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Zug

Ein Herbst ohne die Zuger Messe: Wie Aussteller mit der Absage umgehen

Die Messe ist für viele Unternehmen eine wichtige Plattform, um sich zu präsentieren. Die Absage wirkt sich auch finanziell aus. Doch die Aussteller versuchen, das Beste aus der Situation zu machen.
Der persönliche Kontakt mit den Kunden steht im Zentrum: Ein Bild der letztjährigen Zuger Messe. (Bild: Maria Schmid (Zug, 25. Oktober 2019))

Rahel Hug

Sei es eine neue Matratze, eine Gewürzmischung oder ein ausgefallenes Küchengerät: So mancher Besucher deckt sich an der Zuger Messe mit (mehr oder weniger) Nützlichem, Nötigem oder Feinem ein. Beliebt ist die grösste Zentralschweizer Messe auch wegen der Geselligkeit: In den vielen Beizen lässt es sich wunderbar «höcklen», nach einem Rundgang auf dem Gelände oder einem strengen Arbeitstag. Dieses Jahr wird daraus nichts: Die Zuger Messe, die am Samstag, 24. Oktober, gestartet hätte, musste abgesagt werden.

Was bedeutet das für die Aussteller, die seit Jahren ihre Produkte auf dem Stierenmarktareal anbieten und die Gastronomielokale führen? Heidy Merz sagt:

«Mein Herz blutet bei dem Gedanken, dass wir all die lieben Gäste, Freunde, Besucherinnen und Besucher, Ausstellerinnen und Aussteller dieses Jahr nicht bewirten können.»

Merz ist mit ihrer Firma Heidy und Peter GmbH seit 44 Jahren als Gastgeberin tätig – in den Restaurants Heidy und Peter, Pizzeria Marina, in der Bar und der Walliserstube. Die Messe sei sehr wichtig, um ihr Geschäft zu präsentieren, Kontakte zu knüpfen und zu pflegen. Falle der Traditionsanlass weg, bedeute das für sie «keinen Rappen Umsatz». Für die Betreiber der Messebeizen gibt es zudem kaum Möglichkeiten, den Corona-Ausfall zu kompensieren. Merz hofft deshalb, dass die Gäste sie in ihren Restaurants Eierhals und Bären in Oberägeri besuchen – und dass die Pandemie im kommenden Jahr besiegt ist.

Mehr Geld in digitale Kanäle investieren

Den persönlichen Kontakt mit den Kunden kann man nicht auffangen: Das sagt auch Roland Graf, Leiter Global Marketing bei der V-Zug AG. 2020 wäre die 46. Teilnahme für das Zuger Unternehmen gewesen. «Die Messe ist ein wichtiger Touchpoint, um die Produkteneuheiten zu präsentieren, aber auch Feedbacks zurück ins Unternehmen führen zu können», so Graf. Direkte finanzielle Einbussen habe die V-Zug AG nicht, da man die Produkte ausschliesslich über den Fachhandel verkaufe. «Ob die fehlende Teilnahme im Nachgang an die Messe auch bei unseren Partnern einen negativen Einfluss auf das Geschäft hat, können wir aktuell nicht abschätzen.» Das Unternehmen plane, mehr Geld in die digitalen Kanäle zu investieren.

Das Zuger Unternehmen Weber-Vonesch AG wäre heuer zum 33. Mal an der Messe vertreten gewesen. Die Zuger Messe sei eine wichtige Plattform, um die Stammkundschaft zu pflegen und die Bindung zu stärken, erklärt Judith Weber, Geschäftsleitungsmitglied des Getränke- und Weinhändlers. Gleichzeitig könne man neue Kunden erreichen und «den Puls fühlen», also herausfinden, welche Weine und Getränke auf dem Markt gefragt seien. «Natürlich generieren wir auch einen wichtigen Umsatz-Anteil an der Messe», sagt Weber und betont, dass man deswegen mit finanziellen Einbussen rechne. Als Alternative haben die Verantwortlichen eine eigene, kleinere Weinmesse geplant. Diese fällt nun aber auch ins Wasser. Weber: «Schweren Herzens haben wir diesen Anlass aufgrund der sich zuspitzenden Coronasituation abgesagt.» Neue Projekte seien in Planung, ergänzt sie – und bleibt optimistisch:

«Wir sehen die aktuelle Lage, so schwierig sie für KMU im Moment ist, auch als Chance, um neue Ideen auszuprobieren.»

