Wenn Gefahr droht, drücken sich Rehkitze flach auf den Boden und bewegen sich kaum. Einen Fluchtinstinkt besitzen die neugeborenen Tiere nicht. Da sie praktisch geruchslos sind, dient die Tarnung als guter Schutz gegen Fressfeinde. Nicht aber gegen landwirtschaftliche Maschinen.
Im Frühling beginnt die Mähsaison. Ausgerechnet dann, wenn die Setzzeit für Rehe ist. Für die Geburt ihrer Jungtiere wählen Rehgeissen Orte aus, die Schutz bieten. Vor allem hohe Wiesen sind beliebt. Dort sind die Rehkitze kaum sichtbar und werden von Fressfeinden, leider aber auch von Personen mit Mähmaschinen, oft übersehen. Mit fatalen Folgen. Jedes Jahr sterben schätzungsweise 1500 bis 1700 Rehkitze, weil sie von Maschinen erfasst werden, wobei die Dunkelziffer deutlich höher ausfallen dürfte.
Rehkitzrettung steht nichts mehr im Weg
Laut der Rehkitzrettung Schweiz wurden in der diesjährigen Saison schweizweit rund 7590 Rehkitze gerettet, freut sich Christian Fricker. Der ehrenamtliche Tierschützer aus Hochdorf will die Rehkitzrettung im Seetal kommende Saison mit einer Rettungsdrohne optimieren. Hierfür hat er im Frühjahr ein Crowdfunding lanciert. Innerhalb von drei Monaten wollte Fricker mindestens 7000 Franken sammeln, was er bereits vor Ablauf der Finanzierungsphase am 12. September geschafft hat. Insgesamt ist ein Betrag von 8415 Franken zusammengekommen.
«Das freut mich riesig und ist gleichzeitig eine Bestätigung dafür, dass viele Menschen hinter der Idee stehen», so der Hochdorfer. Mit dem gesammelten Geld schafft er sich eine professionelle Drohne mit Wärmebildkamera, inklusive Zubehör, an. Allein die Drohne kostet fast 6000 Franken. Zuvor hat Christian Fricker eine Ausbildung zum Drohnenpiloten durchlaufen, und bald folgt eine auf Rehkitzrettung spezifizierte Ausbildung mit praktischer Prüfung. Der Rehkitzrettung im kommenden Frühling steht also nichts mehr im Weg.
Eine Herzensangelegenheit
Die Einsätze finden jeweils frühmorgens statt. Dann sind die Wiesen noch kühl, und die Körperwärme der Rehkitze hebt sich auf den Wärmebildern der Drohne deutlich von der Umgebung ab. Entdeckt der Drohnenpilot ein Kitz, weist er weitere Helfer zum Fundort. Die Jägerschaft übernimmt anschliessend die fachgerechte Sicherung. Für den Erfolg brauche es eine enge Zusammenarbeit von Drohnenpilot, Jägerschaft, Helferinnen und Landwirten, erklärt Christian Fricker. Letztere melden jeweils am Vortag, welche Wiesen gemäht werden. Nach der Mahd werden gesicherte Rehkitze wieder freigelassen: «Rehkitz und Mutter finden über ihre Rufe wieder zueinander.»
Die Einsatzmöglichkeit von Drohnen für die Rehkitzrettung lernte Christian Fricker bei einer Weiterbildung zum Geomatiktechniker kennen. «Die Verbindung von moderner Technik und praktischem Naturschutz hat mich sofort fasziniert. Dass Tiere dadurch weiterleben können, die sonst möglicherweise getötet worden wären, macht das Projekt für mich zu einer Herzensangelegenheit», so Fricker.
Zunächst soll die Wärmebilddrohne im Seetal eingesetzt werden. Der ehrenamtliche Rehkitzretter aus Hochdorf kann sich aber durchaus vorstellen, sich in Zukunft auch ausserhalb des Seetals für die Rettung von Rehkitzen zu engagieren.


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