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Ein Dokumentarfilmer begleitete sie fast 20 Jahre lang: Nun steht die Bauernfamilie Epp vor neuen Herausforderungen

In einem Dokumentarfilm im Schweizer Fernsehen wird das Schicksal der Familie Epp im Acherli in Bristen aufgezeigt. Inzwischen übernimmt die fünfte Generation die Verantwortung für die Liegenschaft.
Die Bergbauernfamilie Epp wird mehrmals vom Schicksal schwer getroffen. (Bild: Schweizer Fernsehen SRF)
SRF-Dok-Filmer Hanspeter Bäni. (Bild: Schweizer Fernsehen)

Markus Zwyssig

Markus Zwyssig

Kennengelernt hat Hanspeter Bäni den Bergbauern Sepp Epp vor vielen Jahren, als er im Maderanertal auf einer Wanderung war. Epp war gerade im steilen Gelände dabei, das Gras von Hand mit der Sense zu mähen. Der Dokumentarfilmer erinnert sich gut daran. «Ich suchte das Gespräch», blickt er zurück. «Die Ursprungsidee war, einen Film über Naturgefahren in den Bergen zu drehen.» Im Winter sind es Lawinen, im Sommer Steinschläge, die den Weiler Acherli oberhalb von Bristen bedrohen. Ein Fehltritt könnte für den Bergbauern fatale Folgen haben. Die Familie Epp lebt seit vier Generationen auf 900 Meter über Meer. «Man lernt mit den Gefahren zu leben», sagt Sepp Epp.

In den vergangenen Jahren hat Hanspeter Bäni mehrere Male in Dokumentarfilmen auf SRF 1 über das Schicksal der Bergbauernfamilie Epp berichtet. Nun wird der letzte Dokumentarfilm über die Patchworkfamilie vom Acherli in Bristen ausgestrahlt. Es ist gleichzeitig auch der letzte grosse Film, den der 64-jährige Hanspeter Bäni vor der Pensionierung gedreht hat. «Lange wusste ich nicht, ob ich den Film überhaupt zu Ende bringen kann», so Bäni. Denn es war unklar, wie es auf dem Bergbauernhof weiter geht.

Keine leichte Zeit für die Familie Epp

Fast 20 Jahre lang hat der Dokumentarfilmer die Familie durch viele Hochs und Tiefs begleitet. Schicksalsschläge musste die Familie Epp schon manche hinnehmen. Die beiden Töchter und der Sohn mussten ein Trauma verarbeiten: Ihre leibliche Mutter wird zu neun Jahren Haft verurteilt. Sie habe ihren Mann, den sie nach der Scheidung von Sepp Epp geheiratet hat, durch das Spritzen einer Überdosis Insulin getötet. Sie selbst hat dies immer bestritten. Die Ex-Frau des Bergbauern und Mutter der Kinder wurde in einem Indizienprozess schuldig gesprochen. Das Bundesgericht stützte das Urteil des Urner Obergerichts.

«Ich habe nicht immer nur einfache Zeiten erlebt», sagt Sepp Epp. «Man muss es nehmen, wie es kommt.» Doch nun sind gesundheitliche Probleme dazu gekommen. Für die Schwerstarbeit über all die Jahre hat der heute 70-jährige Bergbauer einen hohen Preis bezahlt. Aufgrund massiver Abnutzung seiner Gelenke kann er den Alltag nur dank Hilfe seiner Kinder bewältigen. Er möchte den Hof seinen Kindern übergeben. Der Wunsch löst in der Familie Spannungen aus. Als eines der Kinder sich dazu bereit erklärt, beginnt der Zusammenhalt in der Familie zu bröckeln. All dies ist nun im aktuellen Dokumentarfilm zu sehen, der am Donnerstag auf SRF 1 gezeigt wird.

«Alles ist mir ans Herz gewachsen»

Die Begegnungen mit der Bergbauernfamilie Epp wurden für Hanspeter Bäni zu einer Herzensangelegenheit. «Für mich sind solche Langzeitgeschichten die besten Geschichten.» Sie zeigen eindrücklich auf, wie sich die Menschen und ihr Umfeld entwickeln. Die Familie Epp im Acherli in Bristen hat er so lange begleitet wie keine anderen Protagonistinnen und Protagonisten zuvor. Dabei entstand auch eine besonders enge Beziehung zwischen allen Beteiligten. «Ich bin sehr fasziniert von der Familie und der Umgebung. Alles ist mir ans Herz gewachsen.» Es seien sehr ehrliche Leute, die kein einfaches Leben hätten. Das Ganze fühle sich fast anachronistisch an. «Im Acherli in Bristen erlebt man eine Welt wie fast zu Gotthelfs Zeiten.»

Und trotzdem: «Alle Probleme, die es in der modernen Zivilisation gibt, sind auch schon dort oben angekommen.» Der Film zeigt, wie inzwischen die fünfte Generation heranwächst und ebenfalls wieder von Schicksalsschlägen getroffen wird.

Hinweis: Die Dokumentarsendung Schicksal einer Bergbauernfamilie ist am Donnerstag, 21. Oktober, um 20.05 Uhr auf SRF 1 zu sehen.

Der Trailer zur aktuellen Sendung:

Die bisherigen Sendungen:

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