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Luzern

«Der Samichlaus ist nicht vor Krankheiten sicher» – aber er ist nicht untätig und weicht auf Briefe, E-Mail oder Videobotschaften aus

In vielen Luzerner Kinderstuben bleibt es am 6. Dezember dieses Jahres wohl ruhig. 17 Chlausgruppen in der Stadt und Region Luzern sagen wegen Corona ihre Aus- und Einzüge sowie Familienbesuche ab. Die Verantwortlichen und der Kantonsarzt nehmen Stellung.
Noch offen, ob er dieses Jahr stattfindet: Der grosse Samichlausumzug in Kriens steht wegen Corona auf der Kippe.  (Bild: Jakob Ineichen (Kriens, 8. Dezember 2019))

David von Moos und Pablo Mathis

Es ist ein spezielles Jahr, auch für den Samichlaus. Die Coronapandemie verschont die Aktivitäten und Traditionen rund um den 6. Dezember nicht. 17 Chlausgruppierungen aus der Stadt und Region Luzern teilten am Freitagmorgen mit, auf Ein- und Auszüge sowie Familienbesuche grösstenteils zu verzichten.

«Es ist jetzt halt leider so, dass der Samichlaus aus Sicherheitsgründen dieses Jahr keine persönlichen Kontakte haben kann und sich etwas zurücknehmen muss. Schliesslich ist ja auch der Samichlaus nicht vor Krankheiten sicher,» sagt Freddy Duss, Präsident der Chlausengesellschaft Ebikon und Initiant der gemeinsamen Absprache der regionalen Samichlausvereinigungen.

Samichlaus mal anders

Ganz auf den alten Mann mit Bart verzichten muss aber niemand. Manchenorts sind Alternativen in Planung. Wer wolle, könne mit dem Samichlaus aber auf dem schriftlichen Weg in Kontakt treten, betont Duss. «Der Samichlaus verschläft die Saison also nicht, er bleibt per Post und E-Mail erreichbar. Etwa beantwortet er Briefe, schickt ein Gedicht, ein Rezept für einen Grittibänz oder für die Kinder etwas zum Ausmalen.» Der Samichlaus und sein Gefolge würden sich alle Mühe geben, um mit den Leuten trotzdem in Kontakt zu bleiben.

In Horw, Reussbühl, Littau und Teilen der Stadt Luzern (Hof, Maihof, Wäsmeli) soll sich der Samichlaus Anfang Dezember per Video melden. «Auf unserer Website werden wir am Samichlaustag eine Videobotschaft für Erwachsene und Kinder aufschalten», so Franz Baumeler von der St. Nikolausgesellschaft Littau. «In dieser Aufzeichnung wird sich der Samichlaus einerseits mit einer Botschaft und mit einem Grusswort an die Bevölkerung wenden, und zwar zu einem Thema, das zum 6. Dezember passt. Andererseits wird der Samichlaus eine Geschichte für die Kinder erzählen.»

Wer nebst dem Samichlaus auch zu sehen sein wird, ist laut Baumeler noch offen. «Wenn mit Gefolge, dann sicher ganz im kleinen Rahmen und natürlich unter Einhaltung der Schutzmassnahmen.» Eine Maske werde der Samichlaus aber sicher nicht tragen. «Das war ein Thema, das wir natürlich diskutiert haben, aber es kam für uns nicht in Frage, den Samichlaus mit Maske auftreten zu lassen.»

Die Pfarrei St. Johannes Würzenbach/Büttenen in Luzern hat ein besonderes Konzept entwickelt. Pfarreileiter Herbert Gut sagt:

«Wir drehen den Spiess um. Dieses Jahr kommen bei uns die Familien zum Samichlaus statt umgekehrt».

Im Quartier wurden mehrere geeignete Orte im öffentlichen oder privaten Aussenraum organisiert, an denen die Besuche in familiärem Rahmen stattfinden können. Dafür wurde ein besonderes Schutzkonzept entwickelt, in ehrenamtlicher Zusammenarbeit mit «Mr. Corona» Daniel Koch persönlich, dem ehemaligen Leiter des Bundesamts für Gesundheit.

Keine Probleme für Trychler

In zwei Gemeinden sind laut Freddy Duss von der Chlausengesellschaft Ebikon auch dieses Jahr Kindergartenbesuche geplant. In Ebikon spreche man mit den Schulbehörden seit eh und je einen bestimmten Tag ab, an dem Kindergärtler den Samichlaus mit seinem Gefolge im Wald in seiner Hütte besuchen können. In Buchrain ziehe der Samichlaus in der Regel von seiner Hütte ins Dorf, dieses Jahr aber müsse das Dorf zum Samichlaus in den Wald. «Diese Besuche finden sinngemäss im Freien statt, sind also unproblematisch.» Für beide Anlässe gelte der Sicherheitsabstand von eineinhalb Metern: Auf diese Distanz könnten sich die Leute dem Samichlaus nähern und mit ihm sprechen. «Natürlich müssen die Besucher kontrolliert gesammelt und geführt werden, immer unter Einhaltung der Schutzmassnahmen. Es ist also nicht auszuschliessen, dass es zu kleineren Wartezeiten kommen kann.»

