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Aus dem Land Rover, Teil 9

Datteln, süsser Tee und eine Prise Sand

Die Sarner Michi Eberli und Nadia Federspiel reisen mit ihrem Land Rover «Buddy» durch Afrika. Europa kommt wieder näher, mittlerweile sind sie im Nahen Osten angekommen.
Unterwegs in Oman.
Bild: Michi Eberli/Nadia Federspiel

Ein Hauch von Weihrauch und Parfüm liegt in der Luft. Diese betörenden Gerüche sind wir nach zwei Jahren Afrika und 68’000 Kilometern Strasse, Piste und Schlaglöchern gar nicht mehr gewohnt. An «Buddy» haftet noch ein bisschen Kenia-Staub, der in Windeseile mit arabischem durchmischt wird. Wir sind im Oman und können endlich nach zwei Wochen Wartezeit im wahrsten Sinne des Wortes wieder Vollgas geben.

Ob wir einen Kulturschock haben? Ja, und das bereits nach dem ersten «Salam alaikum» und den fast schon obligatorischen Datteln mit Wasser, die wir immer wieder geschenkt bekommen. Ganz gleich, ob an malerischen Stränden, in tiefen Schluchten (auch Wadis genannt), in der trockenen Wüste oder auf dem hohen Berg, überall kann man in der Wildnis übernachten. Aber Obacht, von irgendwoher kommt bestimmt jemand daher, lädt zum Tee, zum Plaudern und meist gleich auch noch zum Essen ein. Nicht selten wird dafür morgens gleich eine Ziege auf der Pick-up-Ladefläche angebunden und am späteren Nachmittag mit Reis serviert.

Der Tausch von flüssigem Gold

Bassma und Ahmad haben dieses Mal keine Ziege dabei. Die Lammspiesse, die heute auf dem Feuer gegrillt werden, wurden bereits am Vortag nach omanischer Tradition vorbereitet. Sie haben sich bei der Arbeit kennengelernt, erzählt uns Bassma auf Englisch. Das war Liebe auf den ersten Blick. Nachdem Ahmad bei ihrem Vater den Segen eingeholt hat, hat er um ihre Hand angehalten. Ja, das sei sehr schnell gegangen, meint sie und lacht dabei verliebt. Ahmad arbeitet beim Militär und ist nebenbei Imker. Honig? Wir lieben Honig! Und packen gleich unseren sambischen sowie den wohlbehüteten Obwaldner Honig zum Probieren aus. Bevor unsere Wege sich jedoch wieder trennen, tauschen wir je eine Flasche des flüssigen Goldes. Sie nimmt uns zur Seite und erklärt, die Frau solle jeden Morgen einen Löffel davon mit Wasser mischen und trinken, das sei gut für die Fruchtbarkeit, und zwinkert uns zum Abschied zu.

Im Oman gibt es derzeit nur einen offiziellen Campingplatz. Dieser befindet sich in der historischen Stadt Nizwa. Die Aussicht auf eine effiziente Waschmaschine hat uns dorthin gelockt. Der Sand sitzt nämlich tief. Ali, der Besitzer, ist passionierter Motorradreisender. Seine Kontakte reichen von Afrika, Asien bis nach Europa. Er kennt alle, und alle kennen ihn. Einen Schlafplatz könnte er uns überall auf unserer Strecke organisieren, la muskila, kein Problem. Zu unserer Überraschung gibt’s sogar trotz mehrheitlich alkoholfreiem Oman wieder einmal ein bezahlbares Bier (2.50 CHF statt 9 CHF), welches wir in vollen Zügen geniessen.

Motorsport in der Wüste

In den Emiraten angekommen, dürfen wir uns Dubai und Abu Dhabi nicht entgehen lassen. Zwei Städte der Superlative. Obwohl wir gar nicht Grossstadtfreunde sind, ist die Skyline schon eine Nummer für sich. Relativ schnell wird uns klar, dass nicht nur die Omanis, sondern auch die Emiratis die Kombination von Autos und Sand als Sportart feiern und ihr Eigen nennen können. So landen wir inmitten des LIWA-Festivals, wo wir zwei Tage lang Abgase einatmen. Das Festival dauert einen ganzen Monat, wobei ein Spektakel dem anderen folgt. Von Motorcross- bis zu Monstertruck-Shows, von Dune Bashing und Drift-Contests ist alles dabei. Jung und Alt lieben es. Die Leute kommen in Scharen, entweder mit ihren eigenen Wohnwagen, die ohne Übertreibung die doppelte Grösse von europäischen haben, oder ganz einfach mit Beduinen-Zelten. Nur so unter uns: Einige dieser Wohnwagen hatten sogar einen Balkon.

Teezeit mit Einheimischen in Oman.
Bild: Michi Eberli/Nadia Federspiel

Mit dröhnenden Ohren machen wir uns auf nach Saudi-Arabien. Links und rechts türmen sich die Dünen der grössten Sandwüste der Erde, die Rub’ al Khali. Diese hat uns vom Oman über die Emirate bis hierher begleitet. Erst 2019 hat sich Saudi-Arabien für den Tourismus geöffnet. Natürlich auch mit dem Ziel, das eine oder andere bieten zu können. So steigen wir um 7 Uhr morgens bei Mohammed, unserem Park-Ranger, ins Auto. Mit ihm fahren wir in das Uruq-Bani-Ma’arid-Naturreservat. Obwohl «Buddy» den Sand mit links meistern könnte, ist es hier verboten, mit dem eigenen Auto reinzufahren. Auch Mohammed achtet penibel darauf, dass er die vorhandenen Spuren im Sand nicht verlässt. Plötzlich zeigt er auf einen weissen sich bewegenden Punkt in der Ferne. Der Punkt fängt an zu rennen, die Düne hoch und wieder runter. Aus einem werden drei. Die Punkte nehmen Gestalt an und sind gehörnt. Wir Glückspilze. Mehrere arabische Oryxe sind stehen geblieben, schauen uns an und traben gemütlich weiter. Wie kann man hier nur überleben, fragen wir uns, denn rundherum gibt es nur Sand.

Michi Eberli, gelernter Metallbaukonstrukteur, und Nadia Federspiel, Geologin, aus Sarnen entdecken in ihrem umgebauten Land Rover Afrika. Entlang der Westküste reisten sie bis ins südliche Afrika, entlang der Ostküste geht es in Richtung Heimat zurück. Die beiden berichten regelmässig von ihrer Reise.

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