Kontroverse

«Du Affe!» Eine Beleidigung oder ein Kosename?

Am 14. Dezember ist der internationale Affentag. Ist es – nicht nur an diesem Tag – zulässig, jemanden einen Affen zu nennen?

Raphael Biermayr.
Bild: Bild: Stefan Kaiser

Die Vermenschlichung von Tieren treibt seltsame Blüten. Sie gipfelte darin, dass die Stimmenden des Kantons Basel-Stadt ernsthaft über Grundrechte für Affen befunden haben. Und die Initiative bachab schickten.

Früher hiess es, dass der Mensch vom Affen abstammen würde. Mittlerweile heisst es, dass die beiden Arten gemeinsame Vorfahren hätten. Es hat also eine Art Entmenschlichung der Affen stattgefunden.

Das ist angemessen, denn die Zeiten sind glücklicherweise vorbei, als wir Menschen fremder Herkunft zwecks Volksbelustigung auf öffentlichen Plätzen ausstellten. Wohingegen Affenhäuser in Zoos sich nach wie vor grosser Beliebtheit freuen.

Jemandem «Du Affe!» aus rassistischen Motiven entgegenzuschleudern, ist indiskutabel und gehört rechtlich verfolgt. Beim in der Schweiz manchmal gehörten Ausdruck «Du Aff!» handelt es sich hingegen kaum um justiziable Beleidigungen. Es ist ein Hinweis – manchmal gar ein neckisch gemeinter – dem andern in einer bestimmten Situation an Intelligenz überlegen zu sein.

Dass darunter ausgerechnet der Affe leiden muss, erscheint zufällig. Wegen der Kürze des Worts eignet er sich halt einfach besser als beispielsweise «Du Lachender Hans!».

So oder so zeugt dieses Verhalten von der üblichen, von der Bibel gelehrten menschlichen Überheblichkeit: die Krone der Schöpfung und so weiter. Doch an irgendwas müssen wir uns – ganz affenartig – ja noch klammern können.

Vanessa Leutenegger.
Bild: Bild: Werner Schelbert

Du Esel, Schwein, Affe – ja, die Menschheit ist gut darin, Tiere als Beschimpfungen zu instrumentalisieren. Und das völlig zu Unrecht! Esel sind sehr aufmerksam und nicht stur, Schweine reinlich und nicht schludrig, und Affen ganz und gar nicht dumm. Warum also nicht die Geschichte anders schreiben? Wieso die Tiere nicht als Kosenamen verwenden?

Mein Hund beispielsweise trägt den Kosenamen Bubu. In Anlehnung an einen Affen aus einem alten Kinderbuch, das zu Hause steht. Protagonist: Bubu, der Affe! Der mutige Affe. Der furchtlose Affe, der sich von Liane zu Liane durch den Dschungel schwingt. Was der Hund zugegebenermassen nicht tut, aber mutig ist er.

Natürlich ist es noch nahe liegender, die Diminutivform «Äffchen» für seine Liebsten zu verwenden. Affen sind kluge und gesellige Tiere, seine Schwester oder den Partner mit einem «Hallo, Äffchen» zu begrüssen, ist entsprechend wesentlich sinnvoller als ihnen im Streit ein «Du Affe» entgegenzuschmettern.

Wem das zu kitschig für seine erwachsenen Freunde ist, der möge das auf die Kinder anwenden. Dort ist es denn auch schon fast Usus. So weiss ich immerhin, dass in meiner näheren Bekanntschaft Eltern ihre Kinder «Kletteräffchen» oder «lausbübisches Äffchen» rufen.

Darum weg vom Affenstigma. Denn wie schon «Rafiki» aus König der Löwen richtig feststellte: Veränderungen sind gut. In diesem Fall ganz bestimmt.

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