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Nidwalden

Droht Klewenalp und Emmetten das Ende des Skibetriebs?

Die Bergbahnen Beckenried-Emmetten wollen mit Hilfe der öffentlichen Hand in Beschneiungsanlagen investieren, sonst droht eine massive Reduktion beim Winterangebot. Aus eigener Kraft kann das Unternehmen die Mittel nicht aufbringen.
Ohne grosse Investitionen in die künstliche Beschneiung drohen auf der Klewenalp und in Emmetten das Ende des Skibetriebs. Im Bild der Twäregglift im Gebiet Emmetten-Stockhütte. (Bild: PD)
German Grüniger, Vize-Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Beckenried Emmetten AG (BBE). (Bild: PD)
German Grüniger, Vize-Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Beckenried Emmetten AG (BBE). (Bild: PD)

Philipp Unterschütz

Philipp Unterschütz

Philipp Unterschütz

Der Bergbahnen Beckenried-Emmetten AG (BBE) steht das Wasser bis zum Hals. Ende November 2020 hielt German Grüniger, der für die Gemeinde Beckenried als Vizepräsident im Verwaltungsrat der BBE sitzt, im Gemeindeheft «Beggriäder Mosaik» unmissverständlich fest: «Wenn sich der kommende Winter nicht erwartungsgemäss entwickelt, müssen eventuell Skianlagen oder Restaurants teilweise oder ganz aufgegeben und das Angebot neu ausgerichtet werden.» Auf Nachfrage präzisiert er:

«Das Unternehmen wird aus eigener Kraft nicht die Mittel aufbringen können,
die es bräuchte, um das Winterangebot
im bisherigen Umfang
langfristig sicherzustellen.»


Tatsächlich schrieb das Unternehmen im Geschäftsjahr 2019/20 ein miserables Ergebnis. Beim Verkehrsertrag resultierte eine Einbusse von mehr als einer Million Franken im Vergleich zum Vorjahr, der Gastronomieumsatz verblieb trotz zwei zusätzlicher Betriebe auf Vorjahresniveau, und der Jahresverlust betrug 1,1 Millionen Franken, der Cashflow gar – 106'691 Franken. Begründet wurde der geschäftliche Misserfolg der Vor-Coronazeit hauptsächlich mit dem Wetter und der Gastronomie.

«Das Ergebnis laut dem letzten Geschäftsbericht ist eines der schlechteren, die ich gesehen habe», bewertet Philipp Lütolf, Bergbahnspezialist und Wirtschaftsprofessor an der Hochschule Luzern, diese Zahlen im Vergleich mit anderen Bahnen.

Wirtschaftsprofessor: Teilschliessung ist keine gute Option

Auch der BBE-Geschäftsbericht spricht Klartext.

«In naher Zukunft muss
für alle Geschäftssegmente
ein positives Ergebnis erzielt werden. Sollte dies nicht eintreffen,
hat der Verwaltungsrat Szenarien ausgearbeitet, welche eine
fundamentale Neuausrichtung
der einzelnen Unternehmensbereiche
zur Folge haben werden.»





Die BBE ist in dieser Situation allerdings nicht allein. Solche Fälle gebe es in allen Regionen. «Zwei Drittel der Schweizer Bahnen können wegen zu geringer Rendite die notwendigen Investitionen für den Ersatz veralteter Anlagen nicht oder nur mit Mühe aus eigener Kraft finanzieren», hält Wirtschaftsprofessor Lütolf fest. Ohne grosses Skigebiet wäre es wohl einfacher. «Wenn die Gemeinden und Korporationen finden, man brauche das unbedingt, dann müssen sie es halt unterstützen.» Wenn man aber vom Skibetrieb etwas schliessen wolle, dann besser alles auf einmal.

Bis zu 8 Millionen Franken kosten Beschneiungsanlagen

Der Verwaltungsrat der BBE ist mittlerweile in die Offensive gegangen und hat Gespräche mit der öffentlichen Hand aufgenommen. «Konkret geht es um eine Investition von 6 bis 8 Millionen Franken in eine technische Beschneiung», schreibt German Grüniger. Die Überlegung des Verwaltungsrats sei, dass eine solche Infrastruktur durchaus als öffentliche Aufgabe, vergleichbar mit dem Erstellen einer öffentlichen Erschliessung oder einer öffentlichen Sport- oder Parkanlage, beurteilt werden könnte, um der volkswirtschaftlichen Bedeutung des Skigebiets mit den Arbeitsplätzen und der direkten und indirekten Wertschöpfung für die ganze Region Rechnung zu tragen. «Das würde bedeuten, dass die öffentliche Hand, also die beiden Gemeinden Emmetten und Beckenried, die Investition für die technische Beschneiung tätigt, der Betrieb der Anlage und das unternehmerische Risiko für den Skibetrieb jedoch bei der BBE AG verbleibt», so Grüniger weiter.

