Nora Baumgartner
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«Wir sind dankbar für den enormen menschlichen Einsatz aller Beteiligten während 112 Jahren», so Ruedi Leuppi. Er war Präsident des Vereins für Kranken- und Wochenpflege im Kanton Zug (VKWZ) von 1996 bis 2022.
Die Auflösung des VKWZ erfolgte am 28. Juni. Gemäss der aktuellen Medienmitteilung ist die Beendigung ein logischer Schritt. Der VKWZ konnte seine Aufgaben an die von ihm gegründeten Institutionen übergeben. Dazu gehören die Stiftung Maihof, die Stiftung Liebfrauenhof, die Herberge für Frauen und die Gemeinschaft der Liebfrauenschwestern. Ruedi Leupi meint:
«Wir schauen mit Dankbarkeit zurück und sind nur wenig traurig über die neu geschaffene Situation»
Mehrere soziale Institutionen sind durch den VKWZ entstanden
Der VKWZ war 1910 gegründet worden, um Pflegerinnen für Kranke und Wöchnerinnen zu vermitteln. Als Wöchnerin bezeichnet man eine Frau während den ersten sechs bis acht Wochen nach einer Geburt. Zum Gründerteam gehörten Josephine Keiser, Carl Müller und Rosa Hotz. Im Laufe der Jahre entstanden aus dem VKWZ mehrere Institutionen:
- Klink Liebfrauenhof (1924 bis 1998)
- Schule für Kinderkrankenpflege, Wochen- und Säuglingspflege Liebfrauenhof (1923 bis 1996)
- Gemeinschaft der Liebfrauenschwestern (seit 1926)
- Stiftung Liebfrauenhof Zug (seit 1978)
- Stiftung Maihof Zug (seit 1981)
- Herberge für Frauen Zug (Frauenhaus Zug, seit 1995)
Allererste Pflegeschule im Kanton Zug
Die ersten Kurse in Wochenbett- und Säuglingspflege führte der VKWZ 1923 durch. Daraus entstand die erste Pflegeschule im Kanton Zug. 1924 eröffnete der VKWZ in Zug das Kurhaus Liebfrauenhof inklusive eines Kinderheims. Ab diesem Zeitpunkt wurde auch die Schule dort weitergeführt.
Aus dem Kreis der Pflegerinnen wurde 1926 der «Schwesternbund Unserer Lieben Frau» - heute Gemeinschaft der Liebfrauenschwestern - gegründet. Die Klink wurde nach einem Ausbau 1937 als Akutspital eröffnet und erarbeitete sich einen hervorragenden Ruf.
Im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts verzeichnete das Zuger Spitalwesen Überkapazitäten und Defizite, so auch die Klinik Liebfrauenhof. Dort wurden viele Liebfrauenschwestern pensioniert und die Zahl des freien Pflegepersonals, das teurer war, nahm zu. Zudem sanken die Patientenzahlen. Diese Herausforderungen waren mit ein Grund, warum der VKWZ die Klink an die Stiftung Liebfrauenhof Zug übergab. Diese wurde 1978 gegründet und übernahm die Trägerschaft für das Spital und die Schule.
1996 schloss sich die Schwesternschule Liebfrauenhof mit der Schule für allgemeine Krankenpflege des Zuger Kantonsspitals zusammen. Über Jahrzehnte waren zahlreiche Kinderkrankenschwestern an dieser Pflegeschule ausgebildet worden. Die Schliessung der Pflegeschule 1996 und der Klinik Liebfrauenhof im Jahre 1998 habe beim Lehrpersonal, dem Pflegeteam und den Belegärzten viele Tränen verursacht, so Ruedi Leuppi.
Plätze für Menschen mit Beeinträchtigungen und für Frauen in Not
1981 gründete der VKWZ die Stiftung Maihof Zug. Diese eröffnete 1989 das Haus Maihof für Menschen mit Beeinträchtigungen. Die Stiftung betreibt mittlerweile insgesamt vier solche Häuser im Kanton Zug mit Platz für rund 90 Personen.
Seit 1995 bietet die Herberge für Frauen für Frauen, die sich in einer Notsituation befinden, betreutes Wohnen für maximal sechs Monate an. Sie verfügt über acht möblierte Zimmer, welche je nach Bedarf mit Kinderbetten ausgestattet werden können. Die Herberge wurde durch die Gemeinschaft der Liebfrauenschwestern ins Leben gerufen und besteht heute aus insgesamt neun Schwestern. Seit 2010 hat die Stiftung Liebfrauenhof die Trägschaft inne.
Das Erbe lebt in den gegründeten Organisationen weiter
Der VKWZ hat seit der Gründung im Jahre 1910 die Gesundheitsversorgung im Kanton Zug und weiter entwickelt. So wurde die jetzige Bundesrätin Sommaruga in der Klinik Liebfrauenhof geboren.
Die Generalversammlung des Vereins für Kranken- und Wochenpflege im Kanton Zug fand am Dienstagmorgen des 28. Juni statt. Danach folgte eine Feier in der Kapelle der Gemeinschaft der Liebfrauenschwestern. «Das Erbe des VKWZ lebt in den vom ihm gegründeten Organisationen weiter», sagte der langjährige Präsident Ruedi Leuppi.
Die Geschichte des VKWZ in Bildern
Mehr zur Geschichte des VKWZ gibt es im Buch «Für Gott und die Caritas. Zur Geschichte des Vereins für Kranken- und Wochenpflege im Kanton Zug und der Gemeinschaft der Liebfrauenschwestern» von Albert Müller, Zug, 2005. Es kann bezogen werden bei der Stiftung Liebfrauenhof unter www.liebfrauenhof.ch




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