Roger Rüegger
Mit dem Bier ist es so eine Sache. Manche behaupten, dass ihnen vom Lagerbier der Grossbrauerei der Schädel brummt und sie deshalb auf das Gebräu von Kleinbrauereien setzen. Inzwischen gibt es deren viele, mancherorts gar mehrere. Natürlich treffen auch die kleineren Bierproduzenten nicht jeden Geschmack. So hat etwa unlängst ein junger Mann während eines EM-Spiels in Sursee erzählt, dass ihm das heimische Bier der einen Brauerei besser schmecke, die andere jedoch die bessere Marketingschiene fahre, weshalb er beide Säfte gerne trinke.
Der durstige Bursche muss sich bald nicht mehr entscheiden. Denn in Sursee tut sich was. Die Brauereien Soorser Bier und Braustation, beide sind 2015 praktisch zeitgleich auf der Bierlandkarte erschienen, spannen zusammen. Die Betriebe sind Mitglieder des Vereins Gewerbe Region Sursee, der dieses Jahr sein 125-jähriges Bestehen feiert. Und weil der Verein nicht nur vom Alter her ein etablierter ist, sondern mit 351 Mitgliedern auch ein grosser, genauer der zweitgrösste des Kantons Luzern, soll das Jubiläumsjahr ein besonderes werden.
Mehr als ein Bier – ein Statement
Anlässlich des bevorstehenden Jubiläumsjahres hatte Vereinspräsident Patrik Bräuchi die Idee, ein dem Anlass würdiges Bier zu lancieren. Es liegt auf der Hand, dass nun die beiden Brauereien ins Spiel kommen. Bräuchi musste die Geschäftsführer der Unternehmen, Andy Stöckli (Braustation) und Kevin Affentranger (Soorser Bier), nicht lange von seiner Idee überzeugen. Im Gegenteil, Stöckli und Affentranger haben im letzten Jahr hautnah erlebt, wie hart das Überleben in dieser Branche ist, und sagten sofort zu. Die Männer setzten sich mit ihren Braumeistern zusammen, sodass die Bierexperten nun gemeinsam ein Bier brauen werden.
Der Name ist an den Gansabhauet angelehnt. Auf der Etikette wird anstelle einer Gans eine Bierflasche geköpft. Das Rad wird mit der Produktion des gemeinsamen Bieres, das unter dem Namen «Gans verreckt» herausgegeben wird, nicht neu erfunden. «Wir haben besprochen, in welche Richtung es gehen soll und haben uns für ein einfaches, ungefiltertes und unpasteurisiertes Lagerbier entschieden», erklärt Andy Stöckli das Produkt. Viel bemerkenswerter als das Bier selber ist in seinen Augen, dass zwei Betreiber aus derselben Branche sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gemeinsam etwas auf die Beine stellen, anstatt sich zu konkurrenzieren. «Das ‹Gans verreckt› ist nicht nur ein Bier, sondern auch ein Statement.»
Ab September in den Gläsern
Patrik Bräuchi freut sich, dass die Zusammenarbeit der beiden Vereinsmitglieder derart unkompliziert und rasch vonstattengeht: «Das ist ein Vorzeigeprojekt. Es ist zu hoffen, dass sich auch andere Branchen in der Region gegenseitig in einer ähnlichen Art und Weise unterstützen.»
Bier ist immer auch eine emotionale Angelegenheit. Und natürlich haben etliche Leute auf die Ankündigung des neuen gemeinsamen Produkts aus Sursee reagiert. «Die Feedbacks sind durchaus positiv ausgefallen. Unsere Zusammenarbeit wird offenbar geschätzt», sagt Kevin Affentranger. Auch in den sozialen Medien äusserten sich diverse Personen auf die Ankündigung, dass sich in Sursee was zusammenbraut. So kommentiert ein Instagram-Benutzer kurz und knapp: «Gans geil!»
Das Lagerbier «Gans verreckt» wird erstmals am 3. September zum Eventstart des Jubiläumsjahres von Gewerbe Region Sursee ausgeschenkt. Der Gewerbeverein wird im Vereinsjahr mehr als ein Dutzend Events und Aktionen veranstalten. «Wir besuchen mit unserem Bar-Container an drei Abenden Quartiere in Sursee und werden dort einen Blick hinter die Kulissen der ansässigen Betriebe werfen. Das Jubiläumsjahr schliessen wir im Juni auf dem Martignyplatz mit dem Beach-Event ab», gibt er einige Beispiele.
Dann wird voraussichtlich auch das letzte «Gans verreckt» gezapft. Die Brauereien werden wie bis anhin weiterhin ihre eigenen Biere brauen und eigenständig bleiben.

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