Das freudige Erstaunen war gross, denn mit ungefähr 70 Personen war der Saal im Pfarreizentrum Lungern am frostigen Donnerstagabend über Erwarten gut gefüllt. Sehr erfreulich war auch, dass etwa die Hälfte der Anwesenden aus jungen Erwachsene bestand, an die sich der Vortrag über psychische Gesundheit besonders richtete. Marisa Gasser, die in der Jugendkommission des Dorfs mitarbeitet, hatte die Idee für den Anlass und führte die gute Präsenz unter anderem auf die intensive Werbung zurück.
Mit Sandra Widmer konnte eine bekannte Fachfrau gewonnen werden, die als eidgenössisch anerkannte Psychotherapeutin in Sarnen eine Praxis für Psychotherapie und Supervision betreibt. Mit ihrer frischen, eloquenten Art gelang es der Rednerin ausgezeichnet, den Anwesenden das komplexe Thema zu erklären.
Ursachenforschung und Umsetzung im Alltag
Sandra Widmer gliederte den Vortrag in die fünf Kapitel «Was kennzeichnet das Jugendalter?», «Wie geht es Jugendlichen heute?», «Stress und Folgen von Dauerstress», «Suizidalität im Jugendalter» und «Was ist hilfreich im Umgang mit Jugendlichen, was wirkt unterstützend?». Zuerst erklärte Widmer aus wissenschaftlicher Sicht, warum Kinder und Jugendliche bis zum Erreichen des Erwachsenenalters immer wieder herausfordernde Phasen durchmachen, die unter anderem auf neurobiologische Veränderungen im Gehirn zurückzuführen sind. Stichworte sind der noch nicht ausgereifte präfrontale Kortex und die Veränderungen im limbischen System. Das Wissen um den Einfluss dieser Faktoren erhöht bei Erwachsenen das Verständnis für die Pubertät, die oft als anstrengend erlebt wird.
Anschliessend lag der Fokus bei den Jugendlichen und ihren Problemen. Stress ist eines der Wörter, die in der heutigen Gesellschaft wohl am meisten verwendet werden. Davon sind natürlich auch die Jugendlichen betroffen. Studien zeigen, dass die Schule oder die Ausbildung, Konflikte im Familien- und Freundeskreis und die zeitraubende Benützung des Handys zu den stärksten Stressfaktoren gehören. Bei der Bewältigung von Schwierigkeiten ist die Stress-Balance, das heisst das Gleichgewicht zwischen den Anforderungen und den Kapazitäten, diese zu bestehen, von entscheidender Bedeutung.
Besonders gefährlich ist der Dauerstress, weil der Körper pausenlos Cortisol ausschüttet und es so zur Erhöhung des Stresshormons kommt. Dieser Zustand kann zu körperlichen Beschwerden führen und im Extremfall sogar die Suizidgefahr erhöhen. Sandra Widmer zitierte Zahlen, welche unsere Zeitung veröffentlich hatte, wonach in Obwalden jeder fünfte Achtklässler einmal an Suizid gedacht habe. In solchen Momenten ist es wichtig Ruhe zu bewahren, aufmerksam zuzuhören und gute Lösungsvorschläge zu machen.
Zu den vielsprechenden Massnahmen gehört auch der behutsame Übergang zur Selbstverantwortlichkeit. Wenn es gelingt die Aufmerksamkeit auf Positives und Machbares zu lenken, kann das Selbstwertgefühl gestärkt werden. Eine gesunde Ernährung und genügend Schlaf können ebenfalls eine wichtige Rolle für das Wohlbefinden spielen, auch wenn solche Ideen bei den Jugendlichen häufig ein No-Go ist.
Notfallkontakte und wichtige Adressen
Die Jugendkommission Lungern machte sich die Mühe, ein Merkblatt mit wichtigen Telefonnummern und Adressen für den Notfall zusammenzustellen. Diese Informationen liegen schriftlich vor, sie können gescannt oder unter www.lungern.ch/aemter/34927(Publikationen) abgerufen werden. Zum Schluss bat die Gemeinderätin Sandra Schallberger die Anwesenden, ihre Meinung zum Vortrag per QR-Code mitzuteilen.


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