Pirmin Bossart
Pirmin Bossart
Pirmin Bossart
Niemand wusste, wie es würde. Die neuen Bewohnerinnen und Bewohner, die ab August 2018 in die Teiggi in Kriens einzogen, hatten sich für eine Wohnform entschieden, die viel Wert auf Nachbarschaft, Partizipation und Gemeinschaftlichkeit legt. Nur: Wie würde das in der Praxis funktionieren? Ebenso gespannt waren Josef Stöckli und Lotti Stöckli: Auch sie gingen von Beginn weg in der Teiggi ein und aus, weil sie über dieses neue Genossenschaftsprojekt einen Film drehen wollten. Am Ende hatten sie über 40 Stunden Material. Daraus schnitt Josef Stöckli in monatelanger Arbeit einen 45-minütigen Film.
Wie packten sie das schwierig planbare Unternehmen an? «Wir begannen, chronologisch einzelne Etappen wie die Eröffnung, den Informationstag und andere Anlässe festzuhalten», sagt Josef Stöckli, der seit 40 Jahren mit seiner Frau Lotti ein bewährtes Filmteam bildet (siehe Box). Zudem seien sie während vier Jahren mehrmals pro Woche vor Ort gewesen, hätten den Kontakt zur Bewohnerschaft gesucht und unzählige Gespräche geführt, ohne dass sie immer gefilmt hätten. «So haben wir die Bewohnerinnen und Bewohner kennengelernt, und sie uns.»
Nur wenige Kündigungen
Im Mittelpunkt des Filmes stehen denn auch diese Bewohnerinnen und Bewohner, ihre Befindlichkeiten, wie sie Gemeinschaft leben und sich organisieren. Man lernt die Kita kennen, die älteste Bewohnerin, die Teiggi-Band oder den Mann, der regelmässig mit zwei Buben den Abfall entsorgt. Ebenso gibt der Film Einblicke in die Werkstätten und die Ateliers, die zum Konzept und zum Alltag der Genossenschaftssiedlung gehören.
«Die Menschen, die hier einzogen, haben einander gefunden», sagt Josef Stöckli. Seit dem Bezug der Teiggi habe es nur wenige Kündigungen gegeben. Es sei auch für sie interessant gewesen, zu verfolgen, wie das gewachsen sei «und wie sich solch eine Gemeinschaft entfaltet», sagt Lotti Stöckli. Und fügt an:
«Wir wollten auch zeigen, dass eine funktionierende Nachbarschaft nicht automatisch gegeben ist.»
Daran müsse man arbeiten. Es brauche immer Personen, die Initiative zeigen und damit andere mitziehen können. Eine solche ist etwa Marta Bühler, die mit ihrem Partner Alex Born in der Teiggi lebt. Sie leitet die Siedlungsversammlungen oder initiiert Themen, die besprochen werden müssen. Die beiden tauchen mehrmals im Film auf und bilden einen roten Faden.
Ein Vorzeigeprojekt für solidarisches Wohnen
Durch einen Zeitungsartikel über die geplante Genossenschaftssiedlung Teiggi waren die Stöcklis 2018 auf ihr neues Thema aufmerksam geworden. Kurz zuvor hatten sie ihren letzten Film «Lacitos de Luz» realisiert. Darin schilderten sie den Alltag einer Luzernerin, die im peruanischen Amazonasgebiet ein Heim für HIV-positive und aidskranke Kinder leitet.
Das Engagement für soziale und ökologische Themen gehört zum Selbstverständnis des Filmer-Paars. «Von daher passt auch die Teiggi zu unserem Filmschaffen», sagt Josef Stöckli. «Zudem ist die Siedlung zukunftsweisend, auch das hat uns interessiert», schiebt Lotti Stöckli nach. Die Teiggi ist für die beiden ein Vorzeigeobjekt für solidarisches und ökologisches Wohnen, aber auch ein «Musterbeispiel für eine zukunftsgerechte und autoarme Quartiersentwicklung».
Man könne nicht erwarten, dass alle Menschen so leben möchten, ist sich Stöckli bewusst, aber in Zukunft würden solche verdichteten und gemeinschaftlichen Wohnformen in den Städten und Agglomerationen immer wichtiger. Es gebe viele Wohnbaugenossenschaften, die sich «sozial» und «ökologisch» auf die Fahne schreiben würden, sagt Lotti Stöckli. «Aber wie die Teiggi zeigt, könnten es viele noch innovativer machen.» Dazu möchten die beiden mit ihrem Film Denkanstösse geben.
Selber wohnen Josef und Lotti Stöckli seit über 40 Jahren in ihrem Einfamilienhaus in Schenkon. Wäre für sie eine Wohnform wie die Teiggi denkbar? Es wäre ein grosser Schritt, ihr Heim und den grossen Garten zu verlassen. Aber die Sympathien seien gross. «Ich habe mich in dieser Siedlung, wo viel Austausch passiert, sehr wohlgefühlt», sagt Josef Stöckli. Seine Frau Lotti nickt und meint: «Die Teiggi ist für uns ein zweites Zuhause geworden.»
Die Filmpremiere ist am Freitag, 6. Mai, in Schenkon. Es hat noch einige freie Plätze. Bei Interesse anmelden unter 079 136 31 10. Der Film wird zudem von Tele 1 ausgestrahlt: Samstag, 21. Mai, 20.15 Uhr und Sonntag, 22. Mai, 13 Uhr. Vom 21. Mai bis 19. Juni ist er auf den Webseiten von Tele 1 und PilatusToday zugänglich.



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