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Luzern

Dreispurige Strasse wird zum Zankapfel: Ein neues Verkehrsregime für den Pilatusplatz?

Die Stadt Luzern will die Obergrundstrasse vor dem Einwohneramt autofrei machen. Die Gegner glauben nicht daran – und verweisen auf den jüngsten Flop am Löwenplatz.
In diesem Bereich auf der Obergrundstrasse hätten künftig keine Autos mehr fahren sollen – das war die Idee der sogenannten «Y-Lösung». (Bild: Dominik Wunderli)
Der Innenhof des Stadthauses. (Googlemaps)

Robert Knobel

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Die verkehrsreiche Obergrundstrasse ist schon seit längerem eine Grossbaustelle. Alle Wasser-, Gas- und Elektroleitungen müssen erneuert werden, genauso wie der unterirdische Krienbachkanal und der Strassendeckbelag. Vor wenigen Wochen konnten die Arbeiten im Bereich zwischen Pauluskirche und Pilatusplatz in der Stadt Luzern abgeschlossen werden. Als Nächstes steht die Sanierung des Abschnitts Pilatusplatz-Kasernenplatz an. Stadt und Kanton möchten auf diesem Abschnitt aber nicht bloss die Strasse erneuern, sondern gleichzeitig auch die Verkehrssituation optimieren. Vorgesehen ist insbesondere, die Sicherheit für Velofahrer und Fussgänger zu verbessern:

  • Die Verbindung Bruchquartier–Kleinstadt soll einen durchgehenden Veloweg erhalten.
  • Die Schrägparkplätze gegenüber dem Einwohneramt (Einwohnerdienste Stadt Luzern) an der Obergrundstrasse sollen aufgehoben werden. Der Grund: Parkplätze, auf denen man rückwärts in eine Hauptstrasse ausfahren muss, sind gemäss den neusten Sicherheitsnormen nicht mehr erlaubt.
  • Der dreispurige Fussgängerstreifen vor dem Einwohneramt soll eine Ampel erhalten.

Ursprünglich hätten die Bauarbeiten etwa 2022 starten sollen. Doch möglicherweise dauert es länger. Denn aus Quartierkreisen tauchte vor einiger Zeit eine neue Idee auf. Diese zielt darauf ab, die während der Bauarbeiten notwendige Änderung der Verkehrsführung gleich dauerhaft umzusetzen. Das bedeutet: Sämtlicher Autoverkehr wird über den Hallwilerweg geführt. Die Obergrundstrasse vor dem Einwohneramt soll nur noch von Bussen und Velos befahren werden. Damit der Hallwilerweg den zusätzlichen Verkehr aufnehmen kann, muss er verbreitert werden. Dazu müssen die Parkplätze vor dem Passbüro weichen – und zwar zusätzlich zu den erwähnten Schrägparkplätzen vor dem Einwohneramt. Somit gäbe es rund um den Inselbau künftig überhaupt keine Parkplätze mehr.

Dadurch könnte auf der Obergrundstrasse eine grosse Fläche freigespielt und attraktiviert werden, hoffen die Verfechter dieser Idee, zu denen auch der Stadtrat gehört:

Der Stadtrat will diese sogenannte «Y-Lösung» jedenfalls vertieft prüfen und danach entscheiden, ob er eine Strassensanierung mit oder ohne Änderung der Verkehrsführung vorschlagen will. Den definitiven Entscheid muss aber der Kanton fällen, da ihm die Strasse gehört. Sollte die Y-Lösung tatsächlich realisiert werden, wäre mit einem Baustart zwischen 2024 und 2026 zu rechnen.

Die Meinungen, welche Verkehrsführung künftig am Pilatusplatz gelten soll, sind geteilt. Gar nichts von einer Änderung hält die IG Pilatusplatz, ein Zusammenschluss von diversen Gewerbetreibenden im Quartier. Co-Präsident Bastian Eltschinger, Geschäftsleiter der Remimag (Hotel Anker), sagt:

«Die Stadt verkauft uns die Y-Lösung als Aufwertung der Obergrundstrasse. Doch selbst wenn dort keine Autos mehr fahren, taugt sie nicht als Begegnungszone. Denn sie würde ja auch künftig von Bussen und Velos intensiv befahren.»

