Kultur

Der Erneuerer des Toggenburger Jodellieds kommt nach Uri

Am 7. November gastiert der Jodlerklub Wattwil in Amsteg. Geleitet wird der national bekannte Toggenburger Spitzenchor seit 25 Jahren von Ruedi Roth. Er verbindet Bewährtes und Neues, Traditionelles und Innovatives.

Ruedi Roth, auf einem Bauernhof in Hemberg in einer musikalischen Familie aufgewachsen, erlernte als 15‑Jähriger, fasziniert vom Trio Bürgler und seinem runden Illgauer Stil, autodidaktisch das Handorgelspielen. 1982 gründete er mit Gusti Arnold (Handorgel) und Walter Forrer (Bass) das Ländlertrio Churfirschtegruess, das bis 1998 bestand. Willy Valotti, der Dirigent des Jodlerklubs Wattwil, erkannte Ruedi Roths musikalisches und stimmliches Talent und holte ihn 1999 in den Chor. Roth war engagiert, erlernte das Notenlesen und das Bassgeigenspiel und entwickelte sich ständig weiter. 2001 übernahm er von Williy Valotti, der ihn als seinen Nachfolger aufbaut hatte, die Leitung des Jodlerklubs Wattwil. 2002 schrieb er seinen ersten Naturjodel «De Zwisler». Bis heute komponierte Ruedi Roth über 30 Naturjodel und eben so viele Jodellieder sowie die Jodelmesse «Seeleklang».

Sanfter Erneuerer des Jodellieds

Für sein Schaffen erhielt der Dirigent, Musiker und Volksmusikkomponist 2014 den Förderpreis der St. Gallischen Kulturstiftung. «Ruedi Roth ist ein sanfter Erneuerer des Jodellieds. Er ist fest verankert im traditionellen Jodelgesang und im Volkstümlichen», sagte damals der Laudator. «Ambitioniert war er musikalisch immer schon. Er wollte Dynamik, Tempowechsel in die Lieder bringen, ungewohnte Tonartenwechsel ausprobieren und andere Texte singen. Dabei sei er pingelig, hört man. Er sagt dazu: perfektionistisch.»

In seinen Jodelliedern beschreitet Ruedi Roth mit seinen Texten neue Wege. Sie handeln von Themen, welche die Lebenswirklichkeit vieler Menschen von heute widerspiegeln. «Meine Texte handeln darum nicht vom Alpenglühn, Bergfrühling oder Alpenrosen sondern von Themen, die uns alle betreffen», sagt Ruedi Roth. Dies widerspiegelt sich in Titeln wie  «Chrank si», «Der Niid», «Stilli Zärtlichkeite» oder «Tränezyte». Es geht Roth um die innere Stärkung des Menschen, um die Bereitschaft die eigenen Gefühle zuzulassen.

«Beim Komponieren eines neuen Naturjodels mache ich harmonisch neue Schritte, aber ich orientiere mich nach wie vor am traditionellen Naturjodel.» Auf jeder CD des Jodlerklubs Wattwil sind neue Kompositionen von Ruedi Roth zu hören. «Wir singen Lieder, die andere Klubs nicht haben, das ist etwas Besonderes. Es macht mir auch Freude, wenn andere Klubs meine Lieder übernehmen.»

Zwischen Toggenburger und Appenzeller Tradition

«Ich lebe in Hemberg, im Toggenburg, nahe beim Kanton Appenzell. So ist unser Programm eine Mischung zwischen Toggenburger und Appenzeller Tradition. Wir singen sowohl die wehmütigen, langsamen Appenzeller Zäuerli, aber auch die fröhlichen, schnelleren Toggenburger Naturjodel.» «Gestern hatten wir Probe», erzählt Ruedi Roth. «Danach haben wir spontan gesungen, das friert uns. Du weisst nicht, was kommt, du fängst einfach an und die andern stimmen ein. Jeder kann einfach mitsingen, das ist unbeschreiblich schön.»

Es ist Tradition, dass in vielen Gaststätten im Toggenburg und im Appenzell gesungen wird. Der mehrstimmige Naturjodel ist Teil des Alltags, der Kultur, des Selbstverständnisses und er steht auf der Unesco-Liste der Lebendigen Traditionen der Schweiz. «Der Nachwuchs bei unseren Jodlerklubs ist riesig. Die anderen Regionen sind fast ein wenig neidisch auf uns», sagt Ruedi Roth.

Jodlerklub Wattwil & Jodelchörli Hüsliberg: Samstag, 7. November 2026, 20.00 Uhr, in der Pfarrkirche Amsteg. Eintritt 25 Franken.

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