Bis auf die Gemeinde Eschenbach, wo man sich gemäss der Liste noch nicht entschieden hat, sind alle Ein- und Auszüge in Stadt und Region Luzern abgesagt. In Buchrain, Ebikon, Inwil, Littau und Reussbühl aber soll das Trychlen trotzdem stattfinden. Das sei «völlig unproblematisch», sagt Freddy Duss von der Chlausengesellschaft Ebikon. «Trychler bewegen sich als Gruppe nur draussen, und dies in Zweierkolonnen unter Einhaltung des Sicherheitsabstandes von eineinhalb Metern. So kann der für die Samichlauszeit so typische Klang trotzdem verbreitet werden.»

Kriens klammert sich an die Hoffnung

In der Stadt Kriens, die auf der am Freitagmorgen verschickten Liste fehlt, hofft man darauf, an den geplanten Anlässen trotz Corona festhalten zu können. «Die Galli-Zunft Kriens hat sich entschieden, den Kindern, den Heimbewohnern und der Krienser Bevölkerung zuliebe Samichlaus durchzuführen. In welcher Form dies möglich ist, hängt von den dann aktuellen Sicherheitsanforderungen ab», erklärt Edy Jauch, der als Umzugschef der Galli-Zunft auch für die Samichlausaktivitäten verantwortlich ist. Alternativen wie auch die Art und Weise der Besuche seien in der Finalisierung.

«Wir haben dazu ein Schutzkonzept zuhanden der Behörden, der Familien und der involvierten Gruppen innerhalb der Galli-Zunft entwickelt. Dies im hochgradigsten Respekt zur Situation.»

Man investiere viel Zeit und Mühe in eine Durchführung der geplanten Aktivitäten unter Berücksichtigung aller Vorsichtsmassnahmen, betont Jauch. «Zum Beispiel hat bei uns auch jeder Samichlaus ein eigenes Gewand und einen eigenen Bart. Die Sicherheit des Samichlauses, seiner Gefolgschaft und der Bevölkerung ist unser oberstes Anliegen.» Im Rahmen der nächsten Zunftratssitzung Anfang Oktober werde man über das weitere Vorgehen entscheiden.

Auch auf der Landschaft wird es für den Samichlaus schwierig

Auch in Willisau müssen die Chlausumzüge alternativlos abgesagt werden. «Es war eine schwierige Entscheidung. Letztlich war aber der Aufwand, die Schutzbestimmungen durchzusetzen, als zu gross eingeschätzt», sagt Andreas Lütolf, Mitglied des Organisationskomitees Samichlaus in Willisau, auf Anfrage. Zudem habe man entschieden, auf Hausbesuche zu verzichten. Diesbezüglich werde aber an Alternativen gearbeitet. «Momentan sind wir in der Planung stationärer Anlässe, bei denen die Familien zum Samichlaus kommen können», so Lütolf weiter.

Die Schutzbestimmungen bereiten auch der Samichlausgesellschaft Wolhusen Mühe. «Für einen kleinen Verein wie den unseren sind die Schutzbestimmungen nicht erfüllbar», erklärt Patrik Schöpfer, Präsident der Samichlausgesellschaft Wolhusen. Deswegen müsse auch in Wolhusen auf die Umzüge verzichtet werden. Ein kleiner Trost bleibt den Familien jedoch. Denn unter den jetzigen Umständen sind Hausbesuche weiterhin vorgesehen. Ganz ohne Einschränkungen geht dies aber nicht. So wird laut Schöpfer die Entourage des Samichlaus' aus drei bis vier statt der üblichen fünf bis sieben Personen bestehen. Ferner müsste ein Formular mit den Namen der Personen im besuchten Haushalt erstellt werden. Überdies könnten kurzfristig noch weitere Änderungen vorgenommen werden.

Für die Bedenken der Samichlausgesellschaften hat der Luzerner Kantonsarzt Roger Harstall Verständnis. «Es liegt im Ermessen jedes Veranstalters, einen Anlass abzusagen.» Grundsätzlich aber seien Familienbesuche durch den Samichlaus und sein Gefolge unter Auflagen durchführbar. «Das hängt von diversen Faktoren ab, beispielsweise ob die Abstandsregeln eingehalten werden können oder nicht, ob der Besuch im Freien oder in Innenräumen stattfindet et cetera.» Wenn der Besuch im Freien stattfinde und die Abstandsregeln immer eingehalten würden, dann könne ein Samichlausbesuch sicher durchgeführt werden. Harstall aber betont: «Gefolgschaften und Helfer müssen Abstandsregeln einhalten oder Schutzmaske tragen. Gleiches gilt für den Samichlaus.» Gemäss Harstall wird die Dienststelle Gesundheit und Sport des Kantons Luzern auf ihrer Website demnächst ein Merkblatt zum Thema Samichlaus aufschalten.

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