Dass man einen verkehrsreichen Platz nicht einfach auf Kommando zum Stadtpark umwandeln kann, zeige aktuell das Beispiel des Löwenplatzes. Auf den dortigen Carparkplätzen hat die Stadt bekanntlich Pflanzen und Sitzmöglichkeiten aufgestellt. Doch der Platz wird kaum genutzt – auch deshalb, weil der benachbarte Löwendenkmal-Park viel attraktiver ist. Am Pilatusplatz sei die Situation ähnlich, der Platz lade kaum zum Verweilen ein, so Eltschinger: «Statt für viel Geld die bewährte Grosskreisel-Verkehrsführung am Pilatusplatz zu ändern und Strassen zu sperren, würde man besser die bereits vorhandene Grünfläche aufwerten.» Eltschinger spricht den benachbarten Stadthauspark an. Dieser liegt im Innenhof zwischen Stadthaus, Polizeiposten und Fundbüro. Der Park ist zwar öffentlich zugänglich, wird aber mangels Infrastruktur kaum von Passanten genutzt. Hier liege viel Potenzial brach, findet Eltschinger. So wären beispielsweise eine Buvette und regelmässige kulturelle Anlässe im Park denkbar sowie Hochzeitsapéros (das Zivilstandsamt liegt direkt am Park).

Für die IG Pilatusplatz gibt es noch einen weiteren Grund, der gegen eine neue Verkehrsführung spricht: Die dafür notwendige Aufhebung der Parkplätze am Hallwilerweg. Gerade für die Geschäfte in der Kleinstadt, wo es nur noch wenige Strassenparkplätze gibt, seien die Parkplätze am Hallwilerweg «lebenswichtig», wie Apotheker Matteo Schaffhauser, Präsident des Quartiervereins Kleinstadt, sagt.

Anders sieht dies Samuel Sieber, Co-Präsident des Quartiervereins Obergrund. Für ihn ist die Y-Lösung vor allem deshalb die bessere Variante, weil damit die vorhandenen Flächen viel effizienter genutzt würden. «Der Individualverkehr kann über eine Achse in beide Richtungen effizient geführt werden und belastet so einen geringeren Teil an Liegenschaften.» Dadurch entstehe auf der Obergrundstrasse ein attraktives Eingangstor Richtung Kleinstadt, ein «zusammenhängender, innerstädtischer Freiraumbereich», wie Sieber sagt. Dass dieser Bereich auch künftig stark von Velos und Bussen befahren wird, ist Sieber durchaus bewusst:

«Wir haben nie von einer Flanierzone gesprochen. Dies macht in diesem Teil der Stadt auch kaum Sinn.»

Doch wenn künftig ÖV, Velos und Fussgänger Priorität haben, sei dies bereits eine deutliche Verbesserung gegenüber dem heutigen Zustand. Bastian Eltschingers Vorschlag, den Stadthauspark aufzuwerten, findet Samuel Sieber gut – allerdings als Ergänzung zur autofreien Obergrundstrasse, und nicht als Alternative.

Es soll weiterhin einige Parkplätze geben

Ebenfalls für die Y-Lösung ist Markus Schulthess, Co-Präsident des Quartiervereins Hirschmatt-Neustadt. Da die Parkplätze an der Obergrundstrasse ohnehin weg müssen, sei es sinnvoll, die ganze Situation neu zu denken. Es biete sich die Chance auf eine «klarere Verkehrsführung mit weniger und kürzeren Übergängen für Fussgänger und Velofahrerinnen.» Und dies bei gleichbleibender Kapazität für den Autoverkehr. Was die Parkplätze betrifft, so könnten auch künftig einige Kurzzeit-Plätze bestehen bleiben, findet Schulthess. «Aus unserer Sicht ein guter Kompromiss.»

Hinweis: Mehr Informationen zu den Plänen rund um den Pilatusplatz auf der Website der Stadt Luzern.

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