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Der Silener Schreiner Anton Gerig richtet Verstorbene für ihre letzte Reise her

In ihrer Schreinerei im Buchholz kleiden Anton Gerig und seine Familie die toten Personen nach den Wünschen der Angehörigen ein und legen sie in den Sarg. Der Bestatter spricht über seinen Job.
Margrith und Anton Gerig machen in ihrer Schreinerei einen Sarg für eine verstorbene Person bereit. (Bild: Paul Gwerder (22. Juli 2020))

Paul Gwerder

Im Jahr 1984 gründeten Anton und Margrith Gerig ihre Schreinerei im Buchholz in Silenen. Da sich das Auftragsvolumen stetig steigerte, konnte im Jahr 1988 der Neubau der Schreinerei in Amsteg realisiert werden. Heute arbeiten elf Mitarbeitende in der Firma, darunter zwei Lernende. Nebst dem Anfertigen von Möbel-Einzelstücken im Kundenauftrag, realisiert die Firma Neu- und Umbauten und ist insbesondere ein Spezialist bei der Anfertigung von Türen geworden – ganz nach dem Motto «Holz ist unser Stolz».

Anton Gerig ist seit rund 30 Jahren auch als einfühlsamer Bestatter in Silenen und der weiteren Umgebung tätig. «Sobald ich von einem Angehörigen einer verstorbenen Person angerufen werde ist es für mich wichtig, dass zuerst ein Arzt die ärztliche Todes-Bescheinigung ausgestellt hat. Es muss geklärt werden, ob die Person verunfallte oder eines natürlichen Todes starb», sagt Gerig. Für ihn sei es dann ein grosses Anliegen, dass ich immer den Wunsch der Familienangehörigen berücksichtige und mit den Emotionen der Hinterbliebenen umgehen könne.

Familie geht auf Spezialwünsche ein

Beim Einsargen wird er meistens von seiner Frau oder einem der beiden Söhne, die in der Schreinerei arbeiten, unterstützt.

Meistens wünschen die Angehörigen, dass die Verstorbenen in normalen Kleidern, die sie immer trugen, eingesargt werden. «Manchmal gibt es auch Spezialwünsche, sodass ein Mann zum Beispiel im Hirtenhemd seinen letzten Weg gehen kann.» Oder es sei schon vorgekommen, dass die bekannte Mütze des Toten in den Sarg gelegt werden sollte. «Solche Wünsche erledige ich sehr gerne», so Gerig. Wollen die Angehörigen den Verstorbenen nicht mit eigenen Kleidern anziehen, so gibt es für Frauen und Männer spezielle, weisse Totenhemden.

«Damit die Leichen, welche in der Friedhofskapelle oder im Spital aufgebahrt werden, aussehen, wie man sie kannte, kämme ich diesen noch die Haare und es kann schon vorkommen, dass ich einen Bart noch einigermassen schön zurechtgestutzt habe», erklärt Gerig. Damit das Gesicht so aussieht wie es die Trauernden in Erinnerung haben, sorgt der Bestatter dafür, dass Mund und Augen geschlossen sind. Häufig wird Gerig zum Einsargen in ein Altersheim oder ins Spital gerufen. Dazu sagt er: «Weil es in diesen Gebäuden die bessere Infrastruktur gibt als zu Hause, ist die Arbeit dort jedenfalls einfacher».

Die Angehörigen sollen richtig Abschied nehmen können

Bevor der tote Mensch eingesargt wird und in die Friedhofkapelle kommt, sollen sich, nach Ansicht des Bestatters, die Familienangehörigen vom Verstorbenen in Ruhe verabschieden können. Gerig:

«Das ist absolut wichtig, dass sie genügend Zeit haben, um sich von einer toten Person verabschieden zu können. Denn dies ist etwas, was nicht mehr nachgeholt werden kann.»

Bevor der verstorbene Mensch mit dem Leichenwagen ins Krematorium komme, werde er noch in der Totenkapelle oder im Spital aufgebahrt. «Auf Wunsch der Verwandten sorge ich auch dafür, dass schöne Blumen in den Sarg kommen», erzählt er. Für die Beerdigung stellt er noch ein Grabkreuz mit der entsprechenden Inschrift her, sofern die Urne nicht in ein Gemeinschaftsgrab kommt.

In Amsteg oder Umgebung kommt es häufig vor, dass Anton Gerig sowohl die verstorbene Person, als auch deren Angehörige kennt. «Ich empfinde es als Ehre, wenn ich auch bekannte oder unbekannte Leute einsargen darf, und nicht als Belastung», so Gerig. Weiter findet es der Bestatter wichtig, dass jeder Mensch ein Anrecht hat, dass er anständig beerdigt wird und dies – ob reich oder arm.

Bestattung hat sich in den letzten 30 Jahren stark geändert

In den letzten 30 Jahren habe sich die Bestattung stark geändert, denn damals seien die meisten noch Menschen erdbestattet worden, weiss Gerig. Und der grosse Unterschied bestand darin, dass die Leichen damals nur mit den speziellen Totenhemden angezogen werden durften, damit diese später im Boden auch gut vermoderten. «Ich gehe bei jedem Todesfall immer mit einem gewissen Respekt und einer Achtung gegenüber den verstorbenen Menschen um, und bin dabei auch stets anständig gekleidet», so Gerig.

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