Philipp Unterschütz
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Um die Wirtschaftlichkeit und den Qualitätswettbewerb unter den Spitälern zu fördern, wie mit der Revision des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) gewünscht, braucht es Transparenz bei den Kosten. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat gemeinsam mit den kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren ein Konzept zur Publikation der Fallkosten der Spitäler und Geburtshäuser ausgearbeitet. Die Kantone haben darauf die Daten für das Geschäftsjahr 2018 bei den Leistungserbringern erhoben, plausibilisiert, die zu publizierenden Fallkosten ermittelt und dem BAG zur Publikation zur Verfügung gestellt. Vor wenigen Tagen hat das BAG diese Fallkostenliste auf ihrer Website veröffentlicht.
Das Verfahren, bei dem die Kosten unter anderem nach Schweregrad bereinigt werden, ermöglicht es erstmals, die Kosten eines standardisierten Falls der Spitäler miteinander zu vergleichen. Die Direktoren der Kantonsspitäler von Nidwalden, Urs Baumberger, und Obwalden, Andreas Gattiker begrüssen diese Fallkostenliste, Kostentransparenz sei grundsätzlich etwas Gutes. Den Spitälern selbst bringen die Zahlen aber nicht so viel Neues. Es gibt seit 2012 den Spitalbenchmark, sodass sie ihre Kostenstruktur im Vergleich zu anderen Spitälern bereits kannten.
Nidwalden im Mittelfeld, Obwalden eher teuer
Für die Öffentlichkeit sind die Zahlen neu. Und die Fallkostenliste zeigt erhebliche Unterschiede. Danach ist in der Zentralschweiz das Spital Einsiedeln mit 11'494 Franken das teuerste, die Hirslanden Klinik St. Anna mit 8'928 Franken das günstigste Spital. Das günstigste Kantonsspital ist Sursee mit 9'189 Franken. Das Kantonsspital Obwalden gehört zu den teuersten. Mit 10'899 Franken liegt man genau 1'000 Franken oder fast 10 Prozent über dem Kantonsspital Nidwalden. Das Kantonsspital Luzern (inkl. Kinderspital) ist mit einem Beitrag von 9'849 Franken noch günstiger als Nidwalden.
Urs Baumberger ist mit den Zahlen des Nidwaldner Kantonsspitals zufrieden und verweist darauf, dass man dank der fortschrittlichen Strukturen und Prozessen, die man auch dank dem Spitalverbund Lunis erreicht habe, schon sehr effizient und wirtschaftlich arbeite. «Uns ist es aber auch wichtig, dass wir daneben eine hohe Patienten-, Zuweiser- und Mitarbeiterzufriedenheit haben. Eine qualitativ hochstehende, integrierte Versorgung für eine ganze Region wirtschaftlich anzubieten, wird auch in Zukunft die Herausforderung jedes Spitals sein.» Mit dem anstehenden Zusammenschluss mit dem Luzerner Kantonsspital gehe man diese Herausforderung gezielt an.
Obwalden klärt die Möglichkeiten der Spitalversorgung
In Obwalden liegen die Dinge anders. Hier läuft der politische Prozess, wie die Zukunft des Spitals aussehen soll. Die Zahlen liefern dem Obwaldner Spitaldirektor Andreas Gattiker denn auch weniger Grund zur Freude, auch wenn sie ihn nicht überraschen. «Wir wissen, dass vor allem das Angebot mit hohen Vorhalteleistungen durch das kleine Einzugsgebiet teuer ist. Ob man ein Spital mit einem Grundversorgungsangebot für 35'000 oder für 50'000 Einwohner betreibt, hat einen Einfluss auf die Kosten pro Fall.» Der Spitalrat habe deshalb ja auch der Regierung «den Spagat zwischen dem gesundheitspolitisch Wünschbaren und dem finanzpolitisch Machbaren aufgezeigt und Vorschläge gemacht».
Auch Regierungsrätin Maya Büchi als Vorsteherin des Finanzdepartements hat die Zahlen zur Kenntnis genommen. Sie meint, diese würden aufzeigen, dass der eingeleitete Veränderungsprozess der richtige Weg sei. Der Kanton erarbeitet derzeit eine Gesundheitsstrategie, welche unter anderem auch eine langfristig tragbare Finanzierung des Kantonsspitals beinhaltet. Ende dieses Jahres unterbreitet die Taskforce dem Regierungsrat ihre Gesamtbeurteilung zur Versorgungsstrategie. «Das Eruieren des Preisschildes ist Teil dieser Strategie. Der politische Prozess unter Mitwirkung der Bevölkerung wird bestimmen, welche Angebote zu welchen Kosten künftig in Obwalden umgesetzt werden können», so Maya Büchi.
Im Coronajahr werden die Kosten markant steigen
Immerhin ist zu erwarten, dass die Zahlen für 2019 in Obwalden deutlich besser sein werden. «Wir haben 2018/2019 rund 1,1 Millionen Franken Kosten abgebaut, der Spitalrat hat aus eigener Initiative die Effizienzanstrengungen erhöht», sagt Andreas Gattiker, der deshalb für die nächste Fallkostenliste mit 200 bis 300 Franken tieferen Kosten rechnet. Auch Urs Baumberger rechnet damit, dass 2019 die Fallkosten in Nidwalden etwas tiefer sein werden.
Für das Jahr 2020 sind die Prognosen wegen Corona aber eher düster. Während dem Corona-Lockdown durften die Spitäler nämlich nur noch dringliche Eingriffe durchführen, daher wird es 2020 weniger stationäre Patienten geben. «Die Aufwände, insbesondere die Personalkosten, werden jedoch nicht oder nur wenig tiefer sein und dadurch werden die Fallkosten 2020 merklich höher ausfallen als die jetzt publizierten 2018er Zahlen», sagt Urs Baumberger. Auch Andreas Gattiker ist dieser Meinung. Im 2021 oder sogar erst im 2022 werde sich dieser Corona-Effekt wieder abflachen.
Fallkostenvergleich birgt auch Gefahren
Auch wenn die Spitaldirektoren die Transparenz begrüssen, machen sie doch darauf aufmerksam, dass die jetzigen Fallkostenlisten auch ein Risiko bergen. «Die Gefahr eines Qualitätsabbaus ist sehr real», sagt Andreas Gattiker. «Das Krankenversicherungsgesetz schreibt Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit (WZW) vor, die Bundespolitik blendet die ersten zwei Vorgaben aufgrund der jährlichen Mehrprämien aber grundsätzlich aus.» Auch Urs Baumberger verweist auf die WZW-Kriterien und meint: «Wenn der Fokus nur auf den Kosten liegt, wird es wirklich gefährlich. Es müssen also zukünftig gute Kennzahlen für alle drei WZW-Kriterien erhoben und publiziert werden. Ein Spital, welches dann überall gute Werte ausweisen kann, ist top.»
Weitere Informationen finden Sie auf der Website des BAG.




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