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Luzern

Die Arbeitszone Höndlen soll wieder ausgezont werden – jetzt spricht der betroffene Lohnunternehmer

Was das Stimmvolk vor gut sieben Jahren bewilligt hat, wollen Kanton und Gemeinde rückgängig machen. Damit geht ein jahrelanger Streit in die nächste Runde. Für die Thomas Estermann AG geht es um die Existenz.
Eschenbach will die Arbeitszone Höndlen wieder auszonen – mit Folgen für Lohnunternehmer und Landwirt Thomas Estermann. (Bild: Boris Bürgisser (Eschenbach, 7. Februar 2021))
Der Gemeinderat will rund die Hälfte der Arbeitszone Höndlen in die Landwirtschaftszone zurückzonen (grün) und den Schlachtviehmarkt (rot) einer Sonderbauzone zuweisen. Damit könnte das benachbarte Lohnunternehmen (Höndlenhof) nicht auf die andere Strassenseite zügeln. (Quelle: Gemeinde Eschenbach)
Der Höndlenhof: links der Bauernbetrieb, rechts die Thomas Estermann AG. Dort verlangt der Kanton einschneidende Rückbauten und Rekultivierungen.  (Quelle: Gemeinde Eschenbach)

Reto Bieri

Reto Bieri

Reto Bieri

Kürzlich hat die Gemeinde Eschenbach vermeldet, dass sie eine Arbeitszone im Gebiet Höndlen in die Landwirtschaftszone auszonen will (wir berichteten). Das liess aufhorchen, denn das Eschenbacher Stimmvolk hat die Arbeitszone nur gut sieben Jahre zuvor bewilligt. Dies in der Absicht, dem dort ansässigen Lohnunternehmen zu ermöglichen, in ein zonenkonformes Areal zu zügeln. Doch dazu kommt es vorerst nicht.

Eine Hauptfigur in diesem langjährigen Hickhack ist Thomas Estermann. Dem Landwirt und Unternehmer gehört der Höndlenhof sowie die Mehrheit an der Thomas Estermann AG, die er mit zwei Teilhabern im Jahr 2000 gegründet hat. Der Hof, den Estermann und sein Sohn Benedikt bewirtschaften, sowie das Lohnunternehmen, zu dem zwei Scheunen, zwei Bürocontainer sowie mehrere Silos und Schotterplätze gehören, liegen ausgangs Eschenbach an der Kantonsstrasse nach Inwil.

Der 64-jährige Estermann – kurze, graue Haare und grosse Hände, die schwere Arbeit nicht scheuen – sitzt im Bürocontainer. Er fühlt sich ungerecht behandelt, will seine Version der Geschichte erzählen. Die ist kompliziert, reicht Jahre zurück und beginnt 1980, als der umtriebige Landwirt als Lohnunternehmer anfing. Aus dem Einmannbetrieb ist mittlerweile eine AG mit 15 Angestellten und rund 200 Maschinen geworden. Zwischen 600 und 700 Kunden zähle das Unternehmen.

Doch das stetige Wachstum hat Folgen. «Um mit der Konkurrenz mitzuhalten, muss eine Firma wachsen können», so Estermann. Das sei an diesem Standort nicht mehr möglich, da er in der Landwirtschaftszone liegt. Der Kanton habe deshalb eine Entflechtung von Hof und Betrieb gefordert. Dafür habe er Verständnis, zumal sich in der Nähe ein Bach befindet und eine Freihaltezone für eine mögliche Seetaler Umfahrungsstrasse.

Eine Arbeitszone, damit die künftige Entwicklung nicht eingeschränkt wird

Deshalb sei die Idee aufgekommen, das Lohnunternehmen auf die andere, südliche Strassenseite zu zügeln und dort eine grosse Halle zu bauen. Dazu war eine Umzonung nötig. Auf Anraten des damaligen Gemeindeammanns habe man keine Sonderbauzone, sondern eine Arbeits- und Gewerbezone beantragt, damit die Firma in ihrer künftigen Entwicklung nicht eingeschränkt wird. Die Thomas Estermann AG ist breit aufgestellt und leistet nicht nur Maschinendienste. Sie kümmert sich zum Beispiel im Auftrag von mehreren Bauern um Lagerung, Aufbereitung und Transport von Silofutter.

Im Juni 2013 bewilligte das Eschenbacher Stimmvolk die Umzonung der rund eineinhalb Fussballfelder grossen Fläche in eine Arbeitszone. Die Freude währte bei Estermann nur kurz, denn es stellte sich heraus: Die eingezonte Fläche befand sich im regionalen Richtplan ausserhalb der Siedlungsbegrenzungslinie. Der Kanton taxierte die Umzonung deshalb als nicht genehmigungsfähig. Zwar wurde die Begrenzungslinie später korrigiert, doch spätestens da war der Wurm drin.

