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Luzern

Drei bis vier Mal im Jahr wird’s laut: Seekag plant Umschlagplatz mit «Beton to go»-Anlage

Über 100'000 Tonnen Material und eine mobile Beton-Brechanlage: Beim Hornbach-Baumarkt soll ein Umschlagplatz für Baustoffe entstehen. Die Hälfte des Transports ist via Bahn vorgesehen.
Seekag-Chef Stefan Tresch. (Bild: PD)

Roman Hodel

Roman Hodel

Auf einer grünen Wiese unmittelbar beim Hornbach-Baumarkt im Littauerboden will die Seekag Seeverlad + Kieshandel AG einen neuen Umschlagplatz für Baustoffe sowie eine Frischbetonanlage für Selbstabholer – man nennt dies neudeutsch «Beton to go» – realisieren.

Über den neuen Platz werden jährlich rund 65'000 Tonnen Aushub- und Rückbaumaterialien sowie rund 39'000 Tonnen Sand und Kies umgeschlagen. Dies ist einem Baugesuch zu entnehmen, das bei der Stadt Luzern öffentlich aufgelegen ist.

So wird das Areal organisiert:

  • Die Aushub- und Rückbaumaterialien werden mit Lastwagen angeliefert und auf dem Umschlagplatz in grossen Haufen zwischengelagert. Dies verursacht gemäss Seekag rund 18 Lkw-Fahrten pro Werktag, was 4000 pro Jahr entspricht. Für die Weiterverarbeitung oder die Deponierung werden diese Materialien mittels Pneulader auf Bahnwagen verladen und abtransportiert.
  • Ein laut Baubeschrieb «untergeordneter Anteil» an Betonabbruch wird sporadisch mit einer mobilen Brechanlage zu Betongranulat aufbereitet und danach zwischengelagert. Dies geschieht drei bis vier Mal im Jahr für jeweils zirka drei Tage. Die Brechanlage ist gemäss Seekag so installiert, dass sämtliche Auflagen punkto Lärmschutz eingehalten werden. Betonabbruch und -granulat werden schliesslich auf Lastwagen verladen und verkauft.
  • Sand und Kies werden per Bahn angeliefert und auf dem Umschlagplatz über Förderbänder in die sogenannten Komponentenboxen zur Zwischenlagerung transportiert. Von hier werden sie mit Pneuladern auf Lastwagen verladen und verkauft.
  • Eine Frischbetonanlage stellt jährlich rund 2000 Kubikmeter Frischbeton her. Hierfür werden mit einem Pneulader bei Bedarf Sand und Kies in die Anlage aufgegeben und zur Herstellung mit Zement gemischt. Dieser befindet sich im Zementsilo nebenan und war vorher mit dem Lastwagen angeliefert worden. Es handelt sich um eine neuartige «Beton to go»-Anlage, die für Selbstabholer gedacht ist. Das heisst: Es geht um kleine Mengen. Die Kundin oder der Kunde bedient die Anlage selber und nimmt den Beton in seinem Fahrzeug mit, etwa ein Kleintransporter. Die Seekag entspricht damit laut eigenen Angaben «einem Trend» und rechnet hier mit weiteren rund 18 Fahrten pro Arbeitstag respektive 4000 jährlich.

Seekag-Standort in der Stadt Luzern bleibt wie gehabt

Die meisten kennen die Seekag von der Werftstrasse in Luzern, zwischen Inseli und Ufschötti. Das zur Schätzle Holding gehörende Unternehmen lädt dort den aus dem Vierwaldstättersee gewonnenen und mit Nauen angelieferten Kies auf Bahnwagen um und transportiert ihn weiter zu den Kunden. An diesem Standort hält die Seekag fest, wie Geschäftsführer Stefan Tresch sagt. Zwar hat die Stadt Luzern erst kürzlich ein neues Entwicklungskonzept für das linke Seeufer präsentiert. Eines, das unter anderem mehr Bäume und weniger Parkplätze vorsieht. Doch die Verantwortlichen betonten explizit, dass der Hafen mit seinen ganzen gewerblichen Nutzungen – und dazu zählt auch das Seekag-Areal – erhalten bleiben müsse.

Bypass und Durchgangsbahnhof sind auch Gründe für das Projekt

Laut Tresch ist der Littauerboden denn auch kein Ersatzstandort – falls das Gebiet am See dereinst doch noch gewerbefrei werden sollte –, sondern viel mehr eine Ergänzung. «Die Seekag will künftig Gesamtlösungen im Bereich Beton, Sand und Kies, Aushub und Recycling anbieten», sagt er. «Und ein Teil der anfallenden Aushubmengen in der Region Luzern kann neu mit der Bahn abtransportiert werden.» Ein weiterer Grund für die Realisierung sind die beiden Grossprojekte Autobahn-Bypass Luzern und Durchgangsbahnhof. Diese dürften in den nächsten 15 bis 20 Jahren für viel Aushub und einen grossen Bedarf an Baustoffen sorgen.

Bestehendes Industriegleis muss um 145 Meter verlängert werden

Der Littauerboden ist gemäss Tresch der einzige Standort im Norden der Stadt Luzern, der für eine solche Anlage in Frage kommt. Zum einen befindet er sich bereits in einer Arbeitszone, zum anderen sei insbesondere der Bahnanschluss von grosser Bedeutung. Hierfür muss das bestehende Industriegleis der Swiss Steel lediglich um 145 Meter verlängert werden. Dem Stahlkonzern gehört auch das Land, auf dem der Umschlagplatz geplant ist. Seekag wird es lediglich pachten.

Dass der Umschlagplatz für zusätzlich Lärm und Lastwagenverkehr sorgt, ist Tresch klar. Doch er betont:

«Der Anteil der Bahn an unserem Verkehrsaufkommen im Littauerboden wird rund 50 bis 60 Prozent betragen und am Standort Luzern verursachen wir sogar überhaupt keinen motorisierten Verkehr, weil alles über Bahn und Schiffe abgewickelt wird.»

Auf dem Umschlagplatz entstehen zwei bis drei zusätzliche Arbeitsplätze. Stefan Tresch rechnet mit einer Bauzeit von rund vier Monaten bis zur Betriebsaufnahme. Das Baubewilligungsverfahren läuft noch.

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