Eine Weindegustation im Internet

Auch beim Weingut Cave du Rhodan im Wallis hat die Teilnahme an der Zuger Messe eine lange Tradition und das Datum ist jeweils fix in der Agenda eingetragen. Was die Absage bedeutet, könne man heute noch nicht beurteilen, führt Chefin Sandra Mounir aus. Einige Kunden würden sicher auf den Onlineshop ausweichen:

«Das ersetzt sicher keine Messe, aber so kann man wenigstens das Jahr bis zur nächsten Zuger Herbstmesse überbrücken.»

Der Familienbetrieb aus dem Wallis hat 2020 den Fokus auf die digitale Welt gelegt. So wurde während des Lockdowns die nach eigenen Angaben grösste digitale Weindegustation der Schweiz durchgeführt. Wie das funktioniert? Die Teilnehmer konnten sich vorab ein Degustations-Set liefern lassen und dann via Stream an der Degustation teilhaben. Um auch im Herbst mit den Kunden aus der Region Zug in Kontakt zu bleiben, wurden kleinere Anlässe mit limitierten Plätzen geplant. Sandra Mounir sagt dazu:

«Wir wollten nicht ein Jahr lang Funkstille haben.»

«Dank der Zuger Messe gewinnen wir jeweils auch neue Kundschaft aus den Kantonen Zug, Zürich und Luzern», sagt Bernhard Reichmuth, Geschäftsleiter der Reichmuth Wohn AG mit Sitz in Schwyz. Das Möbelhaus ist seit 20 Jahren auf dem Stierenmarktareal vertreten. Zwar sei der Direktverkauf an der Messe seit Jahren rückläufig, räumt Reichmuth ein. «Doch die Messe ist sehr wichtig, um uns auch ausserhalb unseres Haupt-Einzugsgebietes bekanntzumachen.» Entsprechend komme es wegen der Absage zu finanziellen Einbussen. «Diese zu beziffern, ist aber sehr schwierig.» Eigentlich wollte das Möbelhaus eine eigene Wohnmesse als «Ersatz» für die Zuger Messe auf die Beine stellen. Wegen der hohen Fallzahlen im Kanton Schwyz führe man diese aber lediglich «auf Sparflamme» durch, wie der Geschäftsleiter Auskunft gibt.

Imagepflege ist wichtig

Das beste aus der Situation zu machen versucht auch die Möbel Portmann AG aus Schüpfheim. «Wir holen die Messe zu uns nach Schüpfheim», dachte sich die Geschäftsleitung und initiierte einen virtuellen Rundgang durch die Möbelausstellung. «Es ist das erste Mal, dass wir so etwas probieren», berichtet Geschäftsleiterin Eliane Portmann. «Klar können wir damit den Auftritt an der Zuger Messe nicht ersetzen, aber zumindest eine kleine Alternative bieten», sagt sie. Das Möbelgeschäft ist seit 2016 mit einem Stand in Zug vor Ort. «Neben der Luga ist die Zuger Messe klar die wichtigste für uns», so Portmann. «Wir stellen fest, dass Kunden auch aus anderen Kantonen nach der Messe jeweils den Weg ins Entlebuch auf sich nehmen.» Für die Imagepflege sei der Auftritt sehr wichtig.

Das Nahrungsmittelunternehmen Oswald ist ein «Alter Hase» an der Zuger Messe. Heuer hätte es schon zum 49. Mal teilgenommen. Die Zuger Messe sei eine optimale Gelegenheit, den Besuchern Neuheiten vorzustellen. Mediensprecherin Silvana Zollinger sagt:

«Einige Kunden bestellen zudem nur an der Messe, da sie uns von dort kennen.»

Der Ausfall führe deshalb auch zu Umsatzeinbussen. Wie versucht man diese zu kompensieren? «Unsere Kundenberater kennen einige Messebesucher und gehen aktiv auf diese zu», so Zollinger. Zudem eröffne am Bahnhof Stadelhofen im November der erste Pop-up-Store.

Für alle angefragten Aussteller steht fest: Sie wollen nächstes Jahr wieder an der Messe teilnehmen. Die letztjährige Ausgabe zog 80'000 Besucher an, über 420 Aussteller waren vertreten.

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