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Zug

Eigentlich war sie in Blickensdorf vorgesehen: So kam es vor 50 Jahren zum Kirchenbau in Inwil

Im Juli 1971 wurde die katholische Kirche St. Thomas im Baarer Weiler eingeweiht. Ursprünglich hätte woanders in der Gemeinde ein Gotteshaus errichtet werden sollen.
«Eine Kirche sollte nicht nur ein Bau sein, sondern ein Ort zum Leben.» Am 3. Juli 1971 wurde das neue Zentrum St. Thomas feierlich eingeweiht. (Bild: Hermann Ruetschi/PD)
Hierhin wurde die Kirche St. Thomas gebaut. (Bild: Hermann Ruetschi/PD)
Bei der Renovation 2016/2017 werden die hinteren Räume abgerissen, damit ein neuer Anbau erstellt werden kann. (Bild: Ernst Bürge/PD)
So sieht die Kirche St. Thomas heute aus. (Bild: Matthias Jurt (Inwil, 23. Juni 2021))
Der Anbau mit Saal und verschiedenen zusätzlichen Räumen fügt sich gut ins Gesamtbild ein. (Bild: Ernst Bürge/PD)

Sina Engl

Sina Engl

Sina Engl

Sina Engl

Sina Engl

Man könnte sagen, es war Glück, dass der Dorfteil Inwil Anfang der 1970er-Jahre eine eigene Kirche erhielt. Eigentlich war die Errichtung der Pfarrei St. Markus bei Blickensdorf geplant. Ländereien waren bereits gekauft, das Projekt in Bearbeitung. Doch mit dem Bau der vier Scheibenhäuser und weiteren Überbauungen in Inwil merkte man, wie rasant diese Gegend wuchs.

Im Juli 1971 dann wurde die Kirche St. Thomas eingeweiht. Der Weg dahin war nicht ganz einfach. Nachdem der Standortentscheid zu Gunsten Inwils gefallen war, musste man sich um die finanziellen Aspekte eines Kirchenbaus kümmern. Um Geld und Zeit zu sparen, entschied man sich für den Bau einer sogenannten Fastenopferkirche. Diese Kirchen, die in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Architekten Hanns Anton Brütsch entwickelt worden waren, entstanden aus vorgefertigten Bauteilen und konnten so in kurzer Zeit für wenig Geld errichtet werden.

Nachdem bei der Talacherstrasse ein Grundstück erworben werden konnte und das Projekt von der Kirchengemeindeversammlung genehmigt worden war, erteilte die Gemeinde Baar die Baubewilligung. Innerhalb eines Jahres wurde die Kirche St. Thomas fertiggestellt und zum neuen Zentrum von Inwil.

Davor waren da eine Scheune und viel Feld

Ernst Bürge, langjähriges Mitglied des Kirchenrates, erinnert sich noch gut an die alten Zeiten. «Das Quartier war noch sehr klein, bevor die Kirche entstand», erzählt er. Wo die Kirche heute steht, war vor 50 Jahren bloss eine Scheune und viel Feld zu sehen. Seither sind rund um die Kirche viele weitere Wohnungen und auch eine Schule entstanden. Der Gemeindeteil Inwil zählt heute rund 4000 Einwohner. «Man könnte fast sagen, Inwil sei ein eigenes Dorf», meint Bürge läch­elnd.

Ernst Bürge ist heute Mitglied im Organisationskomitee des 50-Jahr-Jubiläums. Wegen Corona kann die Jubiläumsfeier der Kirche St.Thomas nicht wie geplant stattfinden. «Es tut schon weh, dass wir nicht so feiern können, wie wir uns das vorgestellt hatten», so Bürge. Doch auf die Feierlichkeiten verzichten möchte die Pfarrei auf keinen Fall. Alle geplanten Anlässe werden verteilt aufs nächste Jahr nachgeholt. «Anstatt die ganze Planung wegzuwerfen, feiern wir einfach 50+1», lächelt Bürge. Highlight des diesjährigen Jubiläums sollte der Auftritt des St.-Thomas-Chors sein. Die Gruppe plante die Uraufführung einer speziell für die Kirche komponierten Messe. Da die Coronamassnahmen allerdings keine Proben zuliessen, kann die Aufführung in diesem Jahr nicht stattfinden.

Auch die Chilbi, an welcher jeden Sommer die Kircheneinweihung gefeiert wird, kann nun schon zum zweiten Mal in Folge nicht durchgeführt werden. «Wir hatten schon sehr viel Arbeit in die Planung des Jubiläums gesteckt, doch an einem Punkt mussten wir uns eingestehen; es hat keinen Sinn. Die Situation ist und bleibt einfach zu heikel», erklärt Bürge.

Phil Eicher berichtet über die Fastenopferkirchen

Statt der grossen Feierlichkeiten findet am 27. Juni nun lediglich ein Gottesdienst statt. Auch auf den üblicherweise anschliessenden Apéro müssen die Kirchenbesucherinnen und -besucher verzichten. Zu dem Gottesdienst ist allerdings ein besonderer Gast geladen. Phil Eicher vom Fastenopfer erzählt über die Fastenopferkirchen und lässt so die Geschichte der Kirche St. Thomas auf eine andere Art und Weise wieder aufleben.

Da der Vorschlag zum Neubau der Inwiler Kirche 2012 von der Kirchengemeindeversammlung in einer Urnenabstimmung abgelehnt wurde, ist der zeltförmige Kirchenraum noch derselbe wie 1971. Vor sieben Jahren wurden nur die Sanierung des Kirchenraums sowie die Errichtung eines dreistöckigen Anbaus vom katholischen Baarer Stimmvolk genehmigt. Bürge war mit dieser Entscheidung damals zufrieden. Der Anbau bietet heute Platz für viele kirch­liche Gruppierungen, die das Kirchenzentrum zum Blühen bringen. «Eine Kirche sollte nicht nur ein Bau sein, sondern ein Ort zum Leben.»

Was sich Ernst Bürge für die Zukunft der Kirche St. Thomas wünscht, könnte im folgenden «Jubiläumsjahr» durchaus in Erfüllung gehen: «Mein Wunsch ist es, dass der Geist von St. Thomas wach bleibt und die Leute zusammenführt.»

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