnen Hirse waren nötig gewesen, um die von der Interessengemeinschaft Hirse (IG) aus Cham initiierte neue Hirsespezialität herzustellen: einen Hirse-Whisky.
Die IG unter der Leitung von Bruno Werder hat den feinen Tropfen in Zusammenarbeit mit der Distillerie Etter aus Zug kreiert. «Einen Whisky aus Hirse gibt es in ganz Europa nicht. Soweit ich weiss, gibt es in Kalifornien etwas Ähnliches», so Werder. Deswegen könne sich Gabriel Galliker-Etter, Geschäftsführer der Etter Söhne AG in Zug, durchaus vorstellen, das gebrannte Wasser aus Cham in die Ladenregale Europas zu platzieren.
Der Vorverkauf ist bereits im Gange
Bis der Whisky allerdings auf dem Markt ist, dauert es noch eine Weile. «700 Liter lagern in zwei grossen Fässern im Hause Etter für weitere eineinhalb Jahre», so Bruno Werder. Um den richtigen Geschmack und die richtige Farbe zu bekommen, müsse der Hirse-Whisky drei Jahre im Fass lagern. «Er ist jetzt noch milchig trüb, wird aber noch dunkel vom Fass. Jeder Whisky ist direkt nach dem Brennen noch glasklar», so Galliker-Etter. Vor Weihnachten 2021 werde er einen ersten Teil der total 700 Liter in nummerierte Sieben-Deziliter-Flaschen abfüllen. Erste Kostproben hätten auf einen sehr feinen Geschmack hingedeutet. «Er ist hochprozentig, wir liegen momentan bei 66 Prozent Volumen. Gleichzeitig ist er auch sehr weich im Geschmack», verrät Galliker-Etter. Reservationen in nummerierten Flaschen für 119 Franken seien bereits möglich. «An unserem Stand am Weihnachtsmarkt in Cham und am Chomer Märt konnten wir der Bevölkerung von einer Fassprobe einschenken. Der Whisky kam gut an und wir haben bereits 25 Flaschen vorverkauft», freut sich Werder.
Gross Geld damit zu machen, war jedoch nie das Ziel: «Wir fanden die Idee einfach lässig, nach dem Hirsebier, das mit der Brauerei Baar zusammen entstand, wieder etwas Neues aus Hirse herzustellen», so Werder. Wegen der Jahrhunderte alten Hirsetradition(siehe Box) gäbe es in Cham in diversen, regionalen Läden und Restaurants Hirseprodukte, wie Gipfeli, Hirsebärli oder Grittibänz zu kaufen. Auch Hirsewürste würden am Chomer Märt angeboten werden. «Wir von der IG haben uns eingesetzt, dass wir regionale Anbieter, wie die Bäckerei von Rotz oder die Bäckerei Nussbaumer für unsere Gemeinschaft gewinnen», erklärt Werder. Auch Martin Uster von der Brauerei Baar, der das inzwischen bekannte Hirsebier gebraut hat, sei bei ihnen vertreten.
Aufgrund ihrer glutenfreien Eigenschaft sei die Hirse in den letzten Jahren zunehmend beliebter geworden. «Sie wird auch auf dem Feld von keinen Krankheiten oder Parasiten befallen», weiss Werder. Ausserdem wirken sich sehr warme Temperaturen gut auf das Hirsegetreide aus und es hat keine grossen Ansprüche beim Anbau.
Hinweis: Infos zur IG Hirse unter werder.bruno@bluewin.ch oder Telefon 079 256 00 98. Vorbestellungen unter www.etter-distillerie.ch oder Telefon 041 748 51 51.

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