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Kommentar

Die «Seesicht» ist unbezahlbar

Die Bewilligung für das geniale Kunstwerk «Seesicht» am Zugersee läuft bald ab. Zum Glück gibt es vom Kunsthaus, vom Künstler und von der Stadtverwaltung positive Signale, dass es bleiben kann.

Zug besitzt viele Kunstwerke im öffentlichen Raum, drei davon werden täglich von Tausenden Menschen benutzt: der Brunnen vor dem Bahnhof des Künstlerpaars Kabakov. Die Holzstege, etwa beim Brüggli, von Tadashi Kawamata. Die «Seesicht» von Roman Signer im See. Alle diese Werke sind begeh- und benutzbar: Aus dem Brunnen kann man trinken, auf dem Holzsteg faulenzen oder picknicken und in der «Seesicht» runter zu den Fischen steigen. Alle drei Werke müssen nicht einmal bewusst als Kunst wahrgenommen werden, um sie zu geniessen. Genial.

Nun ist die Zukunft der grossen «Seesicht» ungewiss. Sie wurde Ende Mai 2015 eingeweiht, mit einer befristeten Bewilligung für zehn Jahre –die läuft also bald ab. Eine neue ist nicht erteilt. Argumente, die für einen Verbleib sprechen, gibt es viele: Kinder, Familien, Touristen, Passantinnen erfreuen sich am simplen Erlebnis, den Seegrund zu erkunden; wo sonst gibt es etwas Vergleichbares? Man taucht ab in eine Oase der Stille, die Hektik bleibt oben. Die «Seesicht» ist auch Denkmal für die Vorstadtkatastrophe oder lesbar als Gesellschaftskritik, in dem Seesicht eine neue Perspektive erhält und demokratisiert wird.

Dieser formvollendete, in sich ruhende Stahlkörper gehört zu Zug wie der Zytturm. Auch der Stadtrat würdigt das Werk, er will es «für immer» bewahren. Doch noch wartet Bürokratie. Daran und am Geld darf es nicht scheitern, der Unterhalt kostet bloss einige tausend Franken pro Jahr – die Freude an der «Seesicht» hingegen: unbezahlbar.

Visualisierung des Kunstwerks (Bild: PD)/>
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