Die Kisten sind gepackt, Mikrofone verstaut, letzte Blicke durch leere Studios. Nach über 40 Jahren in Rotkreuz heisst es für Sunshine Radio, Radio Central und Radio Eviva: Neustart in Luzern, im Maihof, wo bereits Radio Pilatus zu Hause ist. Passend dazu lief in der letzten Sendung aus dem alten Studio ‹Time to Say Goodbye› – ein Abschied mit Wehmut, aber vor allem auch ein Aufbruch voller Chancen.
Rund ein Jahr ist es nun her, dass CH Media den Umzug der drei Radiosender verkündete. Was bei den Teams zunächst durchaus auch etwas Unsicherheit auslöste, entpuppte sich letztlich als grosse Chance, berichtet Roman Spirig, Programmleiter von Sunshine Radio, Radio Central und Radio Eviva. Radio Central ist als eigenständige Tochtergesellschaft im Besitz von CH Media. Die anderen beiden Radiosender gehören zu der CH Regionalmedien AG, wie auch die Luzerner Zeitung. Die Entscheidung zum Umzug von CH Media kam aus wirtschaftlichen Gründen, so Spirig.
Die drei Sender sind alle unterschiedlich: Während Sunshine als das Feelgood-Radio mit dem Slogan «Happy Music, Happy Life» bekannt ist, steht Central für Infotainment-Radio, wo über alles berichtet wird. Eviva wiederum spielt als Musiksender zu 90 Prozent volkstümliche Musik, bringt aber auch Nachrichten.
An dem neuen Standort der drei Sender in Luzern im Medienhaus im Maihof ist auch die Luzerner Zeitung zu Hause sowie die Redaktionen von Radio Pilatus und Tele 1. Rund 40 Radio-Mitarbeitende bilden nun den neuen Radio-Hub Luzern – bestehend aus Radio Pilatus, Radio Central, Sunshine Radio und Radio Eviva.
Ein neues Kapitel
Am Dienstagmorgen war es schliesslich so weit: Die drei Sender gingen zum ersten Mal in den Studios in Luzern «on air». «Es fühlt sich an, wie wenn man das erste Mal fliegt. Wo ist der Sicherheitsgurt?», sagt der Programmleiter. Alles sei neu, erzählt Spirig in einem der neuen Konferenzzimmer, während er auf einem modernen Touchpad die verschiedenen Lichteinstellungen und Airflow-Einstellungen ausprobiert. «Die Kaffeemaschine habe ich schon mal gefunden. Wenn mein Poster von Bob Dylan hängt, dann bin ich angekommen», scherzt der Programmleiter. In den Räumlichkeiten der Radiosender herrscht geschäftiges Treiben und eine ausgelassene Stimmung. Auf den Regalen stehen die letzten Umzugskisten. In den drei Studios leuchtet das rote Licht, das zeigt, dass die Moderatorinnen und Moderatoren «on air» sind.
Für Nadine Wechsler, Moderatorin und Produzentin von Radio Central, war es eine besondere erste Sendung. Alles habe geklappt, berichtet sie lächelnd. Die Technik sei moderner, erzählt die Moderatorin. So erging es auch Dani Steigmeier, Moderator von Sunshine Radio. «Es ist das Gefühl, als würde man ein neues Auto fahren. Man weiss zwar, wie man Auto fährt, aber alles ist neu: die Gänge, die Kupplung. Da kann man das Auto auch mal abwürgen», erzählt der 60-Jährige lachend. Mit dem Abwürgen beschreibt er die kurze Stille während der Morgensendung, als er einen falschen Knopf gedrückt hatte.
Der Moderator freute sich auf den Umzug und das neue Umfeld. «Jeder redet die gleiche Sprache, wir haben die gleichen Sorgen und Probleme.» In Luzern seien noch mehr Leute, die einen inspirieren. Die Sender arbeiten eigenständig, aber immer auch mit der Möglichkeit, zusammenzuarbeiten. Steigmeier freut sich auf den Austausch untereinander. Es fühle sich an wie ein Karrieresprung, erzählt er. Aber nicht nur das neue Umfeld in Luzern begeistert ihn, sondern auch die neuen technischen Möglichkeiten. «Hier merkt man, dass man Radio im Jahr 2025 macht.»
Der gleichen Meinung ist auch der Programmleiter. Der Umzug nach Luzern eröffne neue Perspektiven. Nun hätten sie die technischen Voraussetzungen, ihre Vorstellung von Traumradio zu verwirklichen. Es sei eine «technische Spielwiese»: Man könne alles produzieren, was vorstellbar sei. «Nun gibt es keine Ausreden mehr. Jetzt liegt es an uns.» Nicht nur technisch gibt es jedoch mehr Optionen. Auch personell wächst das Team am neuen Standort um fünf Personen.
Anfängliche Bedenken
Dass der Umzug so viel Positives bringt, war den Mitarbeitenden zunächst nicht sofort präsent. Es gab am Anfang auch Verunsicherung. «Wir stellten uns die Frage: Unter welchen Bedingungen möchten wir das Radio weiterführen?», meint Spirig. Das Team war an das Studio in Rotkreuz gewöhnt, einige arbeiteten dort seit vier Jahrzehnten. Ein Umzug nach Luzern bedeutete für einige auch einen deutlich längeren Arbeitsweg. Spirig ist dankbar für die grosse Unterstützung seitens der Co-Redaktionsleiter und Co-Moderationsleiter – sie seien das Thema mit ihren Teams professionell angegangen.
Auch wenn das Team zuerst mit der Entscheidung haderte – als die Rahmenbedingungen geklärt waren, entschieden sie sich, das Radio gemeinsam weiterzuführen. Dieser Entscheid sei ein teambildender Moment gewesen, der das Team enger zusammenrücken liess, meint Spirig. «Wir schaffen das zusammen», zitiert er seine Worte von damals. Das Team habe die Chance erkannt, die sich auftat.
Anfangs sei der Umzug «enorm fordernd» gewesen, erzählt Spirig. Mit dem Umzug gingen nämlich einige Herausforderungen einher, die es zu meistern gab. «Als Führungsperson muss man funktionieren», erzählt Spirig. Neben dem Mindset des Teams und einer optimalen Unterstützung des Personals sei es herausfordernd gewesen, den Workflow der drei Sender aufrecht zu erhalten. Aber auch das Timing und die Organisation waren eine Hürde – wann kann der letzte Arbeitsplatz so geräumt werden, dass ein reibungsloser Ablauf gewährleistet ist?
Nun, da der Umzug vollzogen ist, haben die Radiosender am Standort Luzern grosse Pläne für ihr Publikum in den Zentralschweizer Kantonen sowie Glarus, sagt Spirig weiter: «Jetzt wollen wir mit noch mehr Power für alle unsere Regionen berichten.»






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