Mit dem Ende der Fasnacht hat am Aschermittwoch die Fastenzeit begonnen: Im christlichen Kontext dient sie der inneren Einkehr, Busse und der Vorbereitung auf Ostern. Sie symbolisiert die Zeit, die Jesus fastend in der Wüste verbracht hat. Für das Fasten gab es früher aber auch einen profanen Grund: «Gegen Ende des Winters wurden die Vorräte knapp», sagt Meinrad Furrer, Leiter des Teams der Peterskapelle der Katholischen Kirche Stadt Luzern. «Heute haben diese traditionellen Bedeutungen stark an Gewicht verloren oder sind ganz verschwunden.»
Dennoch ist Furrer überzeugt, dass ein Innehalten oder eine Einkehr den Menschen guttäte. «Die zyklische Unterteilung des Jahres, die Wechsel zwischen Feiern und Loslassen oder Verzicht haben den Menschen Halt gegeben und waren wichtig für die körperliche und seelische Gesundheit.» Es sei zwar richtig, dass die Religion oder der Staat diesbezüglich keine fixen Vorschriften mehr machen. «Doch vielen Menschen fehlt eine gewisse Orientierung.» Zur Kirche hätten viele eine Hemmschwelle aufgebaut.
Gemeinsame Aktion der Kirchgemeinden
Diese Hemmschwelle versuchen die Reformierte, Katholische und Christkatholische Kirchgemeinde Luzern mit einer gemeinsamen Sensibilisierungskampagne während der Fastenzeit abzubauen. «Wir wollen damit eine Brücke zwischen religiöser und säkularer Bedeutung des Fastens schlagen», sagt Furrer. Unter dem Motto «wirklich wesentlich wenig» finden bis Ostern diverse Anlässe statt: zum Beispiel der «Preacherslam», bei dem drei Predigende mit religiösem Hintergrund gegen drei Slam-Poetinnen beziehungsweise -Poeten mit Texten zum Thema «wesentlich wenig» antreten, ein Workshop zu digitalem Minimalismus, Gottesdienste, ein Theater oder eine meditative Reise.
In der Peterskapelle kann man zudem eine Labyrinth-Installation begehen. Die Besuchenden nehmen anfangs einen Stein, der etwas Belastendes symbolisiert. In der Mitte des Labyrinths legt man diesen ab und entzündet eine Kerze, die für Hoffnung oder neue Kraft steht. Am Ende kann man in einer Sandschale eine Botschaft schreiben oder zeichnen.
«Das Kernmotto der Kampagne ist: Was bleibt, wenn Unwesentliches oder Belastendes wegfällt? Wie kann ich durch Reduktion zum Wesentlichen finden?», erklärt Furrer. Besonders in der aktuellen Zeit mit den vielen schlechten Nachrichten aus aller Welt könnten entsprechende Ideen hilfreich sein. «Wobei wir keine fertigen Rezepte liefern können, sondern Fragen aufwerfen wollen.» Es gebe viele mögliche Formen der Reduktion oder des Verzichts.
Neue Trends ersetzen religiöses Fasten
Verzicht und Fasten sind natürlich nicht völlig aus dem Leben des modernen Menschen verschwunden. Es gibt zahlreiche Trends in diese Richtung, die aber nicht mehr direkt mit der Fastenzeit zusammenhängen: zum Beispiel Digital Detox (Verzicht auf digitale Medien), Intervallfasten, Dry January beziehungsweise Veganuary (Verzicht auf Alkohol beziehungsweise Nahrung tierischen Ursprungs im Januar).
«Das ist durchaus begrüssenswert», sagt Furrer. So zeigen wissenschaftliche Studien etwa, dass Fasten einen positiven Effekt auf die Gesundheit hat. «Doch oft sind solche Trends mit Optimierung und einem sozialen Druck verbunden: Man will abnehmen, gesünder, besser leben. Das kann auch zu Ermüdung führen. Wir wollen der seelischen Erholung ebenfalls Raum geben.» Dazu gehöre unter anderem, Räume zu bieten, in denen die Menschen zusammenkommen und sich austauschen zu können – und so ein kleines Gegengewicht zur Vereinsamung in der Gesellschaft zu schaffen.
Weitere Infos zu den Anlässen: www.wirklichwesentlichwenig.ch


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