Schlachtviehmarkt wird im Eiltempo bewilligt

Da sich das Verfahren in die Länge zog, habe er sich überlegt, wie er bei den Behörden Goodwill für seine neue Halle schaffen kann. Estermann wurde auf den Schlachtviehmarkt aufmerksam, der aus Sursee wegziehen musste. Der Zentralschweizer Viehhändlerverband und der Luzerner Bauernverband waren froh, als sich ihnen in Eschenbach eine Lösung anbot.

Die nötige Baubewilligung wurde im Rekordtempo erteilt. Der Markt findet seit November 2016 jeweils am Dienstagmorgen statt. Den rund 5000 Quadratmeter grossen Betonplatz sowie die vom Kanton geforderte Einfahrt und eine Abzweigspur auf der Kantonsstrasse musste Estermann selber berappen. Insgesamt knapp eine Million Franken habe er investiert.

Baugesuch für Tankstelle löst «Explosion» aus

Im Juli 2017 reichte Estermann schliesslich das Baugesuch für eine 57 Meter lange, 30 Meter breite und 12,5 Meter hohe Halle gleich neben dem Betonplatz ein. Geschätzte Kosten: mehrere Millionen Franken. Es sah gut aus, Einsprachen gingen keine ein.

Doch dann folgte im September «eine Explosion», wie Estermann es nennt. Auslöser war ein Baugesuch auf einer kleineren Parzelle in besagter Arbeitszone: eine Coop-Tankstelle mit Shop. Die Idee dazu stammt von Estermann. Grund: «Um konkurrenzfähig zu bleiben, muss ich die Investitionen in den Viehmarktplatz und die neue Halle querfinanzieren.» Tankstelle und Shop hätte die Thomas Estermann AG im Franchising von Coop selber betrieben.

Heller: «Die Arbeitszone wurde ohne zusätzliche Auflagen bewilligt»

Doch die Pläne kamen in Eschenbach nicht gut an. Hauptgrund ist, dass sich in unmittelbarer Nähe zwei Tankstellen mit Shop befanden (aktuell ist es noch eine). Drei seien zu viel, äusserten sich Politiker damals in den Medien. Wie ihnen zugetragen wurde, sei seitens der Tankstellenbetreiber Druck auf die Behörden ausgeübt worden, sagen Thomas Estermann wie auch Stefan Heller. Der Geschäftsführer des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbands steht Estermann beratend zur Seite. Heller sagt:

«Es ist ein Hohn, wenn man plötzlich sagt, einen Tankstellenshop darf man dort nicht bauen. Denn die vom Stimmvolk genehmigte Arbeitszone wurde ohne zusätzliche Auflagen vom Kanton bewilligt.»

Doch es half nichts, Anfang 2018 verfügte die Gemeinde eine Planungszone. Damit wurde Estermanns Baugesuch sistiert. Im Nachhinein sei die Tankstelle wohl ein Fehler gewesen, zeigt sich Estermann selbstkritisch. «Ich habe es in guter Absicht getan, um die Lohnunternehmung mit einem zusätzlichen Standbein abzusichern. Zudem wären zehn Arbeitsplätze entstanden.» Estermann hat die Tankstellenpläne vor einem Jahr beerdigt. Stattdessen will er auf der Parzelle künftig Zuckerrübenschnitzel lagern und eine Lagerhalle realisieren.

Mehr als die Hälfte muss Estermann renaturieren

Ob das Lohnunternehmen auf die andere Strassenseite zügeln kann, ist nun aber völlig ungewiss. «Falls nicht, ist der Fortbestand des Unternehmens in Frage gestellt», sagt Stefan Heller. In der Zwischenzeit verlangten die Behörden von Estermann, dass die Firma am bestehenden Standort Rückbauten tätigen muss. Rund 5000 Quadratmeter Fläche soll rekultiviert werden. Das ist mehr als die Hälfte des Betriebs. Das ärgert Estermann besonders, denn laut einer schriftlichen Vereinbarung mit den Behörden aus dem Jahr 2014 müsse er weit weniger rückbauen und renaturieren.

Aufgrund des laufenden Verfahrens nimmt das kantonale Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement zu den Fragen dieser Zeitung keine Stellung. Auch der Eschenbacher Gemeindeammann Markus Kronenberg will sich aus dem gleichen Grund nicht detailliert äussern. Er sagt nur, dass man Thomas Estermann aus Sicht der Gemeinde grosszügig entgegengekommen sei, einem Kompromiss habe dieser aber nicht zugestimmt. Estermann sagt, er werde gegen die geplante Auszonung Einsprache einlegen.

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