Konkrete technische Angaben und Zahlen sind bereits berechnet und den Ausschüssen der beiden Gemeinderäte von Beckenried und Emmetten präsentiert worden. Unterdessen bearbeitet eine neu gebildete Arbeitsgruppe diese Idee weiter. «Für die BBE würde eine technische Beschneiung nicht nur eine Sicherheit für den Winterbetrieb bieten, sondern ihr die Möglichkeit eröffnen, die Wintersaison bereits Ende November zu starten, was einen entsprechenden positiven Effekt auf das Betriebsergebnis hätte», erklärt Grüniger.

Wie weiter mit dem Sorgenkind Gastronomie?

Die Beschneiungsanlagen sind nur eine Option, die der Verwaltungsrat ins Auge fasst. Schon im vergangenen Frühjahr habe man eine Kaskade von Massnahmen für die Zukunft entschieden: «Die Massnahmen für den Winter gehen von der Schliessung oder Outsourcing der Gastronomie über die Teilschliessung der Transportanlagen bis hin zur Reduktion des Unternehmens auf den Betrieb der Bahnanlagen», erklärt Germann Grüniger.

Die Gastronomie ist laut Geschäftsbericht immer noch ein Sorgenkind. Tatsächlich seien in diesem Bereich in der Vergangenheit erhebliche organisatorische Fehler gemacht worden, die sich negativ auf das Geschäftsergebnis ausgewirkt haben, räumt Grüniger ein. Es brauche Zeit, diese Fehler zu korrigieren, beispielsweise mit dem Auswechseln von Personal. «Sollten diese Massnahmen dieses Geschäftsjahr keine Wirkung zeigen, dann ist der Entscheid im Verwaltungsrat gefallen, die Gastronomie vorläufig nicht mehr selber zu führen.» Die Beurteilung der Situation Ende des Geschäftsjahres dürfte allerdings nicht einfach sein, weil das Bild durch die Covid-19-Situation massiv verzerrt wird.

Korrekturen brauchen Zeit

Der Beitrag von German Grüniger im «Beggriäder Mosaik» rief auch den Beckenrieder Juristen und BBE-Aktionär Vinzenz Hohl auf den Plan. Er ärgerte sich in einem Schreiben an unsere Zeitung unter anderem darüber, dass laut dem Beitrag der Einbezug eines externen unternehmerischen Kapitalgebers explizit ausgeschlossen werde. Man sei auch in dieser Hinsicht nicht untätig gewesen, wehrt sich German Grüniger: Ein Zusammenschluss mit anderen Skigebieten sei geprüft worden, und man habe konkrete Gespräche geführt. «Diese sind aber mangels Interesse an einer Kooperation oder Investition in die BBE AG abgebrochen worden.» Auch Gespräche mit potenziellen Investoren seien geführt worden über eine Mehrheitsbeteiligung, die mittels einer Kapitalerhöhung hätte erzielt werden können. «Auch diese Gespräche sind letztlich abgebrochen worden. Nicht zuletzt auch deshalb, weil einige der Grossaktionäre mit einem solchen Vorgehen nicht einverstanden waren.»

German Grüniger betont, dass das Unternehmen, das der heutige Verwaltungsrat vor knapp drei Jahren übernahm, am Abgrund gestanden habe. «Es fehlte an elementarsten Grundlagen für die Führung eines Unternehmens: Es gab weder ein Budget noch eine Liquiditätsplanung noch einen Investitionsplan noch eine Übersicht über die Verbindlichkeiten, über die Aktionäre etc.!» Für ihn als Rechtsanwalt und Mitglied von verschiedenen Verwaltungsräten sowie Geschäftsleitungsmitglied eines börsenkotierten Unternehmens bleibt fraglich, wie es überhaupt so weit kommen konnte.

«Das zu korrigieren, war nicht
in ein paar Monaten gemacht.»

In einem persönlichen Gespräch mit Verwaltungsrat Grüniger nahm auch Kritiker Vinzenz Hohl die Massnahmen der BBE AG zur Kenntnis. Angesichts des Zeitmangels bleibe er skeptisch, aber: «Mir geht es als Einheimischer um die Klewenalp und darum, dass die Gesamtstruktur dringend eine Reorganisation braucht, damit ein für alle Mal fertig ist mit den Problemen, die nun schon Jahre dauern.» Neben vielen anderen kurzfristigen Ideen stellt Hohl die interessante Frage in den Raum, ob es nicht denkbar wäre, «langfristig ein Gebiet auszuzonen und eine Hotelkette oder einen privaten Investor zum Bau eines kleinen, aber feinen Ski- und Seminarhotels zu bewegen».

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