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Luzern

Deal unter Wohltätern: Wie zwei bekannte Luzerner der Gemeinnützigen Gesellschaft zu einer neuen Liegenschaft verhelfen

Urs W. Studer und Toni Göpfert haben die Stadt Luzern über Jahre geprägt. Auch heute arbeiten sie zusammen – in der Gemeinnützigen Gesellschaft Stadt Luzern. Nun hat Ex-Stadtschreiber Göpfert seine Liegenschaft an diese Gesellschaft verkauft.
Das Haus an der Bruchstrasse 5 (helle Fassade) hat der frühere Stadtschreiber Toni Göpfert an die Gemeinnützige Gesellschaft der Stadt Luzern verkauft. Er ist deren Vizepräsident. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 31. Mai 2021))
Urs W. Studer, Präsident der GGL und ehemaliger Stadtpräsident.
(Bild: Boris Bürgisser)
Toni Göpfert, Vizepräsident der GGL und ehemaliger Stadtschreiber. (Bild: Pius Amrein)

Christian Glaus

Christian Glaus

Christian Glaus

Sie tut viel Gutes, doch nur wenige kennen sie. Die Gemeinnützige Gesellschaft der Stadt Luzern (GGL) bleibt gern im Hintergrund und ist damit so etwas wie eine stille Wohltäterin. Die als Verein organisierte Gesellschaft verwaltet ein Vermögen von rund 25 Millionen Franken von verschiedenen Stiftungen; jährlich schüttet sie rund 450'000 Franken aus. Mit dem Geld werden Hilfsbedürftige sowie soziale und kulturelle Projekte unterstützt. Unter dem Patronat der GGL steht zudem die Gesellschaft Alters- und Pflegeheim Unterlöchli.

Hinter der Gesellschaft stehen einige bekannte Personen. Deren aktueller Präsident ist der Luzerner alt Stadtpräsident Urs W. Studer (1996–2012). Sein Vorgänger als Stadtpräsident, Franz Kurzmeyer, ist eines der Ehrenmitglieder. Vizepräsident ist Ex-Stadtschreiber Toni Göpfert (1990–2017). Durch ihre Funktion bei der GGL stehen Studer und Göpfert den zahlreichen angegliederten Stiftungen mit Namen wie «Barbara-Stiftung» oder «Hugo und Annie Grün-Stiftung» vor. Dies meist in gleicher Konstellation: Studer ist Präsident, Göpfert Vizepräsident. Auch nach Erreichen des Rentenalters engagieren sie sich für die Gesellschaft.

Verkauf könnte «heikel erscheinen»

Trotz oder eben gerade wegen seines Amts bei der Gemeinnützigen Gesellschaft hat Toni Göpfert kürzlich einen Verkauf abgeschlossen: Er hat seine private Liegenschaft an der Bruchstrasse 5 in Luzern an die GGL verkauft, wie dem Kantonsblatt zu entnehmen ist. Zum Preis werden keine Angaben gemacht. Neben mehreren vermieteten Wohnungen befinden sich im Gebäude auch einige Büros. Göpfert und Studer sind sich bewusst, dass ein solcher Verkauf «heikel erscheinen könnte». Der alt Stadtpräsident sagt auf Anfrage:

«Ich bin froh, dass die Aufsichtsbehörden den Kauf geprüft haben.»

Die Aufsichtsbehörden, das sind die Finanzkontrolle der Stadt Luzern sowie die Zentralschweizer Stiftungsaufsicht. Göpfert sagt, er sei bei diesem Geschäft als Vizepräsident in den Ausstand getreten und habe einzig als Verkäufer fungiert. Vor dem Abschluss des Verkaufs seien zwei unabhängige Schatzungen durchgeführt worden.

Gesellschaft braucht mehr Sicherheiten und profitiert von einem «Schnäppchen»

Obwohl dies nicht zu ihrem Kerngebiet gehört, erweitert die GGL nun ihr Liegenschaftsportfolio. Bisher besitzt sie lediglich das Haus an der Münzgasse 5 in Luzern – der Sitz der GGL. Göpferts Ex-Liegenschaft wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts gebaut und befand sich im Besitz seiner Familie. Sie gilt als schützenswert, die Mietzinse seien angemessen. Will sich die GGL nun also auf dem Wohnungsmarkt für preisgünstige Mieten starkmachen? Urs W. Studer verneint: «Wir haben die Liegenschaft im Sinne der Mittelallokation erworben. Über die Stiftungen halten wir praktisch nur Aktien und Wertpapiere, dafür brauchen wir Sicherheiten.» In wirtschaftlich schwierigen Zeiten, verbunden mit Negativzinsen, ist eine Liegenschaft der wohl sicherste Hafen. Studer spricht in Zusammenhang mit dem Kauf von «einem Schnäppchen für uns», um sich kurz darauf zu korrigieren. Dennoch:

«Hätte Toni Göpfert die Liegenschaft auf dem freien Markt verkauft, hätte er einen höheren Preis erzielen können.»

Dessen ist sich auch der ehemalige Stadtschreiber bewusst. Er sagt es so: «Vielleicht hätte ich mehr bekommen.» Als wohltätige Aktion will er den Verkauf jedenfalls nicht verstanden haben.

Göpfert will Spekulation verhindern

Zu den Gründen für den Verkauf will Göpfert keine näheren Angaben machen. Die Gemeinnützige Gesellschaft der Stadt Luzern sei nicht der Auslöser gewesen. Hingegen habe er durch sein Amt als Vizepräsident gewusst, dass diese sich auf dem Liegenschaftsmarkt umsehe. «Ich wusste, dass sie einseitig über Aktien und Wertpapiere finanziert ist und das Risiko breiter verteilen will.» So habe er das Geschäft ins Rollen gebracht. Seiner Familie sei ein guter Draht zu den Bewohnern und ein fairer Mietzins immer wichtig gewesen. Mit der GGL habe er die passende Käuferin gefunden: «Jetzt habe ich die Gewissheit, dass die Liegenschaft in meinem Sinn und Geist weitergeführt wird und nicht spekulativen Zwecken dient.»

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